Die Lage am Donnerstag Liebe Leserin, lieber Leser,

auf dem Parteikongress der Republikaner wird heute jener Mann seine Grundsatzrede halten, den nicht wenige für den ungeeignetsten Präsidentschaftsbewerber aller Zeiten halten: Donald Trump will Millionen Menschen aus den USA ausweisen, eine Mauer zu Mexiko bauen und sämtliche Handelsabkommen des Landes kündigen. Trump ist ein Prediger des Hasses, der Amerika groß machen will, indem er es spaltet - und doch halten es viele nicht für gänzlich ausgeschlossen, dass der Unternehmer die Wahlen im kommenden November gewinnt. "Die Welt ist ein seltsames Theater", schrieb der französische Amerikakenner Alexis de Tocqueville schon vor über 150 Jahren. "Man findet dort Augenblicke, wo die schlechtesten Stücke den größten Erfolg haben."

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Unser Schurke

Seit heute gilt in der Türkei der Ausnahmezustand. Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Tausende Offiziere verhaften lassen und Zehntausende Beamte gefeuert. Wissenschaftler dürfen sich nicht mehr frei bewegen, TV- und Rundfunkstationen wurden geschlossen. Der Despot vom Bosporus will offenbar nicht nur mit den Putschisten, sondern auch mit Demokratie, Rechtsstaat und Gewaltenteilung abrechnen. Und wie reagiert Europa? Die Regierungen in Paris, Berlin oder Rom drohen mit dem Abbruch der Gespräche zum EU-Beitritt, den die Türkei nicht mehr anstrebt. Für die Regierungen des Westens gilt die alte Logik des Kalten Kriegs: Er mag zwar ein Schurke sein, aber er ist unser Schurke.

Foto: Wolfgang Kumm/ dpa

Jobs stückeln

Der Vorschlag ist alt, kompliziert und chancenlos, weil die Union ihn ablehnt. Trotzdem könnte Manuela Schwesigs Idee, mithilfe eines sogenannten Familiengeldes Teilzeitjobs von Männern und Frauen zu fördern, zum Wahlkampfhit werden. Nicht unbedingt bei Angestellten der freien Wirtschaft, für die das Modell zu starr und bürokratisch ist. Wohl aber im öffentlichen Dienst, wo schon heute viele Jobs gestückelt werden - und die SPD viele potenzielle Wähler vermutet. Heute wird die Ressortchefin bei etlichen Wahlkampfterminen in ihrem Heimatland Mecklenburg-Vorpommern testen, ob das Konzept bei den Stammwählern ankommt. Ist Schwesig erfolgreich, würden erfahrene Kampagnenplaner wohl von "symmetrischer Mobilisierung" sprechen.

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Übervater de Gaulle

Wenn es ein Europa der zwei Geschwindigkeiten gibt, dann ist die sogenannte Visegrád-Gruppe der EU-Länder Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn mit Sicherheit der langsamere Teil. Die Osteuropa-Staaten wehren sich gegen Quoten für Flüchtlinge, weshalb sie Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn schon "Verein der Abtrünnigen" nannte. Sie sind gegen einen Brüsseler Zentralstaat und hätten es am liebsten gesehen, wenn die komplette EU-Spitze aus Jean-Claude Juncker, Martin Schulz und Donald Tusk nach dem Brexit-Votum abgetreten wäre. Heute treffen sich die Regierungschefs des Staaten-Quartetts in Warschau, um eine Idee wiederzubeleben, die paradoxerweise vom westlichsten aller westlichen EU-Gründerväter stammt: das "Europa der Vaterländer" von Charles de Gaulle.

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Gewinner des Tages...

...ist der Dax. Militärputsch, Terror, Bankenbeben: Eigentlich hätten die schlechten Nachrichten der vergangenen Tage die Kurse tief ins Minus drücken müssen. Doch gestern legten die größten deutschen Aktien um 1,6 Prozent zu, womit der Index wieder auf den höchsten Stand seit dem britischen EU-Votum geklettert ist und die Verluste der vergangenen Tage nahezu vollständig aufgeholt hat. Wie lautet die alte Börsenweisheit? Kaufen, wenn die Kanonen donnern.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Herzliche Grüße, Ihr

Michael Sauga

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