Die Lage am Donnerstag Liebe Leserin, lieber Leser,


SPIEGEL ONLINE widmet den heutigen Tag dem Krieg in Syrien, dem bestimmenden Konflikt unserer Zeit. Die Ruinen und die Toten von Aleppo sind eine Schande für die Welt. Die zweigeteilte, zerstörte Stadt ist ein erschütterndes Symbol für die Schrecken dieses Kriegs. Sunnitische Rebellen und schiitische Regime-Kämpfer haben sich in dieser dramatischen Woche gegenseitig eingeschlossen, syrisch-russische Bomben treffen derweil Krankenhäuser, Hunderttausende Zivilisten sind bedroht. Laut Schätzungen sind bis zu 400.000 Menschen gestorben.

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Heft 32/2016
Wie man sein Smartphone beherrscht - und Ruhe findet

Wir gehen der Frage nach: Was kann man jetzt eigentlich noch tun? Wir zeigen, wie Syrien vor dem Krieg aussah - und was heute aus den Städten geworden ist. Nahost-Redakteur Christoph Sydow beschreibt in einer Analyse, wie sich der Westen durch seine abwartende Haltung in eine ohnmächtige Position gebracht hat - heute sind Russland und Iran die dominierenden Mächte im Land.

Marcel Mettelsiefen

Wie der Krieg vor fünf Jahren begann

SPIEGEL-Reporter Christoph Reuter, der Syrien seit Kriegsbeginn insgesamt 19 Mal bereist hat, beschreibt in einem persönlichen Text seine erste Reise vor genau fünf Jahren in die Stadt Homs, die "es damals noch gab". Er traf die damals noch friedlichen Demonstranten gegen Assad, die schon bald von Regimetruppen zusammengeschossen wurden - von den Aktivisten, die Reuter damals traf, lebt heute keiner mehr. Viele Aufständischen haben sich seither radikalisiert. Reuter schreibt: "Je länger Kriege dauern, desto uninteressanter werden sie. Jeden Tag ein paar Dutzend Tote, das ist keine Nachricht mehr. Doch das ist ein nicht endender Albtraum, der vor unfassbar fern erscheinenden fünf Jahren vielleicht noch hätte gestoppt werden können."

DPA

Der Wahlkampf um die Sicherheit

Ein Jahr vor der Bundestagswahl eröffnet die CDU den Wahlkampf mit dem Thema Sicherheit. Heute Mittag erklärt Bundesinnenminister Thomas de Maizière, wie er mit neuen Sicherheitsgesetzen den Schutz vor Terroranschlägen verbessern will - und interessant wird dabei sein, wie sich diese Maßnahmen von den bereits bekanntgewordenen Forderungen der CDU-Innenminister unterscheiden. Die nämlich wollen: ein Burkaverbot, die Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft, 15.000 zusätzliche Polizisten, mehr Vorratsdatenspeicherung und Videoüberwachung. Die SPD protestiert bereits gegen "die Forderungen aus der rechtskonservativen Altkleidersammlung". Am Ende werde von vielen Vorschlägen der Innenminister wohl nicht viel übrigbleiben, schreiben meine Kollegen Jörg Diehl, Matthias Gebauer und Annett Meiritz. Aber die Positionierung im Wahlkampf wäre damit geklärt.

AP

Clintons Kampf um die Arbeiter

In einem Vorort der kriselnden Industriestadt Detroit hält Hillary Clinton heute eine Rede zu ihrer Wirtschaftspolitik - sie wird in einem Autozulieferbetrieb sprechen, und das Ziel der Rede ist klar: Sie will die Arbeiter ansprechen, von denen viele mit Trumps globalisierungsfeindlicher Agenda sympathisieren. Zugleich will sie auch unentschiedene Mitte-Wähler oder moderate Republikaner für sich gewinnen, die von Trump abgestoßen sind. Ein schwieriger Balanceakt. Die Rede kommt drei Tage nachdem Trump eine eigene Rede zur Wirtschaftspolitik hielt, bei der er "null Prozent Steuern" für Einkommensschwache und Steuersenkungen für Reiche versprach - ebenfalls in Detroit.

REUTERS

Verliererin des Tages

...ist die brasilianische Noch-Präsidentin Dilma Rousseff. Während in ihrem Land die Olympischen Spiele im Gang sind, hat der Senat am Mittwoch mit 59 zu 21 Stimmen entschieden, das Amtsenthebungsverfahren gegen sie weiter voranzutreiben. Erst Ende des Monats wird sich zeigen, ob eine Zweidrittelmehrheit sie auch wirklich enthebt. Wenn Sie die größte politische Krise verstehen wollen, die Brasilien seit Jahrzehnten erlebt, empfehle ich Ihnen diesen umfassenden und spannenden Text meiner Kollegen Marian Blasberg und Jens Glüsing auf SPIEGEL Plus.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag - und dass der Sommer bald wiederkehrt!

Herzlich,

Ihr Mathieu von Rohr, stv. Ressortleiter Ausland, DER SPIEGEL

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
StefanZ.. 11.08.2016
1. Hätte der Syrien Krieg verhindert/frühzeitig gestoppt werden können?
Selbstverständlich und das gilt für alle schon laufenden und noch aufkommenden kriegerischen Auseinandersetzungen. Warum schreibt der Spiegel keine Artikel zu der naheliegenden praktischen Maßnahme? Es gibt bereits die sogenannten Peacekeeping Truppen der UN. Historisch ein recht armseliger Haufen von schlecht ausgerüsteten Soldaten mit einem praktisch ausschließlichen Zuschaumandat. Sie dürfen nur geschickt werden, wenn die Konfliktparteien Vorort zustimmen. Ohne Abnicken der jeweiligen Regierung/Regime geht also gar nichts. Es wäre an der Zeit, dass die Generalversammlung der Nationen endlich ernstmacht. Eine Eingreiftruppe, die nicht vom Geschachere in dem illegitimen UN-Sicherheitsrat abhängt, sondern sofort bei jeglicher Art von offener Gewalt auftaucht und Kombattanten festnimmt und deportiert, wäre die richtige Antwort im 21. Jahrhundert. Dieses Mandat würde auch für jegliche Gewaltregime Nord wie Süd gelten, die so gemäß stehenden Mandat jederzeit damit rechnen können aus dem Sessel gehoben zu werden. Ein Assat wäre also schon lange Zeit Geschichte. Nette Träume? Falsche Frage. Passender wäre zu fragen wie schrecklich die Zustände erst kommen müssen, bis auch die dümmsten Egoisten und Feiglinge einlenken. Ich vermute, dass der Leidensdruck noch Jahrzehnte steigen muss, bevor auch nur über die tatsächliche Lösung hin zum Weltfrieden diskutiert wird.
biba_123 11.08.2016
2. Irgendwann ist der Krieg in Syrien vorbei
Und dann werden Feagen gestellt werden. Fragen,die derzeit als politisch unkorrekt bewertet und deshalb als unverschämte wertet werden. Aber irgendwann wird sich die Frage nach der Verantwortung für all die Toten und Verzriebenen in Syrien nicht mehr unterdrücken lassen. Und dann wird die Frage,inwieweit die Politik des Westens,Assad weghaben zu wollen,nicht ursächlich war,sich nicht mehr wegschreien lassen. Was wäre heute,hätte man Assad sein Ding machen lassen? Wären ebensoviele Tote und Vertriebene zu beklagen? Gäbe es den IS in der Form,wie wir ihn jetzt erleben? Wäre der Terror so brachial in Europa aufgeschlagen? Und wer heute noch in seiner Friedenstraumwelt sitzend,ja ruft,wird sich wahrscheinlich in einigen Jahren verschämt verstecken müssen. Nicht immer ist das vermeintlich schlimmste Übel das wirklich Schlimmste,was passieren kann!
thequickeningishappening 11.08.2016
3. # CDU/Wahlkampf
Der Sinn einer "Altkleidersammlung" ist Es, beduerftigen Leuten passable Kleidung zu geben. Es gibt viele Buerger, die sich ob der Politik der letzten Jahre ziemlich "nackt" vorkommen.
hei-nun 11.08.2016
4. Ursache und Wirkung
Zitat von biba_123Und dann werden Feagen gestellt werden. Fragen,die derzeit als politisch unkorrekt bewertet und deshalb als unverschämte wertet werden. Aber irgendwann wird sich die Frage nach der Verantwortung für all die Toten und Verzriebenen in Syrien nicht mehr unterdrücken lassen. Und dann wird die Frage,inwieweit die Politik des Westens,Assad weghaben zu wollen,nicht ursächlich war,sich nicht mehr wegschreien lassen. Was wäre heute,hätte man Assad sein Ding machen lassen? Wären ebensoviele Tote und Vertriebene zu beklagen? Gäbe es den IS in der Form,wie wir ihn jetzt erleben? Wäre der Terror so brachial in Europa aufgeschlagen? Und wer heute noch in seiner Friedenstraumwelt sitzend,ja ruft,wird sich wahrscheinlich in einigen Jahren verschämt verstecken müssen. Nicht immer ist das vermeintlich schlimmste Übel das wirklich Schlimmste,was passieren kann!
Das Problem von Anfang an: Jeder der Beteiligten und sich Einmischenden hat sein spezielles (und größtenteils ganz unterschiedliches) Ziel, an dem er ohne Rücksicht auf Verluste (Menschen) festhält. Das zieht sich bis hier in die "Syrien-Foren" durch: Die Bevölkerung war zum großen Teil das Regime Assad leid (Folter-Kerller !) und hat dagegen größtenteils friedlich demonstriert. Assad selbst hat seine Macht in Gefahr gesehen und von Anfang an mit größter Härte eingegriffen. Die Russen haben auch ihre Interessen: Assad unterstützen, um damit eigene Vorteile zu bewahren: Geschäfte, Stützpunkt an der Küste usw. Assad mit Waffen zu beliefern, im UNO-Sicherheitsrat zu schützen und militärisch zu unterstützen, hat den Krieg erheblich verlängert. Die ISLAM-Front (Saudi, Katar, Iran, ...) hat eine Chance gewittert, ihre "Religion" ausbreiten zu können und dann versucht, mit allen Mitteln islamische Kräfte zu unterstützen. Parallel zur Islam-Front haben dann diverse islamistische Terror-Gruppen angefangen, auch ihr "Süppchen" zu kochen. Die USA hatten von Anfang an das Problem, sich einerseits militärisch unbedingt raushalten zu wollen, andererseits aber nicht genau zu wissen, wenn sie wie unterstützen können und sollen. Die Wahl zwischen Pest und Cholera. Dem übrigen Westen erging es wie den USA, eher noch schlimmer. Wenn Sie jetzt schreiben: "Was wäre heute, hätte man Assad sein Ding machen lassen?", was meinen Sie ? Genau das ist doch passiert - weil Assad "sein Ding" gemacht hat, gibt es heute 10.000 Tote und Millionen Vertriebene ! Lösung: Auf Grund der Gemengelage nicht in Sicht !
sinasina 11.08.2016
5. Anregung
In Anbetracht der vielen Artikel zum Verhältnis von Migranten - Flüchtlingen - Deutschen wäre es wahrscheinlich angebracht, dass »Migranten« und »Deutsche« endlich einmal Tacheles miteinander reden. Nur wer ehrlich miteinander spricht - kann sich auch verstehen lernen. Die allseits beschworene »politische Korrektes« hilft dabei wenig, höchsten der AfD. Weil immer mehr Menschen den Eindruck haben, sie dürfen nicht sagen, was sie denken. Es ist aber sehr wichtig, dass endlich zu Sprache kommt, was unterschwellig auf beiden Seiten seit Jahren gärt. Vielleicht macht Spiegel-Online ja mal zu diesem Thema ein Forum auf - unabhängig von den verschiedenen Artikeln. Und eines, was nicht sogleich wieder geschlossen wird - sofern Spiegel-Online sich noch als Leuchtturm versteht (was er für mich jahrzehntelang war) und nicht als Bildzeitung für Linke. http://www.spiegel.de/forum/politik/deutsch-tuerken-gelsenkirchen-vielleicht-muss-eine-leichte-diktatur-herrschen-thread-498422-1.html *** Was den sehr guten Artikel von Gisela Friedrichsen »Richter-Schelte für Anwälte: Der Skandal nach dem Urteil« betrifft: Auch hier wäre ein Forum wichtig. Seitdem nämlich durch das Internet immer mehr Urteile (und das Verhalten von Richtern) öffentlich werden stellt sich auch zunehmend die Frage, was eigentlich mit unserem Rechtssystem los ist? (Und das betrifft Migranten, Flüchtlinge und Deutsche gleichermaßen, ebenso Politiker und Politik) Siehe hierzu auch Herrn Richter Mickat, der vermögende Angeklagte entlasten mit: »Man muss sich die Situation vor Augen führen, die aufkeimende Goldgräberstimmung«. Und wer will glauben, dass ein versierter Rechtsanwalt wie Herr Dr. Strate so dämlich ist und einen Zeugen kauft? Da stellt sich doch die Frage ob dies eine Retourkutsche unterhalb der Gürtellinie für die Verteidigung von Herrn Mollath war? http://www.spiegel.de/panorama/justiz/oktoberfest-urteil-gegen-millionaersverlobte-richter-schelten-anwaelte-a-1107095.html http://www.zeit.de/news/2012-06/19/prozesse-bayernlb-richter-schraubt-millionforderung-zurueck-19142004 http://www.welt.de/regionales/muenchen/article106630399/BayernLB-will-200-Millionen-Euro-Schadenersatz.html http://www.focus.de/finanzen/news/prozesse-schadenersatzprozess-gegen-ex-bayernlb-vorstaende-ohne-rasches-ende_aid_1163043.html http://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Da-waren-s-nur-noch-zwei-id20655496.html
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