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REUTERS

Größenwahnsinniger Trump

Die Chancen von Donald Trump, zum US-Präsidenten gewählt zu werden, sind wieder leicht gestiegen, die jüngsten Umfragen zeigen erneut, dass der Vorsprung von Hillary Clinton knapper wird - ein Anlass, sich noch einmal ernsthaft damit auseinanderzusetzen, was es eigentlich bedeuten würde, wenn ausgerechnet ein Mann mit dem Charakter von Trump das mächtigste Amt der Erde übernehmen sollte.

Der US-Investigativjournalist David Cay Johnston hat eine detaillierte Biografie über ihn veröffentlicht - und urteilt: Trump sei ein Größenwahnsinniger ohne moralischen Kern. Im Interview mit SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Marc Pitzke sagt Johnston, er fürchte ein knappes Ergebnis der US-Wahl. Trump schüre eine gefährliche, gewalttätige Stimmung. Sollte der Milliardär tatsächlich gewählt werden, sagt der Autor: "Ich glaube nicht, dass er ein Jahr durchhalten würde, ohne dass es zu einer Amtsenthebung käme." Alle Wendungen im Endspurt des US-Wahlkampfs können Sie hier im SPIEGEL-ONLINE-Newsblog verfolgen.

DPA

Retter Gabriel?

Hat Sigmar Gabriel denn nun die 15.000 Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann gerettet oder nicht? Als der Vizekanzler sich am Montag nach China aufmachte, wo er offensiv für deutsche Wirtschaftsinteressen kämpft und von der Regierung deshalb übrigens eher frostig behandelt wird, erweckte er den Eindruck: Alles sei geregelt, es gebe nach den Schlichtungsverhandlungen "keine Stolpersteine" mehr.

Doch in Wahrheit ist nach wie vor unsicher, ob der Kompromiss wirklich hält und ob Rewe die Klage gegen die Fusion von Edeka und Kaiser's Tengelmann tatsächlich zurückzieht. Wenn Gabriel Ende der Woche aus Asien zurückkehrt, ist durchaus möglich, dass er sich erneut mit einer Angelegenheit befassen muss, die er eigentlich schon für gelöst erklärt hatte.

AFP

Häuserkampf in Mossul

Im irakischen Mossul hat die entscheidende Phase der Befreiung vom "Islamischen Staat" begonnen: Irakische Spezialeinheiten sind bis zum Stadtrand vorgedrungen, von dort wollen sie nun zum Zentrum vordringen - und die Kämpfe in der Stadt, die sich nun ankündigen, sind für die eine Million Menschen in der Stadt am gefährlichsten. Vieles hängt nun davon ab, ob die IS-Kämpfer sich zurückziehen - und ob die Zivilisten in ihren Häusern bleiben. Derweil zündelt die türkische Regierung an der Grenze zum Irak: Sie hat Panzer dorthin verlegt, weil sie sich für die mehrheitlich sunnitische Stadt Mossul verantwortlich fühlt: "Schaut euch die Geschichte an", sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan neulich, "einst gehörte Mossul zu uns." Genau das hat dem Irak gefehlt: noch mehr Einmischung von Nachbarstaaten.

AFP

Schweizer Bundespräsident bei Merkel

Angela Merkel erhält heute Besuch vom Schweizer Bundespräsidenten - sein Name ist Johann Schneider-Ammann. Es ist keine Schande, wenn Sie seinen Namen nicht kennen, denn in der Schweiz übernimmt bekanntlich jedes Jahr turnusgemäß ein anderes der sieben Regierungsmitglieder den Vorsitz. Die Schweiz hat gerade ein ähnliches Problem wie Großbritannien - sie muss nach einer Volksabstimmung die Zuwanderung aus der EU begrenzen, möchte aber den Zugang zum EU-Binnenmarkt behalten. Doch Brüssel sagt selbst zu eher kosmetischen Vorschlägen der Schweiz kategorisch nein, und darüber wird Schneider-Ammann wohl mit Merkel sprechen wollen. In Frankreich ist Schneider-Ammann übrigens bekannter als in Deutschland: Mit einer Ansprache an seine französischsprachigen Mitbürger in einem ausgesprochen alemannischen Französisch ("Le rire c'est bon pour la santé" - Lachen ist gut für die Gesundheit), wurde er in französischen Comedy-Sendungen unfreiwillig zum Star.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

AFP

Verliererin des Tages...

... ist die Demokratie in der Türkei. Der Chefredakteur und zwölf weitere Mitarbeiter der oppositionsnahen Zeitung "Cumhuriyet" wurden festgenommen. Das ist eine Schande. Der offizielle Grund für die Verhaftungen: Die Journalisten hätten sowohl die Gülen-Bewegung als auch die PKK unterstützt. Unter Billigung weiter Teile der Bevölkerung schafft Präsident Erdogan Stück für Stück die Pressefreiheit ab - die Proteste westlicher Politiker weist die Regierung giftig zurück. Als nächstes wird das Parlament über die Wiedereinführung der Todesstrafe abstimmen. Das wäre der Abschied von Europa.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Novembertag.

Herzlich,

Ihr Mathieu von Rohr

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
i.dietz 02.11.2016
1. Guten Morgen
Kaisers-Tengelmann - hoffentlich ist alles bald in trockenen Tüchern - ich gönne es allen Mitarbeitern ! Trump ? - ein Mann ohne Charakter - leider keine Seltenheit in der Welt ! Volksabstimmung in der Schweiz betr. Begrenzung der Einwanderung - ich kann die Schweizer und auch die Britten verstehen ! Schönen Tag noch
paulpuma 02.11.2016
2.
Achja, jeden Tag eine Meldung gegen Trump gehört dazu. Medien in D im Jahre 2016.
pelayo1 02.11.2016
3.
Man bekommt allmählich den Eindruck, dass der Spiegel die USA im Alleingang für Frau Clinton gewinnen will. Was macht ihr denn, wenn Trump gewinnt?
jjcamera 02.11.2016
4. Leicht gestiegen?
Man sollte sich darauf einrichten, dass Trump mit Unterstützung des FBI, von Assange und Putin der nächste US Präsident wird. Trump hat die richtigen Freunde, Clinton hat zu viele mächtige Feinde.
bluesbrother54 02.11.2016
5.
Zitat von paulpumaAchja, jeden Tag eine Meldung gegen Trump gehört dazu. Medien in D im Jahre 2016.
Keine Angst. Morgen gibt es sicher wieder eine Riesen- Schlagzeile über die Behandlung eines Dissidenten oder Journalisten in Russland durch Zar Putin.
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