Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


sollen sie gehen oder sollen sie bleiben? Wir vom SPIEGEL haben uns entschieden: Sie sollen bleiben. Am 23. Juni stimmen die Briten darüber ab, ob sie die EU verlassen oder nicht. Aus diesem Anlass haben wir ein Heft mit vielen Texten zum Brexit-Komplex gemacht, die wir auf Deutsch und auf Englisch drucken. Dafür haben wir das Heft erweitert. Dies ist unser Angebot für englischsprachige Leser in Deutschland und für die Briten auf der Insel. Der SPIEGEL wird dort ab heute in weit mehr Kiosken verkauft als sonst. Vor allem aber verstehen wir diese zum Teil zweisprachige Ausgabe als Zeichen der Zuneigung für die Briten. Das heißt, der eine oder andere Redakteur fände es besser, Großbritannien würde endlich die EU verlassen. Auch diese Haltung findet sich im neuen Heft. Zugleich finden Sie bei SPIEGEL ONLINE Kommentare, Analysen und Hintergründe zum drohenden Brexit, bei Twitter lautet der Hashtag zum Titel #pleasedontgo.

Sehen Sie hier die Animation im Video: Was der Brexit kostet?

DER SPIEGEL

War es Völkermord?

Titelbild
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Heft 24/2016
Warum wir die Briten brauchen. Why Germany needs the British

Der türkische Präsident Erdogan forderte jüngst von den Deutschen, dass sie sich mit den Herero befassen sollen, nicht mit den Armeniern. Bislang galt auch unter Wissenschaftlern nahezu als Gewissheit, dass deutsche Kolonialtruppen 1904 in Südwestafrika zehntausende Ureinwohner in die Wüste getrieben hatten, um sie dort verdursten zu lassen, dass sie auch Frauen und Kinder erschießen sollten. Bartholomäus Grill, Afrika-Korrespondent des SPIEGEL, weist nun in einer aufwendigen Recherche nach, dass es darüber keine Gewissheit geben kann. Die Deutschen verübten eine Menge Grausamkeiten, aber war es Völkermord? Lesen Sie bitte unbedingt dieses exzellente Geschichtsdrama.

AFP

Die Bahn und die Wale

Wie kann es sein, dass ein ICE, der in Hamburg Altona losfährt, bis Hamburg Hauptbahnhof 30 Minuten Verspätung einsammelt, oder 50? Das ist eine Frage, die ich mir regelmäßig stelle, wenn ich freitags am Hamburger Hauptbahnhof auf den Zug nach Berlin warte. Kürzlich dachte ich in meiner Verzweiflung, dass womöglich Wale auf den Gleisen liegen. Zwischen Altona und Hauptbahnhof fließt immerhin die Außenalster, und es dauert naturgemäß lange, um gestrandete Wale schonend von Gleisen zu entfernen. Ein anderer Grund könnte Unfähigkeit bei der Bahn sein, vor allem an der Spitze des Unternehmens. Diese These vertritt mein Kollege Sven Böll in einem erschütternden Report. Jeder vierte Fernzug ist verspätet. Das kann nicht nur an den Walen liegen.

Sehen Sie hier im Video: Das Hauptproblem der Bahn

DER SPIEGEL

Schönes Geschacher

Ein Geständnis: Ich mag Parteipolitik. Ich glaube fest daran, dass Parteien notwendig sind, um Meinungen zu bündeln und in Politik umzuwandeln. Deshalb ist auch das, was abfällig Parteiengeschacher genannt wird, manchmal richtig. Im Moment zum Beispiel. Die Politik sucht einen Nachfolger für Bundespräsident Joachim Gauck, und dies ist eine Chance für SPD, Grüne und Linke ein Bündnis gegen Angela Merkel zu schmieden, als Signal für die nächste Bundestagswahl. Damit endlich eine Alternative zur Großen Koalition möglich wird und die Demokratie lebendig bleibt. Das Hauptstadtbüro vom SPIEGEL hat eine spannende Geschichte über die ersten Sondierungen zusammengetragen, René Pfister kommentiert die Ereignisse.

picture alliance / dpa

Gewinner des Tages

Das ist Joachim Löw, weil er in einem Gespräch mit dem SPIEGEL einen ungeheuer wahren Satz sagt: "Wenn man das Gefühl 2014 erlebt hat, will man es wieder haben." Genau. Sehr richtig. Von Sonntag an geht es um den nächsten Titel. Vive la Mannschaft.

Getty Images

Ihnen eine anregende Lektüre des neuen SPIEGEL-Heftes und ein schönes Wochenende, Ihr

Dirk Kurbjuweit

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insgesamt 9 Beiträge
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Badischer Revoluzzer 11.06.2016
1. Der SPIEGEL empfindet
Zuneigung zu den Briten. Das ist mal eine Aussage. Ich weiß jetzt nicht, ob das ein Geschäftsmodel ist, oder ob ich am SPIEGEL zweifeln soll.
nic 11.06.2016
2.
Die Zukunft des Westens, die Deutschen brauchen die Briten... wie stark wird den noch aufgetragen um den Brexitbefürwortern Angst zu machen. Wie wär es mit: ohne die Briten in der EU (in der EU wohlgemerkt) geht die Welt unter?
garfield 11.06.2016
3.
---Zitat von sysop--- Wir vom SPIEGEL haben uns entschieden: Sie sollen bleiben. ---Zitatende--- Na, dann haben die Briten natürlich auf den Spiegel zu hören. ---Zitat von sysop--- Aus diesem Anlass haben wir ein Heft mit vielen Texten zum Brexit-Komplex gemacht, die wir auf Deutsch und auf Englisch drucken. Dafür haben wir das Heft erweitert. Dies ist unser Angebot für englischsprachige Leser in Deutschland und für die Briten auf der Insel. ---Zitatende--- Sehr gut. Das wird das Lager der Brexit-Befürworter vergrößern.
BettyB. 11.06.2016
4. Klar doch...
Zweisprachig, aber nicht in Schottisch. Wohl weil die Schotten mehrheitlich in der EU bleiben wollen. Vielleicht aber auch als eine Art Ohrfeige, denn Kommentare über die Klugheit Großbritanniens sind ja wahrlich kein Zeichen von Sprachgefühl (ein kluges Land, ich lachte mich fast krank), gewiss aber auch eine Aufforderung sich weiterhin gegen die EU zu entscheiden. Deutsche Arroganz und fehlendes Sprachgefühl in der Chefetage. Ein Knaller...
k.ockenga 11.06.2016
5.
Ja Nein, Ja nein? Welche weitere Chance hätte ein Brexit? Träten sie aus, gäbe es einen großen Schlag. Für alle. Wer sitzen blieb, war häufig später geheilt. Wir könnten uns erholen, die Briten kaum. Außerdem hätten wir dann für die schmerzlich heilsamen Folgen einen guten Sündenbock. Braucht die EU einen solchen Schlag und wäre dessen Preis zu teuer? Jetzt ist die EU lahm. Sie hat innerhalb kein politisches Drohpotential. Die Polen und andere machen was sie wollen. Allen vor Augen und in den Beutel fühlen lassen, was es bedeutet, global bedeutungslos zu werden, könnte heilsam sein. Ist es das nicht, haben die Briten wohl getan. Was nicht anzunehmen ist. Aber eine gründliche Erneuerung der EU ist vermutlich nur auf diesem schmerzlichen Weg möglich. Durch einen Brexit könnten die Briten zum Geburtshelfer eine neuen EU werden.
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