Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


derzeit werden 4000 US-Soldaten an die Nato-Ostgrenze verlegt. Sie sind Teil der Operation "Atlantic Resolve" und sollen Wladimir Putin demonstrieren, dass das Bündnisversprechen des nordatlantischen Paktes weiter gilt. Schon vergangenen Mittwoch ist ein Frachter mit schwerem Gerät in Bremerhaven eingelaufen, bis Sonntag sollen zwei weitere Folgen.

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Heft 1/2017
Wut kann man sich erarbeiten

Die Machtgeste wird Putin allerdings kaum noch beeindrucken. Die Zeit spielt für ihn, am 20. Januar übernimmt Donald Trump das Weiße Haus. Der hat schon klargemacht, dass er keinen Ärger mit Putin will. Optimisten sehen darin die Chance für eine neue Entspannung zwischen Ost und West. Die Nato-Länder an der Ostgrenze fürchten, dass sie zum Opfer einer neuen weltpolitischen Männerfreundschaft werden.

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Trittins letzte Mission

Bei den Grünen geht das Rennen um die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl in die letzte Runde. Vier Kandidaten bewerben sich um zwei Plätze: die beiden Fraktionschefs Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter, der Parteivorsitzende Cem Özdemir und der schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck. An diesem Wochenende werden sie sich zum letzten Mal der Basis präsentieren, das Ergebnis der Urwahl wird am 18. Januar verkündet.

Einer allerdings will ganz oben mitmischen - und zwar egal, wie das Ergebnis ausfällt: der ehemalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin. Mein Kollege Markus Feldenkirchen hat Trittin in den vergangenen Monaten begleitet und für den neuen SPIEGEL porträtiert. Er hat einen Mann erlebt, der keine Sekunde an Ruhestand denkt. Trittin setzt all seine Energie darauf, mit einem rot-rot-grünen Bündnis die Kanzlerschaft Angela Merkels zu beenden - und vielleicht selbst noch einmal Minister zu werden. "Ich bin bereit, Regierungsverantwortung zu übernehmen", sagt Trittin. "Und ich glaube, dass ich das nicht schlecht mache."

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Ein Geschenk für Merkel

Heute nimmt CDU-Vizechefin Julia Klöckner ein Geschenk für Angela Merkel entgegen. Es ist eine von zwei iranischen Asylbewerbern gefertigte Skulptur, die sie in der Woche vor Silvester auf einer Poststation im rheinland-pfälzischen Naunheim aufgaben. Allerdings wurde einer Postmitarbeiterin mulmig, als sie die Adresse auf dem Paket las: Angela Merkel, Willy-Brandt-Straße 1, 10557 Berlin. Sie glaubte nicht an eine Geste der Dankbarkeit. Neun Beamte samt Sprengstoffspürhund rückten an. Am Ende kam ein Holzrelief zum Vorschein, das in der deutschen und der syrischen Nationalfarbe gehalten ist. Merkel will das Präsent nun in der kommenden Woche entgegennehmen, auf der Klausur der CDU im saarländischen Perl. Für die beiden Asylbewerber gibt es vielleicht wenigstens ein Selfie der Kanzlerin mit dem Kunstwerk.

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Die Grenzen des Rechtsstaates

Bei einer Anhörung des Düsseldorfer Landtages kam am Donnerstag heraus, dass der Attentäter von Berlin, Anis Amri, mit sage und schreibe 14 Identitäten bei deutschen Behörden bekannt war. Amri war ein notorischer Krimineller, er recherchierte im Netz eine Anleitung zum Bombenbau und suchte Kumpane für einen Anschlag. Das alles wussten die Behörden. Doch es reichte nicht, ihn festzusetzen. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte, die Behörden seien beim Umgang mit Amri "an die Grenze des Rechtsstaats" gegangen. Für die Bürger ist das keine sehr beruhigende Nachricht.

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Gewinner des Tages...

... sind die Sternsinger. Heute ziehen sie wieder von Haus zu Haus, auch ich war mal einer, Mitte der Achtzigerjahre. Die Sternsinger sind eine schöne Tradition. Sie lehrt uns Katholiken schon in jungen Jahren, dass Altruismus und Eigennutz kein Gegensatz sein müssen. Denn wir hatten ja nicht nur den Klingelbeutel für die Kinder in Afrika dabei, sondern auch eine große Süßigkeitentüte für uns selbst.

Einen schönen Tag wünscht,

René Pfister

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
th.diebels 06.01.2017
1. Guten Morgen
wer sind eigentlich noch die Grünen ? für was stehen eigentlich noch die Grünen ? in welche Richtung gehts hin ? und wer gibt überhaupt noch eine Richtung vor ? Kretschmann, Peter, Trittin oder etwa Cem ? Fragen über Fragen. Zumindest ich blicke da nicht mehr durch. mfg und schönen Tag.
StefanZ.. 06.01.2017
2. Wie fördern wir den Altruismus?
Die Sternsingerei und andere Bettel-/Spendenaktionen sind nicht wirklich und anhaltend erfolgreich dafür. Ich sage das ohne jede Abwertung oder Geringschätzung für die vielen Freiwilligen, die sich so betätigen. Ich kenne das z.B. von der evangelischen Variante aus der Kindheit. Zielfuehrend ist, dass jeder Einzelne stattdessen innerlich die Erkenntnis erarbeitet, dass Hochachtung und Wertschätzung und damit Liebe und Hilfe für alle Mitlebewesen das Allernormalste und Natürlichste überhaupt sind. Um das zu erlernen, reicht es leider nicht nur Bücher, Artikel oder andere kluge Schriften dazu zu lesen. Man muss es in der Realität aufmerksam suchen, sehen, erkennen und dann als tiefen Eindruck nach und nach verinnerlichen. Die Natur selbst ist hier der beste Lehrmeister. Vor Kurzem las ich in diesem Zusammenhang einen eindrucksvollen Artikel eines Biologen, der sich dafür aussprach die US Erziehungsprogramme für Wissenschaften mit Fakten über Altruismus von Einzelnen/Völkern in der Natur zu ergänzen. Ein sehr lesenswerter PLOS Artikel ow.ly/Q1w4307JSiY
tailspin 06.01.2017
3. Para Bellum
Obama will auf seine letzten zwei Wochen unbedingt noch einen Krieg mit Russland anzetteln, oder wie ist das zu verstehen? Es gibt tatsaechlich Think Tanks in den USA, die halten einen Atomkrieg fuer gewinnbar. Notwendig dafuer eine fast perfekte Erstschlagfaehigkeit gegen die russischen atomaren Waffen. 'Fast' heisst, 10 Raketen der anderen Seite kommen immer durch. https://www.corbettreport.com/nuclear-warfare-in-the-21st-century/ Daher der Raketenschtzschild, der angeblich gegen iranische Raketen gerichtet war und in Polen stationiert werden sollte. Von Bush angedacht und von Obama weitergetrieben. Die Russen hatten korrekterweise etwas anderes vermutet und dagegen protestiert. Seitdem gibts Zoff mit denen. Einige von den westlichen Raedelsfuehrern gehoeren absolut nicht in Amt und Wuerden, sondern mit einem kraeftigen Tritt in den Hintern auf die Strasse befordert.
keine Zensur nötig 06.01.2017
4. der Verlierer des heutigen Tages ist die Demokratie bei den Grünen
wenn dem Autor bekannt wäre, dass in dieser Partei immer eine Doppelspitze herrscht und diese Doppelspitze immer aus einem Mann und einer Frau bestehen muss, dann habe zumindestens ich ein gewaltiges Problem, wenn sich drei Männer und eine Frau bewerben. Letztere ist damit schon gewählt. Das Politbüro des ZK und die DDR lassen grüßen. Daher stammt die Dame auch noch. Zu den sinnfreien NATO-Manövern an Russlands Westgrenze sei nur angemerkt, dass die baltischen Staaten zwar durchaus sehr westfreundlich sind, aber schon einmal zwei Männer diese untergebuttert haben. Wenn jedoch den NATO-Öberen es noch nicht aufgefallen ist, dass sich Russland dank deren Agierens inzwischen nach OSten orientiert hat und in seinem verfallenden Hinterhofof nur Ruhe haben will, dann ist der weiteren sinnfreien Verschwendung von Steuermitteln nichts Gutes abzugewinnen. Ich wünsche allen einen schönen Tag
mum_23 06.01.2017
5. na endlich Jürgen Trittin, meine
Laune und meine Erwartungen steigen gerade beträchtlich! Und ich freue mich auf den neuen SPIEGEL. Schönes WE allerseits.
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