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27. Januar 2017, 05:33 Uhr

Die Lage am Freitag

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute ist ein Tag des Westens, und so wie die Zeiten eben sind, ein Tag, der die Spaltung des Westens symbolisiert: Die britische Premierministerin Theresa May besucht US-Präsident Donald Trump, Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt den französischen Präsidenten François Hollande. In Washington trifft der regierende Wahnsinn auf den Brexit. Die USA und Großbritannien stehen für das, was den Westen auseinanderreißt. In Berlin begegnen sich zwei Politiker, die den Rest von Europa irgendwie zusammenhalten wollen, aber schon bessere Zeiten gesehen haben.

Wenn dieser lange transatlantische Tag gut endet, hat May Trump bei aller angelsächsischer Verbundenheit klar gemacht, wie wertvoll die Nato ist, dass Folter für eine Demokratie nicht infrage kommt und der Klimawandel nicht per Dekret verboten werden kann. Wenn der Tag gut endet, haben Merkel und Hollande keinen müden Eindruck gemacht, sondern der Europäischen Union eine neue Perspektive gegeben.

Wenn der Tag schlecht endet, haben Trump und May ein Sonderbündnis zu Lasten der EU geschlossen und May hat Trumps krude Ansichten geadelt, indem sie ihm nicht widersprochen hat. Wenn der Tag schlecht endet, haben Merkel und Hollande den Europäern nichts anderes zu bieten als Floskeln, und der angelsächsische Teil des Westens wirkt dynamischer als die deutsch-französische Achse Europas.

Es steht viel auf dem Spiel. Wir müssen hoffen.

Dritter Platz für Merkel

Die Bundeskanzlerin reist heute an den Ort ihrer größten Schmach, in ihren Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern, nach Greifswald. Dort ist die CDU bei der Landtagswahl 2016 auf dem dritten Rang gelandet, mit 18,6 Prozent der Stimmen, hinter der SPD (27,8 Prozent) und - das tut richtig weh - hinter der AfD (18,7 Prozent). Angela Merkel besucht in Greifswald den Neujahrsempfang ihrer Partei. So richtig fröhlich wird es wohl nicht werden.

Horror und Märchen

Werwolf, Sphinx, Zentaur, Meerjungfrau - das sind Fabelwesen, in denen sich Mensch und Tier verbinden. Sie kommen aus dem Reich des Horrors oder des Märchens, weit weg von der Realität. Dachte man. Das ist vorbei, wie mein Kollege Johann Grolle im neuen SPIEGEL berichtet. Zwei Forschergruppen verkünden, dass sie Durchbrüche bei der Erschaffung von Chimären erzielt haben, Mischwesen aus Maus und Ratte, Schwein und Mensch, Anfänge nur, in einzelnen Organen, in Embryonen, mit wenigen Zellen. Aber da kommt etwas, etwas Großes, Unheimliches. Lesen Sie diesen Artikel im neuen SPIEGEL, der heute ab 18 Uhr in der digitalen Ausgabe und ab Samstag am Kiosk zu kaufen ist.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Gewinnerin des Tages

Von Schauspielern wird manchmal behauptet, sie seien dumm. Regisseure sagen das gern oder Schauspieler, die sich nicht für dumm halten. Ich habe das hin und wieder gehört. Wer aber das Gespräch mit Isabelle Huppert im neuen SPIEGEL liest, kommt zu einem ganz anderen Eindruck. Mit meinem Kollegen Romain Leick spricht sie über ihren neuen Film "Elle", in dem sie eine vergewaltigte Frau spielt, die sich rächt. Huppert zeigt sich dabei als überaus kluge und schlagfertige Frau. Das Gespräch, finde ich, ist ein Genuss. Huppert ist meine Gewinnerin des Tages.

Herzlich,

Ihr Dirk Kurbjuweit

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