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29. September 2016, 05:23 Uhr

Die Lage am Donnerstag

Liebe Leserin, lieber Leser,

dieses Lachen kann ich nicht mehr vergessen - das Lachen des syrischen Uno-Botschafters Baschar Dschafaari, der von einem Journalisten in New York gefragt wird, ob sein Regime verantwortlich sei für das Bombardement der zwei größten Krankenhäuser in Ost-Aleppo. Und Dschafaari lacht einfach nur, wie ein Filmbösewicht, der sich unantastbar fühlt.

Und unantastbar ist er ja auch. Seit einer Woche bombardiert das syrische Regime, unterstützt von Russland, ununterbrochen die von Rebellen gehaltenen Gebiete, die beiden wichtigsten Krankenhäuser mussten ihren Betrieb einstellen. Die medizinische Versorgung droht zusammenzubrechen. Jetzt warnte US-Außenminister John Kerry seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow in einem Telefonat, man werde die Syrien-Gespräche mit Russland abbrechen, sollten die Angriffe auf Aleppo weitergehen. Der Westen verharrt angesichts der Ruchlosigkeit des syrischen Regimes und seiner Helfer weiter in seiner Ohnmacht. Und Dschafaari lacht.

75 Jahre Massaker von Babi Jar

Vor 75 Jahren erschossen deutsche SS-Männer und Polizisten am Stadtrand von Kiew 33.771 jüdische Männer, Frauen und Kinder. SPIEGEL ONLINE erinnert an das Massaker in der Schlucht von Babi Jar am 29. und 30. September 1941. Die Wehrmacht unterstützte den Massenmord. "Babi Jar demonstrierte zusammen mit dem Massaker von Kamenez-Podolsk einige Wochen zuvor, dass die 'Endlösung' das Ausmaß annehmen konnte, das wir heute den Holocaust nennen", sagt der amerikanische Historiker Timothy Snyder im Interview. "Weltgeschichtlich gesehen sind 75 Jahre kaum mehr als ein Wimpernschlag", schreibt SPIEGEL-ONLINE-Chefredakteur Florian Harms. "Aber sie scheinen auszureichen, dass viele Menschen die Lehren der Geschichte vergessen." Heute besucht auch Bundespräsident Joachim Gauck Babi Jar.

Die Sorgen von Volker Kauder

Volker Kauder ist alarmiert wegen der zunehmenden Anfeindungen gegen die Demokratie in Deutschland. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE mahnt der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, die Demokraten müssten zusammenstehen. Dazu gehöre es auch, einen Nachfolger für Joachim Gauck zu finden, der "eine breite Zustimmung aller Demokraten erhält". Die Bundespräsidentenwahl habe diesmal eine besondere Bedeutung. Es gehe "mehr denn je darum, unserem Land und unserer Demokratie einen Dienst zu erweisen - und nicht irgendeiner Parteienkonstellation". Lesen Sie das ganze Interview heute Vormittag auf SPIEGEL ONLINE.

MH17 und die Fakten

Eine internationale Untersuchungskommission legt nach einer zwei Jahre dauernden Ermittlung exakte neue Beweise zum Abschuss von MH17 vor: Die Tatwaffe war ein russisches Buk-Raketensystem, das im Gebiet der prorussischen Separatisten stationiert war und anschließend über die Grenze zurück nach Russland gebracht wurde - die Ermittler haben eine Liste von 100 Personen erstellt, die verdächtigt werden, in das Verbrechen involviert zu sein. Russland reagiert darauf, wie es auf alle bisherigen Erkenntnisse und Beweise reagiert hat: alles abstreiten und den Westen beschuldigen. Es will der Welt weismachen, dass es keine Fakten mehr gebe, sondern nur Meinungen.

Der letzte große Staatsmann Israels

Es wird wohl kein israelischer Staatsmann mehr mit solchen Emotionen verabschiedet werden wie Shimon Peres. Der Ex-Präsident, im Alter von 93 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben, war der letzte große Politiker aus der Generation der Gründerväter. Er war einer der Begründer des israelischen Militärs, setzte sich später zeitlebens für eine Friedenslösung im Nahen Osten ein. Peres war wohl die letzte öffentliche Figur, auf die sich im politisch tief gespaltenen Land noch die meisten Bürger einigen konnten. In Jerusalem findet heute eine Gedenkfeier für ihn statt, sein Sarg soll vor dem Parlament aufgebahrt werden, damit die Bürger von ihm Abschied nehmen können. Am Freitag werden die sterblichen Überreste von Shimon Peres auf dem Nationalfriedhof, dem Herzlberg, beigesetzt.

Antworten zur Krise der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank steckt in der tiefsten Krise ihrer Geschichte. An den Finanzmärkten wetten Investoren bereits auf eine Pleite des größten deutschen Geldhauses. Der Aktienkurs fällt. Seit Tagen wird darüber spekuliert, ob der Staat sie retten soll. Was bedeutet das für die Kunden? Lesen Sie hier die Analyse meines Kollegen Stefan Kaiser.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Verlierer des Tages...

... ist Blackberry. Ja, auch ich hatte eines dieser schwarzen Geräte mit den Tasten, die vor langer Zeit, in den frühen Nullerjahren, noch ein Statussymbol waren. Nach der Erfindung von Apples iPhone waren sie plötzlich unhandliche Klötze. Blackberry hat es nie wieder geschafft, cool zu werden. Nun wurde bekannt, dass das Unternehmen die Produktion von Smartphones einstellt. Blackberry ist das neue Nokia.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Herzlich,

Ihr Mathieu von Rohr

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