Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


auch wenn Donald Trump kein Faschist ist - die USA sind auf dem Weg in eine neue Form des autoritären Staats, in dem nicht mehr Kompromiss, Ausgleich und Integration die Prämissen der Politik sind, sondern Ausgrenzung, Unterwerfung und das Recht des Stärkeren. Wir Deutschen fühlen uns - ob wir es wollen oder nicht - an die Vorgeschichte des dunkelsten Kapitels unserer Geschichte erinnert.

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Heft 5/2017
Der Machthunger des Kandidaten Schulz

Viele Amerikaner stehen nun vor einer Entscheidung, mit der sich auch unsere Vorfahren konfrontiert sahen: Anpassung oder Widerstand? Es geht nicht - wie damals - um die nackte Existenz, um Leben und Tod, aber für einige geht es um die berufliche Existenz. Plötzlich stellen sich in dem Land, das Deutschland vom Faschismus befreite, jene Gewissensfragen, die wir sonst nur aus Unrechtsstaaten kennen.

DPA

Preis für Merkel

Eugen Bolz war ein Mann, der sich damals für den Widerstand entschied. Der Politiker der Zentrumspartei aus Württemberg wurde unter den Nationalsozialisten hingerichtet. Der nach ihm benannte Eugen-Bolz-Preis würdigt jedes Jahr die Leistung "einer von christlicher Verantwortung geprägten Persönlichkeit des öffentlichen Lebens". Dieses Jahr ist Kanzlerin Angela Merkel die Preisträgerin, heute findet in Stuttgart die Verleihung statt.

DPA

Schulz in NRW

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz nimmt Kontakt mit der Basis auf. Heute ist er bei einem Programmforum im nordrhein-westfälischen Herne. In NRW wird im Mai gewählt, es ist der wichtigste politische Termin vor der Bundestagswahl im September. Schulz strotzt vor Selbstbewusstsein: "Ich als zukünftiger Kanzler der Bundesrepublik" - diese Wendung gehört nach zwei Tagen als designierter SPD-Vorsitzender zu seinem Repertoire.

Schulz wird in Herne vermutlich begeistert empfangen werden. Der Hype um den neuen Hoffnungsträger der SPD nimmt inzwischen groteske Züge an - für einen Mann, der in der deutschen Politik bisher eigentlich noch nichts geleistet hat. Es stört Schulz offenbar nicht, dass seine Fans für ihre Kampagne ungeniert Anleihen bei Trump machen: "MEGA - Make Europe Great Again" und "The_Martin Schulz" sind die Slogans.

So viel Vorschussbegeisterung ist unheimlich. Die Sehnsucht nach Helden, Idolen und charismatischen Persönlichkeiten war nie der beste Ratgeber in der Politik. Sigmar Gabriel, Schulz' Vorgänger im Parteivorsitz, wurde nie so bejubelt, obwohl er wirklich einiges geleistet hatte. Gabriel musste gestern seinen Antrittsbesuch in Brüssel absagen. Er liegt mit Grippe im Bett.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

REUTERS

Verlierer des Tages...

... ist François Fillon. Immer neue, immer unglaublichere Summen werden bekannt, die Fillon seiner Familie zugeschachert haben soll, seiner Ehefrau Penelope und seinen Kindern. Leider ist Fillon der Mann, der Marine Le Pen als Präsidentin verhindern soll.

Mit herzlichem Gruß,

Ihre Christiane Hoffmann

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
v_i_e_l_l_e_i_c_h_t 01.02.2017
1. Vielleicht ist Donald Trump ein Faschist?
Vielleicht ist jemand der mit Dekrete regiert, nach persönlich Gutdünken Posten verteilt, Gesetze interpretiert, eine anders denkende Legislative als Verräter bezeichnet. Der nach glaubendiskriminiert. Die frei Presse den Krieg erklärt, als Lügenpresse bezeichnet und dann nach nur zwei wochen die notwendige Mehrheit zur Bennenug in das Oberste Gericht attackiert, das der Schutz des Verfassung dient, die einzige Instanz die in Zukunft sein Handeln die legalität absprechen könnte. Dieser Person ist vielleicht doch ein Faschist.
lalito 01.02.2017
2. Sie sagen es
Die Bezeichnung Faschist wird mit diesem rethorischen Kniff sehr nahe an seinen Namen angelehnt, nicht nett, aber in der Form natürlich korrekt. Denke, auch nach hundert Tagen wird diese Aussage immer noch so zu treffen sein - er ist der Anchorman der eben kein Faschist sein darf, schließlich will er das Gute für America, sorry US. Erinnert ein wenig an das Gehabe von Bohlen - nur versucht der manchmal wenigstens noch auf nett. Politiker, Experten, Kommentatoren sowie erst recht die Foristen sind hin- und hergerissen, sofern man nicht damit beschäftigt ist, aus dem Bunker einer Extremposition heraus, sich an der gegenteiligen Extremposition abzuarbeiten. Letztendlich viel zu nabelschauend, denn es wurde nach unzweifelhaft demokratischen Regeln, Wahlmänner hin oder her, ein President für vier Jahre gewählt. Viel interessanter als der Anchorman sind doch die Gesellen im "redaktionellen" Background von Mr. President. Hier smigeln sich offensichtlich Hardcores vorbei an den Instanzen und ziehen ihre Strippen. Mr. B. scheint da beispielsweise auf einer von ihm selbst aufgeworfenen Erfolgswelle zu surfen. Es wird sich zeigen, ob die Demokratie - basierend auf den vor zwei Jahrhunderten niedergeschriebenen Declarations - diesen Swing zu wenig humanistischen Ansätzen unbeschadet übersteht. Daher das Augenmerk auf den Hintergrund, der Anchorman verkauft den Plan nur vor den Linsen! Nach den unsäglichen und destabilisierenden konventionell geführten Kriegen der Bush-Company, dem unauffälligeren wie gleichwohl zu hinterfragenden Drohnenkrieg eines Heile-Welt-Verkäufers Obama, ist die Frage erlaubt was die Trump-Company langfristig wirklcih im Schilde führt. Die bisherigen Aufreger dürften wohlgezielte Ablenkungen vom eigentlichen Kern darstellen und der wird sich erst im Laufe der ersten vier Jahre zeigen. Die zweiten vier Jahre sind für den Anchorman ja schon sicher, wie bei der Akten auf Schulbanknummer deutlich zu vernehmen war. Für so enge Partner und Verbündete wie Deutschland stellt sich nämlich die Frage, in welchem Mist man denn am Ende zu stecken kommt, wenn the Beef auf den Tisch kommt. Aufmerksam für das Kommende sein sollte die Devise sein. Faschisten sind werdende, seiende und gehende Diktatoren meist erst in der Rückschau, beim Aufräumen.
TobiasWolf 01.02.2017
3. Doch!
Trump und seine Berater sind ganz sicher Faschisten. Die werden der Welt noch viel Freude bereiten!
Kapaun 01.02.2017
4.
"Kompromiss, Ausgleich und Integration" waren vor Trump die Prämissen in den USA? Das ist ja ganz was Neues. So etwas kann nur behaupten, wer die Nichtküstenregionen nur als "fly-over-states" kennt ...
StefanZ.. 01.02.2017
5. Verlierer des Tages - Demografiepolitischer Bilanzbericht
Wer maßt sich hier an eine Wunschgröße jenseits der 80 Millionen für Deutschland festzulegen? Ist das der Maßstab von Nachhaltigkeit und hoher Lebensqualität auf diesem Streifen Land, der sich noch nicht einmal selbst ernähren kann? Es gilt das gleiche wie für den Schuldenabbau, die Zeit ist mehr als reif dafür anzufangen. Und nein, einen Teil der jährlichen 80-100 Millionen extra Planetenbewohner zum Pseudo-Erhalt des Status Quo in der Republik zu importieren löst kein einziges Problem. Was für ein netter Zufall, dass eine stetige Zuwanderung in der Größenordnung der von der jetzigen Bundesregierung nicht mehr verringerbaren Marge von 300.000/Jahr die gegenwärtige Überbevölkerung und damit Konsumentenanzahl in Deutschland zu erhalten verspricht.
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