Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


"Hillary, Hillary": Die Demokraten haben ihre Präsidentschaftskandidatin am letzten Tag des Nominierungsparteitags in Philadelphia in der Nacht begeistert gefeiert - und offiziell den Wahlkampf ums Oval Office gestartet. Hillary Clinton präsentierte sich in ihrer Abschlussrede als Gegenmodell zu Donald Trump: sozial, progressiv, weltläufig. Versöhnen statt spalten, so lautet ihr Motto. Sie werde Präsidentin für alle Amerikaner sein. "Wir wollen gemeinsam an Amerikas Zukunft arbeiten, nicht gegeneinander", rief sie den begeisterten Delegierten zu. Es war ein starker Auftritt, energisch und mit viel Herz. Sie versprach, neue Arbeitsplätze zu schaffen und weltweit für Klimaschutz und Frieden zu arbeiten. So dürfte sie einen ordentlichen Schub in den Umfragen erhalten. Die gefürchtete Clinton-Wahlkampfmaschine läuft wie geschmiert.

REUTERS

Zeugnistag für Europas Banken

Die Europäische Bankenaufsicht EBA und die Europäische Zentralbank veröffentlichen heute Ergebnisse des jüngsten Krisentests für Europas größte Geldhäuser. Die Politik - aber auch Anleger - erhoffen sich neue Erkenntnisse, wie es um die Bankenbranche acht Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise bestellt ist. 51 Banken mussten in dem Stresstest beweisen, dass sie für eine neue Krise gerüstet wären. Besonders genau werden die Deutsche Bank und italienische Geldhäuser wie etwa Monte dei Paschi angeschaut. Die italienischen Banken schieben angeblich faule Kredite von 360 Milliarden Euro vor sich her. Sie dürften beim Stresstest deshalb besonders schlecht abschneiden.

AFP

Türken demonstrieren in Köln für Erdogan

Zu den Eigenheiten jedes semi-demokratischen oder diktatorischen Regimes zählt, dass Demonstrationen nicht so gerne gesehen werden, es sei denn, es gehen die eigenen Anhänger auf die Straße. Bei uns ist es genau umgekehrt, hier darf eigentlich praktisch jeder demonstrieren, sogar Fans von angehenden Diktatoren, Hauptsache, es bleibt alles friedlich. Am Sonntag werden in Köln tausende Unterstützer des türkischen Präsidenten Erdogan für ihren geliebten Anführer auf die Straße gehen, die Kölner ertragen es mit stoischer Gelassenheit, die meisten sind eh auf Malle.

DPA

Gewinner des Tages

Apropos Urlaub, ab Samstag haben alle 16 Bundesländer für einige Tage gleichzeitig Sommerferien. Falls Sie auch frei haben, sind Sie für mich Gewinner des Tages: mehr Zeit für die Familie, weniger Staus (in der Stadt), keine Schlangen im Supermarkt, keine Hausaufgaben, vielleicht fahren Sie sogar weg. Glückwunsch, machen Sie das Beste daraus. Ihr Morning Briefing bekommen Sie natürlich auch im Urlaub. Mein Tipp ist aber: Legen Sie das Smartphone zwischendurch in die unterste Schublade. Ist echt ein gutes Gefühl.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Mit besten Grüßen, Ihr

Roland Nelles

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
nele12 29.07.2016
1. Ich bin strikt dagegen......
....dass Menschen, die zu uns kommen hier die Konflikte ihres Heimatlandes weiter austragen. Wir waren ein friedliches Land und wenn wir das bleiben wollen, dann müssen solche Demonstrationen unterbunden werden. Toleranz hat ihre Grenzen.
cyoulater 29.07.2016
2. @nele1@
Sehe ich anders. Solche Demos müssen und dürfen nicht unterbunden werden, so verkeht es auch scheinen mag. Wir haben einen Rechtsstaat, in dem es den Anhängern des fliegenden Spaghettimonsters ebenso erlaubt ist zu demonstrieren wie Pegiden oder Erdogan-Anhängern - und den jeweiligen Gegendemonstranten. Wenn man dies verbietet, erodiert man die Grundfesten unserer eigenen Freiheit. Allerdings kann man als kommunaler Entscheider souverän Rahmenbedingungen und Ort der Demo festlegen. Man kann und muss diejenigen mit rechtsstaatlichen Mitteln verfolgen, welche die Veranstaltung für Gewalt nutzen. Man kann auf diese Weise einem angehenden Diktator zeigen, dass ein selbstbewusster Rechtsstaat keine Repression nötig hat, um mit solch einer Situation fertig zu werden - indem er nämlich schlichtweg das Instrumentarium nutzt, welches einem Rechtsstaat zur Verfügung steht. Und sich eben nicht durch verfassungsrechtlich wohl nur schwerlich abgesicherte Verbote selbst demontiert.
kai1452 29.07.2016
3. Interessante Analyse zu Hillary vs. Trump
Wenn man dieser Darstellung glauben will, wird Trump gegen Hillary klar gewinnen. http://politikpro.wordpress.com
ackermart 29.07.2016
4. Wozu Banken Stress machen - mit Testen?
Die Duplizität der Ereignisse könnte nicht offenkundiger sein. Ein Drittel faule Kredite in Italien als Dauerstress-Syndrom der Eurokrankheit ...und das Rezept für die Rettung, aktuell in Japan praktiziert wie von der EZB: Der weitere Aufkauf von "Wertpapieren" im Euphemismus für eben diese faulen Kredite, bzw. deren unverkäufliche Schuldscheine, die 1 zu 1 in druckfrische Wertscheine getauscht werden. Aus der Maschine kommen auch die Staatsschulden "wie blütenweiss gewaschen" als eben die so genannten "Blüten" heraus. Sowas führte immer zu Kriegen, die neuen Aufbaubedarf für zu viel umlaufendes Geld schaffen mußten.
nele12 29.07.2016
5.
Zitat von cyoulaterSehe ich anders. Solche Demos müssen und dürfen nicht unterbunden werden, so verkeht es auch scheinen mag. Wir haben einen Rechtsstaat, in dem es den Anhängern des fliegenden Spaghettimonsters ebenso erlaubt ist zu demonstrieren wie Pegiden oder Erdogan-Anhängern - und den jeweiligen Gegendemonstranten. Wenn man dies verbietet, erodiert man die Grundfesten unserer eigenen Freiheit. Allerdings kann man als kommunaler Entscheider souverän Rahmenbedingungen und Ort der Demo festlegen. Man kann und muss diejenigen mit rechtsstaatlichen Mitteln verfolgen, welche die Veranstaltung für Gewalt nutzen. Man kann auf diese Weise einem angehenden Diktator zeigen, dass ein selbstbewusster Rechtsstaat keine Repression nötig hat, um mit solch einer Situation fertig zu werden - indem er nämlich schlichtweg das Instrumentarium nutzt, welches einem Rechtsstaat zur Verfügung steht. Und sich eben nicht durch verfassungsrechtlich wohl nur schwerlich abgesicherte Verbote selbst demontiert.
Nun, Kanada eines der friedlichsten Länder der Welt, ein Einwanderungsland, unterbindet dies und zwar mit der Begründung, dass die Menschen, wenn sie zu ihnen kommen in Frieden leben können. Sie dulden aber keinesfalls, dass sie Konflikte ihrer Heimatländer in Kanada austragen, denn dann wäre der soziale Frieden schnell gestört. Zuwanderer, die sich nicht daran halten werden wieder (auch in Kriegsgebiete) ausgewiesen. Diese Einstellung finde ich richtiger, denn auch wenn wir einen Rechtsstaat haben, verlangt es die Situation, dass wir vieles neu bewerten.
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