Die Lage am Dienstag Liebe Leserin, lieber Leser,

nach der Serie von Gewalttaten in Würzburg, München und Ansbach ist die deutsche Politik im Alarmzustand - und wieder ist das Thema Flüchtlinge ganz groß. Bayerns CSU-Kabinett trifft sich heute zur Klausurtagung, Parteichef Horst Seehofer gibt schon mal den Ton vor - und der ist schrill. Es gebe unter den Flüchtlingen leider Menschen mit einem erschreckenden Gewaltpotenzial, diagnostiziert Seehofer im "Münchner Merkur". Die Sicherheitslage sei "ernst und bedrohlich", seine Regierung plane einen massiven Ausbau der Polizei. Angenehm besonnen bleibt dagegen Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU): Er empfehle den Bürgern, Flüchtlingen freundlich, aufgeschlossen, nicht misstrauend, aber auch nicht naiv gegenüberzutreten, so der Minister. Wahre Worte.

Foto: DPA

Wagenknecht macht der AfD Konkurrenz

Eine echte Anti-Flüchtlingsstimmungskanone ist übrigens auch Sahra Wagenknecht. Die Ereignisse der vergangenen Tage zeigten, dass die Annahme und Integration einer großen Zahl von Flüchtlingen und Zuwanderern "mit erheblichen Problemen verbunden und schwieriger ist, als Merkels leichtfertiges 'Wir schaffen das' uns im letzten Herbst einreden wollte", meint die Fraktionschefin der Linken im Bundestag und erklärt damit mal eben kurzerhand alle Flüchtlinge zu potenziellen Terroristen. Manch einer in der AfD ist begeistert, was natürlich dumm ist: Wagenknecht will nämlich Frau Petry die Wähler klauen.

Foto: Matt Rourke/ AP

Jubel für Michelle Obama und Bernie Sanders

Der US-Wahlkampf fühlt sich gerade an wie eine Fahrt in einer dieser schrecklichen amerikanischen Achterbahnen. Es geht auf und ab, ständig wechselt die Richtung, also in diesem Fall die politische Stimmung. Mal führt Donald Trump in den Umfragen, dann wieder Hillary Clinton. Letzte Woche herrschte Chaos bei Trumps Parteitag, jetzt geht es bei den Demokraten hoch her. Michelle Obama hält eine starke Rede für Clinton. Man fragt sich schon: Wäre sie nicht besser angetreten? Bernie Sanders wird von den eigenen Leuten erst ausgebuht, weil er Clinton unterstützt. Dann feiert ihn der Parteitag mit minutenlangem Jubel - und zwar aus demselben Grund. Derweil untersucht das FBI den E-Mail-Hack bei der Clinton-Partei, weil es nun wohl tatsächlich konkrete Hinweise hat, dass der russische Geheimdienst dahintersteckt. Und Clintons Leute sagen, Wladimir Putin wünsche sich Donald Trump als Präsidenten. Da kann man nur sagen: "Bitte anschnallen!" Diese Wahnsinnsfahrt ist noch nicht zu Ende.

Foto: YASIN BULBUL/ AFP

Erdogans Märchenstunde

Der türkische Präsident Erdogan hat der ARD ein Interview gegeben und darin im Kern seine wichtigste Botschaft bekräftigt: Alles prima in der Türkei. Wer etwas anderes behauptet, lügt. Mein Kollege Hasnain Kazim analysiert das bizarre Gespräch hier. Zum Thema Türkei und zu den diversen Krisen, die uns in diesen Tagen heimsuchen, empfehle ich Ihnen außerdem diesen klugen Text meines Kollegen Mathieu von Rohr.

Gewinner des Tages

Zu den Eigenheiten der US-Parteitage zählt, dass durchaus tanzbare Musik geboten wird, um die Anhänger in Stimmung zu bringen. Bei Hillary Clinton spielen "Boyz II Men" live. Bei Donald Trumps Parteitag gab's Musik vom Band. Zum Beispiel "Sweet Caroline" von Neil Diamond oder "Here Comes The Sun" von George Harrison. Dessen Familienangehörige sind für mich die Gewinner des Tages. Mit leiser Ironie haben sie darauf hingewiesen, dass das Lied zu Trump nicht wirklich gut passe. Besser sei der Titel: "Here Comes Darkness."

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Mit besten Grüßen, Ihr

Roland Nelles

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