Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


heute ist Tag 26 von Donald Trumps Präsidentschaft. Er fühlt sich mindestens an wie Tag 260. Nach dem Rücktritt des nationalen Sicherheitsberaters Michael Flynn wegen dessen heimlicher Kontakte zu Russland befindet sich die neue Regierung in einer schweren Krise. Das ganze undurchsichtige Verhältnis der Trump-Regierung zu Moskau steht auf dem Prüfstand. Ungeklärt ist, was Flynn dem russischen Botschafter versprach und was Trump zu welchem Zeitpunkt wusste - der Präsident war offenbar seit Wochen im Bilde. Die bisherigen Erklärungen des Weißen Hauses sind wenig glaubwürdig, weitere Leaks sind zu erwarten.

Was für ein Chaos. Nun verlangen Demokraten, aber auch manche Republikaner, eine unabhängige Untersuchung. Trump steht kurz nach Amtsantritt bereits geschwächt da - obwohl er bisher nur Krisen meistern muss, die er und sein Team selbst verursacht haben. Interessant sind die möglichen Folgen für Trumps Außenpolitik. Flynn stand wie kaum ein Zweiter für eine Annäherung an Russland. Nun forderte der Sprecher des Weißen Hauses von Putin in ungewohnter Härte die Rückgabe der Krim - in Moskau ist die anfängliche Euphorie über Trump jedenfalls schon abgeklungen.

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Netanyahu in Washington

Eine willkommene Ablenkung für Donald Trump ist wohl der heutige Besuch des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu. Der Israeli erhofft sich nach den schwierigen Jahren mit Barack Obama Unterstützung von Trump. Die beiden Männer möchten sich der Welt gerne als enge Vertraute präsentieren. Netanyahu braucht den US-Präsidenten auch deshalb, weil er sich innenpolitisch in einer heiklen Lage befindet, schreibt Korrespondentin Nicola Abé. Trump hat mehrfach versprochen, den Nahostkonflikt zu lösen, seine genauen Absichten sind aber unklar. Wird er dem israelischen Siedlungsbau Grenzen setzen? Wird er wie im Wahlkampf versprochen die US-Botschaft nach Jerusalem verlegen?

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Treffen der Nato-Verteidigungsminister

Die Woche steht im Zeichen des transatlantischen Verhältnisses: Am Freitag wird in München die Sicherheitskonferenz eröffnet, heute und morgen treffen sich in Brüssel die Nato-Verteidigungsminister - unter ihnen auch der Amerikaner James Mattis. Es wird viel zu reden geben. Donald Trump hat die Nato in ihrer jetzigen Form "obsolet" genannt, will sie stärker auf Terrorismusbekämpfung ausrichten und kritisiert, dass die meisten Nato-Mitglieder zu wenig für Verteidigung ausgeben. Laut einem Bericht des Instituts für Strategische Studien haben 2016 nur drei der 28 Mitgliedsstaaten wie vereinbart mindestens zwei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für das Militär aufgewendet: die USA, Griechenland und Estland. Deutschland liegt bei nur 1,19 Prozent.

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Was will Peugeot mit Opel?

Der französische PSA-Konzern will von General Motors womöglich die deutsche Tochter Opel kaufen. Aber warum eigentlich? Die Autobauer arbeiten zwar seit Jahren eng zusammen, doch so richtig lässt sich nicht erklären, welches strategische Ziel die Franzosen mit einem Kauf verfolgen würden, analysiert mein Kollege Michael Kröger. Es wäre sinnvoller, Geld in Zukunftstechnologien wie Elektromobile oder selbstfahrende Autos zu investieren - oder gleich eine Fusion von PSA und General Motors anzustreben.

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Herr Pofalla wird Mensch

Kann sich ein deutscher Spitzenpolitiker neu erfinden, wenn er die Politik verlässt? Wie geht er um mit dem Verlust der Macht? Was gewinnt er? Was verliert er? Mein Kollege Alexander Osang hat Ronald Pofalla begleitet, der einst Angela Merkels Kanzleramtsminister war, nun Spitzenmanager der Deutschen Bahn ist, gerne Bahn-Chef werden möchte und endlich als Mensch wahrgenommen werden will. Das Porträt verrät sehr viel mehr über Pofalla als ihm lieb sein kann - den Text aus dem aktuellen SPIEGEL möchte ich ihnen heute Morgen besonders ans Herz legen.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

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Mord in Kuala Lumpur

Kim Jong Nam, der ältere Halbbruder des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un, wurde am Flughafen von Kuala Lumpur wohl von zwei Agentinnen ermordet." Kim Jong Nam galt einst als Kronprinz seines Vaters Kim Jong Il, fiel aber in Ungnade, als er mit einem gefälschten Pass in Japan einreisen wollte, um Disneyland Tokio zu besuchen. Seither lebte er im Exil in China. Die Führung in Peking soll in ihm stets einen möglichen Ersatz für seinen schwierigen Halbbruder gesehen haben - doch falls das der Plan war, wurde er nun vereitelt.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Herzlich,

Ihr Mathieu von Rohr

Anm. d. Red.: Ursprünglich stand über der Meldung zur Ermordung Kim Jong Nams die Überschrift "Verlierer des Tages" - dabei handelt es sich um eine tägliche Rubrik, die in diesem Fall allerdings ungewollt zynisch wirkte. Aus diesem Grund haben wir die Überschrift nachträglich verändert.

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
bmvjr 15.02.2017
1. 26 Tage und kein Ende
Es waere schon interessant gewesen, zu beobachten, wie sich eine Regierung Trump tatsaechlich beginnt zu gestalten. Leider ist derartige Beobachtung bislang voellig unmoeglich gewesen. Mangels hochmuetig erwartetem Wahlausgang ergehen sich die Demokraten nun in einem Rachefeldzug fuer die erlittene und doch selbst herbeigefuehrte Schmach und torpedieren jede Handlung der Republikaner mit allen erdenklichen Mitteln. Dabei sind Methoden, die die Demokraten eigentlich vehement als unakzeptabel und unfair ablehnen, derzeitig selbst ihnen durchaus recht - zu tief sitzt die eiskalte Dusche des kuerzlichen Wahlausgangs, um sich in sonst hochgehaltenen moralischen Grenzen zu ergehen. Leider ist damit eine neutrale Sicht auf die Richtung und Taetigkeit der neuen Regierung versperrt, denn die Republikaner sind taeglich abgelenkt und gezwungen auf die Schaeden zu reagieren, die gegnerische politische Scharfschuetzen aus dem Hinterhalt verursachen. Da weicht Regieren zwangslaeufig dem Reagieren. So laesst sich nur schwer erkennen, ob Trump's Team nun eher Mist angestellt haette oder eher vertretbare Ansaetze angegangen waere. Hoffentlich ergibt sich bald Gelegenheit, dann doch einen echten Eindruck der neuen Politik zu gewinnen, der nicht von dem sich-zur-Wehr-setzen der gewaehlten Regierung voellig ueberdeckt wird.
StefanZ.. 15.02.2017
2. Wie wäre es zur Abwechslung mit kritischen Berichten zur deutschen Politik
Wenn Trump Russland gegenüber unvoreingenommene Personen in die Regierung holt ist es ein Skandal. Wenn er sie austauscht auch. Die wochenlangen negativen Berichte zu seiner Grenzverstärkung mittels Mauer zu Mexiko sprechen für sich selbst. Das während gleichzeitig die deutliche Mehrheit der USA Bevölkerung diese Maßnahme für gut heißt. Dagegen habe ich Probleme, mich an die letzten ernsthaft kritischen SPON Berichte zur eigenen deutschen Kanzlerin und ihrer Ministerriege zu erinnern. Damit ist eigentlich mehr als klar, dass die kürzlich veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung ow.ly/PHXq308VbMS zur Fehlentwicklung bei US Medien sich 1:1 auf die deutsche Situation übertragen lässt.
berlin1136 15.02.2017
3. Trump
fordert Rückgabe der Krim an die Ukraine durch RUS. Gottseidank geht dieser Konflikt nicht verloren. Die Welt ist wieder i.O. dank der Bubis überall. Nato Panzer an der Ostfront, Ultimatum an RUS. Was sagt eigentlich unser neu "gewählter" BundesPräsi. Für Gauck wäre das ja alles ok, aber für ihn. Mein Vater hat Moskau durchs Fernglas schon gesehen. Dann Verwundet und das Leben war ruiniert. Na vlt wollen sie auch mal.
wastl300 15.02.2017
4. Nun auch noch das
der obligate Krieg muss von US-Seite noch gestartet werden. Diesmal ist Europa dran. Die "Rückgabe" der Krim unter US-Führung bedroht Europa. Mit China hat sich der Präsident schnell wieder geeinigt, aber trotz der im Wahlkampf versprochenen Absichten geht er auf Konfrontation mit RU. Dies mag für alle Sympatisanten der Rechtspopulisten eine Warnung sein. The third world war is comming.
solltemanwissen 15.02.2017
5.
Den Nahostkonflikt lösen? Sieht derzeit eher so aus, als würde er das Streichholz an die Lunte legen. Es zeichnet sich immer mehr ab, dass dieser Präsident die Welt in Kriege stürzen wird. Ob das mit wohl damit zu tun hat, dass bei seinen Buddies aus der Rüstungsindustrie der Rubel rollt?
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