"News of the World"-Affäre Cameron will Presse besser kontrollieren

Im "News of the World"-Skandal geht Briten-Premier Cameron in die Offensive: Der Abhörskandal müsse aufgearbeitet, die Pressekontrolle verbessert werden. Allerdings gerät der Aufklärer angesichts seiner Nähe zu dem Blatt zusehends selbst unter Druck.

David Cameron: "Wir werden jeden Stein umdrehen"
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David Cameron: "Wir werden jeden Stein umdrehen"


London - Die Affäre um das Boulevardblatt "News of the World" bringt David Cameron unter Zugzwang: Der britische Premierminister hat eine umfassende öffentliche Untersuchung zu dem Abhörskandal angekündigt. Weil das bisherige System der Presseaufsicht versagt habe, müsse ein neues geschaffen werden, erklärte Cameron am Freitag.

Er kündigte mehrere Untersuchungsausschüsse an. Möglichst bald werde er eine unabhängige Kommission einsetzen, die Vorschläge machen solle, wie die britische Presselandschaft in Zukunft reguliert werden könne. Das sei sehr schwierig, da die Pressefreiheit nicht eingeschränkt werden dürfe. "Freiheit der Presse heißt aber nicht, dass sie über dem Gesetz steht." Auch die Vorwürfe an die Polizei, Bestechungsgelder angenommen zu haben, würden überprüft.

Der Skandal drehe sich keinesfalls nur um eine einzige Zeitung oder nur um den Journalismus, sondern auch um die Polizei und die Politik, sagte der Premier. "Wir stecken alle mit drin - die Presse, die Politiker, die Chefs aller Parteien, ich selbst inbegriffen." Die Parteiführer seien so erpicht darauf gewesen, in der Gunst der Zeitungen zu stehen, dass sie wissentlich ignoriert hätten, wie bei einigen Blättern gearbeitet worden sei. "Wir waren auf einem Auge blind."

"Das Land steht unter Schock"

Hintergrund der Ankündigungen Camerons ist die Abhöraffäre bei "News of the World". Besitzer Rupert Murdoch will das Blatt als Konsequenz aus der Affäre nach Erscheinen der nächsten Ausgabe am Sonntag einstellen. Murdochs Befreiungsschlag ist der Höhepunkt einer dramatischen Woche. Begonnen hatte die Krise am Montag, als der "Guardian" enthüllte, dass die Privatschnüffler des Boulevardblatts die Mailbox des 2002 entführten 13-jährigen Mädchens Milly D. angezapft und sogar Nachrichten gelöscht hatten.

Danach kamen immer weitere Vorwürfe hinzu: Auch in anderen Fällen scheute die "News of the World" offensichtlich nicht davor zurück, auf der Suche nach saftigen Geschichten die Handy-Mailboxen von gewöhnlichen Briten abzuhören, seien es Familienangehörige entführter Kinder, von Terroropfern des 7. Juli 2005 in London oder von in Afghanistan getöteten britischen Soldaten. Sämtliche Vergehen liegen bereits Jahre zurück, doch die Skrupellosigkeit der Journalisten löste eine Welle der Empörung aus. Wütende Leserbriefe gingen in den Redaktionen ein, es gab Boykottaufrufe im Internet, Großkunden erklärten, nicht mehr in dem Blatt zu inserieren. Kaum eine Firma wollte noch mit dem verrufenen Namen in Verbindung gebracht werden.

Cameron sagte, "ein ganzes Land steht unter Schock". Er bezeichnete die Praxis des Hackens von Handys als geschmacklos. "Ich werde dafür sorgen, dass alles Nötige unternommen wird, um diesen Fall zu klären." Es müsse alles untersucht werden. "Jeder Stein wird umgedreht."

Opposition fordert Entschuldigung

In dem Skandal steht der Premier selbst unter Druck, weil er den früheren Chefredakteur der Zeitung, Andy Coulson, zu seinem Kommunikationschef berufen hatte. Dieser trat erst im Januar angesichts des öffentlichen Drucks durch die Ermittlungen über die Abhöraffäre zurück. Er hatte eine Mitschuld bestritten. Coulson war von 2003 bis 2007 Chefredakteur des Boulevardblatts.

Cameron räumte am Freitag ein, dass die Personalentscheidung für Coulson ein Fehler gewesen sei. Er übernehme dafür die volle Verantwortung. Die Polizei hat Coulson mittlerweile zum Verhör vorgeladen. Einem Bericht des "Guardian" zufolge hatten die Ermittler ihn bereits am Donnerstagabend darüber in Kenntnis gesetzt, dass er am Freitag festgenommen werden solle.

Die Opposition fordert, dass sich der britische Premier für seinen "erschreckenden Einschätzungsfehler" entschuldigen sollte. Cameron habe persönliche Beziehungen zu Schlüsselfiguren des Skandals, sagte der Chef der sozialdemokratischen Labour Partei, Ed Miliband, am Freitag in London. Cameron müsse Klarheit darüber schaffen, welche Diskussionen es zu dem Fall gegeben habe.

ler/dpa/dapd/Reuters

insgesamt 4 Beiträge
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Methados 08.07.2011
1. ....
in ihrem aktionismuswahn (atomausstieg) sollte sich die hiesige bundesregierung ASAP die BILD in selbigen kontext vorknöpfen. persönlichkeitsrechte müssen gewahrt sein und es bedarf mehr als eines zahnlosem und bild hörigem presserat, diese rechte auch durchzusetzen !
silencemainz, 08.07.2011
2. News of the world endlich weg!
Zitat von Methadosin ihrem aktionismuswahn (atomausstieg) sollte sich die hiesige bundesregierung ASAP die BILD in selbigen kontext vorknöpfen. persönlichkeitsrechte müssen gewahrt sein und es bedarf mehr als eines zahnlosem und bild hörigem presserat, diese rechte auch durchzusetzen !
Lieber Methados: Genau daran dachte ich auch gerade. Wann wird endlich BILD dicht gemacht?
Nachtheinigte 08.07.2011
3. "News of the World...
Zitat von silencemainzLieber Methados: Genau daran dachte ich auch gerade. Wann wird endlich BILD dicht gemacht?
Genau, da schließe ich mich an, denn so groß ist der Unterschied nicht !
matt_us, 08.07.2011
4. Wie bekommt man kontrolle ueber die Presse!
Zitat von silencemainzLieber Methados: Genau daran dachte ich auch gerade. Wann wird endlich BILD dicht gemacht?
Wieso denn nur Bild - was ist mit den anderen Zeitungen? Die Sache ist ja so - und das Argument gilt auch fuer Deutschland. Wenn Machenschaften der PResse unter die Lupe genommen werden, und es geht nicht mit rechten Dingen zu, sollten allen Managern des Verlagshauses die Zeitungslizenz entzogen werden. Also jeder Springer Presse - oder jeder Holtzbrinck Zeitung, zum Beispiel! Der "fit and proper person test" in Great Britain auch fuer Deutschland, also. Das muesste auch hier gelten. Sind die Verleger rechtschaffenen Personen, wenn Sie die MAcht ueber Pressemeinungen zugesprochen bekommen? Und missbrauche sie diese MAcht nicht. Rupert Murdoch zum Beispiel sollte m.E. disqualifiziert werden. Und sein Zeitungen und Medieninteressen in GB verkauft werden!
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