Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


es geht sehr eng zu bei der Unterhauswahl in Großbritannien. Nach der ersten Nachwahlbefragung und den Hochrechnungen der großen TV-Sender dürften die Konservativen von Premierministerin Theresa May die meisten Sitze holen - ihre absolute Mehrheit allerdings verlieren. Es droht ein Patt im Unterhaus. Sogar Labour-Chef Jeremy Corbyn könnte womöglich versuchen, eine Regierungskoalition zu schmieden.

Anstatt gestärkt in die Brexit-Verhandlungen zu ziehen, schwächen der katastrophale Wahlkampf und das wohl sehr knappe Ergebnis die Premierministerin extrem. Corbyn forderte bereits Mays Rücktritt. Die gab sich zunächst zurückhaltend, aber auch etliche Medien und Experten nannten das Ergebnis katastrophal. Offenkundig ist die britische Gesellschaft gespalten.

AP

Comey versus Trump

James Comeys gestrige Abrechnung mit Donald Trump hat mich wirklich schockiert. Nicht, weil er etwas Überraschendes gesagt hätte. Im Gegenteil, weil die unglaublichsten Einblicke in die Abgründe des US-Präsidenten schon gar nicht mehr überraschen. Die Lügen, die falschen Anschuldigungen, die Drohungen, die Forderung, sich zu unterwerfen oder zu gehen. Wir hatten das alles gewusst oder geahnt. Weil wir diesem Präsidenten mittlerweile alles zutrauen. Schockiert bin ich, weil es folgenlos bleibt.

DPA

Die Linke und die Macht

Heute beginnt der Programmparteitag der Linken in Hannover. Im Frühjahr war die Partei mit dem Hoch von Martin Schulz plötzlich ins Blickfeld gerückt. Ein Machtwechsel im Kanzleramt schien kurzzeitig möglich - mit Rot-Rot-Grün. Wäre die Linke im Bund regierungsfähig? Könnte sie ihren außenpolitischen Extremismus mäßigen? Ihre EU-Kritik? Ihre Ablehnung der Nato? Doch dann bescherte im Saarland die Angst vor Rot-Rot den Sozialdemokraten die erste herbe Enttäuschung. Seither ist von Rot-Rot-Grün kaum noch die Rede, die Machtperspektive ist auch futsch. Und die Linken müssen sich nicht reformieren. Schade eigentlich.

AFP

Gewinnerin des Tages...

... ist die Kanzlerin im fernen Mexiko. Der neueste ARD-Deutschlandtrend sieht Angela Merkel auf den alten Höhen ihrer Beliebtheit, wie damals 2013 bis 2015, als alle ständig schrieben, sie stehe im Zenit ihrer Macht. Als habe es Flüchtlingskrise, Kontrollverlust und "Wir schaffen das" nie gegeben. Martin Schulz ist dagegen wieder in der Versenkung verschwunden. Wenn Donald Trump so weitermacht, holt die Union noch die absolute Mehrheit.

Gute Deutsche

Auch sonst war der ARD-Deutschlandtrend dieses Mal wirklich interessant. Die Deutschen haben in der Außen- und Klimapolitik nämlich offenbar total korrekte Ansichten. Sie wollen mehr deutsches Engagement in internationalen Krisen, mehr Verteidigungszusammenarbeit in der EU, sie vertrauen den USA inzwischen genauso wenig wie Russland (China dagegen deutlich mehr). Sie wollen am Pariser Klimaabkommen festhalten und sind überhaupt super klimafreundlich. Ich war wirklich baff: Fast drei Viertel würden mehr für Strom zahlen, wenn er aus erneuerbaren Energien kommt. Und fast zwei Drittel würden auch mal auf das Auto verzichten. Naja, in Umfragen sagt sich sowas leicht.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Das Ende der Liebe

"Es zwingt die stärksten in die Knie. Wir fluchen, rasen, weinen, vergehen" - so beschreibt meine Kollegin Kerstin Kullmann in der Titelgeschichte des neuen SPIEGEL das Ende der Liebe. Ab 18 Uhr ist er digital abrufbar. Kullmann hat die neueste Forschung zum Thema Trennung recherchiert, was in Körper und Seele passiert und vor allem, wie man ohne Mord und Totschlag auseinandergehen kann. Die besten Tipps der Trennungsprofis sind auch dabei. Mein Favorit: "Heirate niemals einen Mann, von dem Du nicht geschieden sein magst."

Ich wünsche Ihnen ewiges Liebesglück, einen angenehmen Freitag und ein schönes Wochenende,

Ihre Christiane Hoffmann

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insgesamt 19 Beiträge
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kleinsteminderheit 09.06.2017
1. Teflon Trump
Trump wird diesem Skandal überstehen und auch noch weitere. Wer sollte ihn stürzen? Ein impeachment könnte nur mit Hilfe der Republikaner durchgesetzt werden. Dort hat aber niemand die moralische Stärke, den Königsmörder zu geben. Das Ende von Trump würde die Republikaner zerreißen. Fatal ist, dass dieser Präsident die Verhaltensnormen auf Dauer verschiebt und so noch lange nachwirken kann. Watergate war gestern. Ab Trump gibt es keine Norm und keine Schamgrenze.
StefanZ.. 09.06.2017
2. Rufschädigung fürs FBI
Nach dem live Betrachten des Comey Interviews kommen bei mir andere Gefühle hoch. Ich hatte vor 2 Jahrzehnten, derzeit noch bei einem anderen wohlbekannten Arbeitgeber, das Vergnügen an einem Polizeifortbildungsprogramm des FBIs teilzunehmen. Daraus ergab sich doch ein ziemlicher Respekt gegenüber dessen Arbeit. Wenn man nun allerdings die ganze Jämmerlichkeit von eingestandenem Fehlverhalten und Aussagen von Herrn Comey erlebt, ist es für mich nur noch unfaßbar wie er zum Chef dieser Polizeiorganisation werden konnte. Den Mann hätte ich nicht nur gefeuert, sondern zuvor schon niemals als Manager angestellt werden sollen.
jimbofeider 09.06.2017
3. Charmant
Liebe Fr. Hoffmann, über die Liebe:Das Leben ist ein Traum in einem Traum. (Jap. Haikku 16. jahrh.) Auch Ihnen ein schönes Wochenende und Danke für die charmante Art uns mit Nachrichten des Tages zu versorgen. m. f. G.
Teppichvorleger 09.06.2017
4. Schockiert...
über Trump? Warum nicht dann auch schockiert über Merkel?
fire ant 09.06.2017
5. Verzogen?
Was ist denn eine verzogene Unterhauswahl? Muss es nicht vorgezogene heißen? Fehlerteufel lässt grüßen.
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