Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


heute Nachmittag kommen im badischen Städtchen Rust, bekannt durch seinen Freizeitpark, die Spitzen der Regierungsfraktionen zu einer zweitätigen Klausur zusammen. Sie wollen beraten, was sie noch auf die Reihe bringen, bevor endgültig der Wahlkampf für 2017 beginnt. Sicher wird es dann auch um die Rente gehen. Die Kanzlerin will das Thema aus dem Wahlkampf heraushalten, die SPD und Horst Seehofer hoffen, damit Wahlkampf zu führen. Schließlich werden mehr als ein Drittel der Wahlberechtigten älter als 60 sein - und sie werden zur Wahl gehen. Was mich immer wieder wundert: Wo bleibt bei all den Rentendiskussionen eigentlich der #Aufschrei der Jungen?

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier:

Trump und Clinton triumphieren in New York

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 16/2016
ZDF-Skandal, Staatsaffäre, persönliche Tragödie

Bei der Vorwahl in New York triumphieren die Spitzenreiter : Donald Trump deklassiert Ted Cruz und versetzt damit all jenen, die ihm noch die Präsidentschaftskandidatur verwehren wollen, einen schweren Schlag. Bei der Siegesfeier in seinem Trump Tower in Manhattan testet er gleich mal einen weicheren Ton: weniger Aggression, mehr Inhalte. Seine neuen Berater scheinen ihm den Kurs verordnet zu haben. Wie er sich auswirkt, wird er beim nächsten Super Tuesday in der kommenden Woche erfahren. Hillary Clinton kann derweil fest für den Hauptwahlkampf planen. Sie ließ ihrem Rivalen Bernie Sanders so wenig Chancen, dass der sich erst einmal einen Tag Pause vom Wahlkampf gönnt. War es das etwa für Bernie Sanders?

Der Staat als Hacker

Heute verkündet das Bundesverfassungsgericht sein Urteil über den Einsatz sogenannter Staatstrojaner. Karlsruhe muss entscheiden, wie weit der Staat bei der Abwehr von Terroristen gehen darf, die ihre Anschläge immer öfter im Internet planen. "Staatliches Hacking" nennt der ehemalige Innenminister Gerhard Baum, er ist einer der Kläger, den Einsatz von Spähsoftware. Der Liberale sieht den "Kernbereich privater Lebensgestaltung" in Gefahr. Freiheit oder Sicherheit? Das ist hier die Frage. Baum glaubt nicht, dass die Trojaner des BKA wirklich nur können, was sie können dürfen, nämlich laufende Kommunikation überwachen - und nicht noch das Tagebuch der Terroristen lesen.

DPA

Rat und Krise

in Brüssel kommt heute der Nato-Russland-Rat zusammen, zum ersten Mal seit der Ukraine-Krise sprechen Moskau und die Allianz wieder miteinander. Das ist ein gutes Zeichen. Beunruhigend bleibt: Auf den Höhepunkt der Krise, als es eigentlich besonders nötig gewesen wäre miteinander zu reden, hat der Nato-Russland-Rat versagt.

DPA

Obama auf Ölmission

Und noch einen Nachricht aus der großen weiten Welt: US-Präsident Obama besucht heute Saudi-Arabien. Er muss König Salman und seinen Mannen beweisen, dass er sie noch liebhat, seit er mit dem Erzrivalen Iran auf Schmusekurs gegangen ist. Eigentlich will er Riad aber dazu bewegen, dass es endlich das Ölpreis-Dumping beendet, das die US-Fracking-Industrie kaputtmacht. Unsere Kollegin Samiha Shafy beschreibt heute in einem großen Report die aktuelle Lage des Landes.

Getty Images

Gewinnerin des Tages

Was das Thema Sexismus angeht, liegen im Moment in Deutschland die Nerven blank. Erst Minister Maas mit seinem Verbot sexistischer Werbung (steckt etwa seine Neue dahinter, die Schauspielerin Natalia Wörner?) und jetzt der Sport. Ließ doch tatsächlich ein Meinungsforschungsinstitut die "heißeste Sportjournalistin" ermitteln. Wir wissen nicht, wie Gewinnerin Laura Wontorra zu der Auszeichnung steht, wir wissen aber, dass andere Sportjournalistinnen das Ganze ziemlich sch*** fanden. Unter #scheißaufheiß gab es einen #Aufschrei. Ich sehe da eher ein neues Betätigungsfeld für Minister Maas. Vielleicht ein Verbot? Das Wörtchen "heiß" in Verbindung mit weiblichen Berufsbezeichnungen?

REUTERS

Und dann gibt es da noch eine Gewinnerin

Kanzlerin Merkel. Die kann sich freuen, denn ihr ganz besonderer Freund Viktor Orbán sieht sich in der Flüchtlingspolitik seit seinem Besuch bei Altkanzler Kohl in Oggersheim "Seite an Seite" mit Merkel. Jetzt muss er nur noch seinen Freund Horst überzeugen, sich auch unterzuhaken. Dann wird alles gut.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Vorwahlen: Die Favoriten siegen in New York

Quartalszahlen: Yahoo-Umsatz fällt um elf Prozent

Zwergplanet Ceres: Neues Kraterfoto zeigt Erdrutsche

Kinderporno-Prozess: Magier Jan Rouven bleibt in U-Haft

Mit herzlichem Gruß,

Ihre Christiane Hoffmann, stellvertretende Leiterin Hauptstadtbüro, DER SPIEGEL

Mehr zum Thema
Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen


insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fleischzerleger 20.04.2016
1.
Aufschreien hilft nichts - sondern eben auch die heißesten Sportler wählen und bei ähnlichen Sachen gleich die Gegenoffensive starten. Wenn dann die Kerle nicht alle so geleckt wie aus dem Katalog aussehen und vielleicht mal wieder einer mit Brustbehaarung dabei ist, dann bitte sehr viele Gegenaktionen !!!
bronck 20.04.2016
2. Saus und Braus
Die jetzige Rentnergeneration ist die letzte, die derart in Saus und Braus lebt. Und kommen Sie mir bitte nicht mit Altersarmut, die Rentner sind die Bevölkerungsgruppe mit dem höchsten verfügbaren (!!) Einkommen in Deutschland. Arm sind junge Menschen, weil die nicht in einem abbezahlten Haus wohnen und kaum noch Kosten haben. Warum es keinen Aufschrei gibt? Weil die Jungen inzwischen resigniert haben. Gegen die ergraute Wählermacht kommen sie eh nicht an und sie wissen jetzt schon, dass später für sie nichts vom Kuchen bleiben wird. Denn der wird heute gegessen und nicht morgen.
women_1900 20.04.2016
3. wenn ein Drittel der Wahlberechtigten
Ü60 bleiben immer noch 2 Drittel, die die angebliche Übermacht der älteren Wähler/Innen überstimmen könn(t)en. Da brauchts keinen #Aufschrei. Und da ist auch keine Ungleichheit vorhanden. Oder hat sich die Mathematik auch schon angepasst?
larrydavid 20.04.2016
4. Was
denn für einen Aufschrei, liebe Frau Hoffmann? Wenn die gesetzliche Rente gestärkt wird ist dies nur im Sinne der Jugend.
alkib 20.04.2016
5. Weshalb Aufschrei ?
Wenn der Renten Beitrag um 4% erhöht würde, müsste doch der Arbeitnehmer nur 2% selber zahlen statt 4% bei Riester. Wenn der "rentenpunkt" dann 35,- Euro aktuell brächte, würde auch die Rente der mittelalten und jungen von dieser Basis ausgehend steigen. Alle haben also was davon !
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.