Die Lage am Montag Liebe Leserin, lieber Leser,


das Duell Clinton gegen Trump erinnert an eine durchgedrehte Fernsehserie: eine nie enden wollende Abfolge aus absurden Wendepunkten, Showdowns, Cliffhangern, in der auf einen Wahnsinn immer gleich der nächste folgt. Und es scheint, als wolle dieser Wahlkampf einfach nie mehr enden. Am 8. November wählen die Amerikaner - uns drohen die längsten neun Tage aller Zeiten. Was wird bis dahin wohl alles noch geschehen?

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Heft 44/2016
Der erste Wutbürger

Am Wochenende ereignete sich das jüngste Drama: FBI-Direktor James Comey gab bekannt, es seien neue E-Mails aufgetaucht, die etwas mit Hillary Clinton zu tun haben könnten. Und sie wurden ausgerechnet auf dem Rechner von Anthony Weiner gefunden - dem wegen seiner Sexting-Skandale berüchtigten Ehemann von Clintons engster Mitarbeiterin Huma Abedin. Es ist zwar unklar, ob es sich um Mails von Clinton handelt oder ob darin etwas Bedeutsames steht. Aber für Donald Trump, der die Wahl schon verloren glaubte, ist die Nachricht ein Jungbrunnen. Zudem geben ihm einige Umfragen, etwa in Florida, bereits wieder bessere Chancen.

Der FBI-Chef, der sich mit seinem Brief so kurz vor der Wahl in die Kampagne einmischte, wird nun von Trumps Leuten gefeiert und von Clintons Leuten beschimpft. Wenn sich all das nicht in der Wirklichkeit abspielte: Würde wirklich jemand ein solch verrücktes Drehbuch akzeptieren? (Alles Aktuelle zur Wahl finden Sie hier in unserem Newsblog.)

DPA

Nach dem Ceta-Kampf ist vor dem Ceta-Kampf

Am Sonntag hat die EU bewiesen, dass sie doch noch nicht komplett handlungsunfähig ist - nach wochenlangem Streit hat sie das Freihandelsabkommen Ceta mit Kanada unterzeichnet. Aus Ottawa flog Premier Justin Trudeau ein, Brüssel erlebte nach trüben Tagen endlich wieder etwas Glamour. Nun wird Ceta nach dem Ringen mit der belgischen Provinz Wallonien wohl vorübergehend in Kraft treten können. Die Freude wird aber nicht lange währen. Als nächstes müssen 42 nationale und regionale Parlamente das Abkommen ratifizieren. Das nächste Wallonien kommt also schon bald - und vielleicht heißt es sogar wieder Wallonien: Denn die frankophonen Belgier haben zwar der Unterzeichnung zugestimmt, doch sie drohen weiterhin damit, das Abkommen nicht zu ratifizieren.

DPA

Gabriel will in China kämpfen

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel reist heute für mehrere Tage nach China - und er sucht den Konflikt. Die lange Phase der deutsch-chinesischen Wirtschaftssymbiose droht zu Ende zu gehen, schreiben meine SPIEGEL-Kollegen in einer spannenden Analyse im aktuellen Heft. Seit China vermehrt auf Hochtechnologie setzt, will Deutschland stärker seine Interessen verteidigen - das zeigt etwa die aus "Sicherheitsgründen" vorübergehend gestoppte Übernahme der nordrhein-westfälischen Maschinenbaufirma Aixtron durch chinesische Investoren. Gabriel wird bessere Investitionsbedingungen für deutsche Firmen fordern. Denn Chinesen können in Deutschland bisher Firmen kaufen, die deutsche Investoren in China umgekehrt niemals kaufen dürften. Gleichzeitig ist übrigens Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in Vietnam, begleitet wird er von einer Wirtschaftsdelegation.

DPA

Der Streit um die Rente

Es wird schon seit einiger Zeit wieder heftig über die Zukunft der gesetzlichen Rente debattiert - und heute trifft sich Sozialministerin Andrea Nahles zum letzten Mal mit Vertretern von Gewerkschaften, Arbeitgebern, Sozialverbänden und Parteien zum sogenannten Rentendialog. Dabei steht die ganze Zeit eine große Frage im Raum: Wie soll es funktionieren, dass das Rentenniveau nicht weiter sinkt, zugleich aber immer weniger Erwerbstätige immer mehr Rentner finanzieren? Ende November will Nahles ein Paket zur Zukunft der Rente vorstellen. Doch das Thema ist so brisant, dass sich wohl auch die Koalitionsspitzen schon bald dieser Fragen annehmen werden. Die Rente hat auf jeden Fall das Zeug, zu einem der Wahlkampfthemen 2017 zu werden. SPIEGEL-ONLINE-Kolumnist Henrik Müller schreibt, es gebe in Wahrheit nur zwei mögliche Lösungen: Rente mit 75 und Zuwanderung. "Beides unpopulär, beides nötig."

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499 Jahre Reformation

Der 31. Oktober 1517 gilt als Beginn der Reformation. Heute vor 499 Jahren trat Martin Luther an, die Kirche und den wahren Glauben zu retten, gegen die Macht der verkommenen Institution. Kaum ein anderer hat Deutschland so geprägt wie der rebellische Mönch aus Eisleben südlich von Magdeburg: mit seinen 95 Thesen, seiner Frömmigkeit und seinem Hass. Der aktuelle SPIEGEL-Titel von Georg Diez widmet sich zum Lutherjahr dem "ersten Wutbürger".

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Verlierer des Tages

Erstens: Die Bewohner Mittelitaliens. Schon wieder hat ein Erdbeben die Region getroffen, das schwerste seit 35 Jahren. Immerhin gab es diesmal offenbar keine Toten, aber Häuser stürzten ein, etwa die Kathedrale von Norcia. Es ist ein schwerer Schlag für die Bewohner der Erdbebenregion. Erst Ende August waren bei einem schweren Erdstoß fast 300 Menschen gestorben. Und in L'Aquila, wo vor sieben Jahren die Erde bebte, stehen noch immer viele Ruinen - nach der Naturkatastrophe wurden viele Bürger zu Opfern von Korruption und Streitereien zwischen Behörden. Diesmal hoffentlich nicht.

Zweitens: Günther Oettinger. In einer Rede in Hamburg hat der deutsche EU-Kommissar ungefähr jeden beleidigt: Chinesen, Schwule, Frauen, Seehofer. Der Mann ist zwar seit Jahren in Brüssel, im Herzen ist er aber ein Provinz- und Stammtischpolitiker geblieben.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche!

Herzlich,

Ihr Mathieu von Rohr

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insgesamt 15 Beiträge
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blitzunddonner 31.10.2016
1. ihre prognose, dass am 8.11. der schmutzwahlkampf zu ende sein wird, ...
ihre prognose, dass am 8.11. der schmutzwahlkampf zu ende sein wird, ist ein herzenswunsch. mehr nicht. ich fürchte, es geht dann noch weiter. wahlanfechtungen sind das eine. ebenso ist denkbar, dass der eine oder die andere derart beschädigt ins präsidentenamt gehen, dass ein schneller rücktritt und neuwahlen die folge sein könnten. es könnte uns egal sein, wenn nur es nur nicht auswirkungen auf die gesamte weltpolitik hätte. ausblenden würde ich das schon lange gerne.
StefanZ.. 31.10.2016
2. Wann geht es mit TTIP weiter?
Nachdem Brüssel nun den ersten Großkonzerne-Deal über die Köpfe der EU Bevölkerung hinweg erzwungen hat, ist ja nun wieder TTIP mit den USA dran. Ganz nach dem Prinzip, dass die EU-Bürokratie niemals irgendein Machzuwachsbestreben wirklich zurücknimmt, sondern per Einbahnstraße immer nur mehr Befugnisse der Mitgliedsstaaten abbaut. Dazu mal eine Frage. Wir haben ja gerade gelernt, dass Vertragsverhandlungen mit der Türkei sofort abgebrochen werden, sollte sie die Todesstrafe gesetzlich einführen. Ich gehe also davon aus, dass im gegenwärtigen Entwurf des TTIP Textes ein Artikel steht, der die USA verpflichtet ihren staatlichen angeordneten Mord abzuschaffen. Kann mir jemand eine Textkopie zukommen lassen, oder ist dieser Teil des Vertrages zu geheim für dämliche EU Bürger?
thequickeningishappening 31.10.2016
3. # Gabriel in China
Wenigstens braucht Er nicht um seine Rente zu kaempfen; Die ist sicher! PS: die Sahnestuecke sind laengst verkauft, der Kampf des Ministers ist wohl eher vorgezogener Wahlkampf.
i.dietz 31.10.2016
4. Heute morgen wird man erschlagen
Clinton - Trump - E-Mails Ceta Gabriel - China Nahles - Rente das ist zuviel auf einmal !
Mister Stone 31.10.2016
5.
Die Freude wird aber nicht lange währen. Als nächstes müssen 42 nationale und regionale Parlamente das Abkommen ratifizieren. Und so lange sie es nicht tun, bleibt es "vorläufig" in Kraft. Die endgültige Ratifizierung ist damit nur Blendwerk, denn CETA gilt ab sofort und wird sofort angewandt - ganz egal, ob oder wann das Abkommen ratifiziert wird. Am Sonntag hat die EU bewiesen, dass sie doch noch nicht komplett handlungsunfähig ist - nach wochenlangem Streit hat sie das Freihandelsabkommen Ceta mit Kanada unterzeichnet. Die EU hätte ihre Handlungsfähigkeit weitaus deutlicher durch die Verweigerung der Unterschrift beweisen können.
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