Die Lage am Donnerstag Liebe Leserin, lieber Leser,

diesen Sommer wurden viele Tränen über den Abschied der Briten aus der EU vergossen. Aber nicht alle waren echt. Die Briten haben immer das Prinzip der Marktwirtschaft verteidigt - sehr zum Ärger vieler europäischer Sozialisten, die sich heute in La Celle-Saint-Cloud bei Paris treffen. Wenn sich Frankreichs Präsident François Hollande danach erklärt, muss er nicht mehr fürchten, dass ihm anschließend ein britischer Premier in die Parade fährt. Mit dem Brexit wird die EU nicht nur kleiner, ihr Herz schlägt dann auch links.

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Streit um Kohls Erbe

Fünf Millionen Euro - so viel will Helmut Kohl von seinem ehemaligen Ghostwriter Heribert Schwan, weil der vor zwei Jahren ein Buch mit deftigen Zitaten des Altkanzlers über ehemalige Weggefährten veröffentlicht hat. Heute nun will das Landgericht Köln eine Entscheidung verkünden. Aber wie immer sie ausfällt: Es wird nur eine Etappe in einem Rechtsstreit sein, der wohl erst vor dem Bundesverfassungsgericht endet. Man mag es für unfein halten, dass Schwan die delikaten Interviews mit dem Altkanzler ohne dessen Einwilligung veröffentlicht hat. Nur: Es war eben auch ein Beitrag zu einer ungeschminkten Geschichtsschreibung.

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Leere Versprechen

Schon wieder wurde Italien von einem Erdbeben heimgesucht, und schon wieder hat es einen furchtbaren Tribut gefordert: Mehr als 240 Menschen sind ums Leben gekommen, die Hälfte des jahrhundertealten Städtchen Amatrice steht nicht mehr. Italiens Regierungschef Matteo Renzi hat gestern das Katastrophengebiet besucht und Hilfe zugesagt. Man kann nur hoffen, dass er seine Worte ernster nimmt als sein Vorgänger Silvio Berlusconi. Der hatte nach dem Beben von L'Aquila im April 2009 versprochen, dass die Stadt in den Abruzzen schnell wieder aufgebaut wird. Doch auch Jahre nach der Katastrophe, bei der mehr als 300 Menschen den Tod fanden, glich das historische Zentrum noch einer Geistersiedlung.

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Verliererin des Tages...

... ist Petra Hinz. Nach langem Hin und Her hat die SPD-Abgeordnete nun den Verzicht auf ihr Mandat erklärt. Doch sie tat das per Fax, und das genügt nicht den Formvorschriften, wie ein Parlamentssprecher dem WDR sagte. Vielleicht war es nur ein Versehen der Frau, die ihre Partei und die Öffentlichkeit mit einem falschen Lebenslauf jahrelang hinters Licht führte. Vielleicht aber ist ihr das Schummeln zu einer zweiten Natur geworden.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag,

Ihr René Pfister