Nicaragua Ex-Revolutionsführer Ortega übernimmt die Macht

Als marxistischer Revolutionsführer hatte er einst mitten im Kalten Krieg die Macht in Nicaragua übernommen. 16 Jahre nach seinem Sturz ist Daniel Ortega nun wieder als Präsident des mittelamerikanischen Landes vereidigt worden.

Managua - Zwei Monate nach seinem Wahlsieg übernahm Nicaraguas ehemaliger Revolutionsführer Daniel Ortega offiziell das Präsidentenamt. Der 61-jährige leistete seinen Amtseid und erhielt vom Präsidenten des Parlaments die Schärpe in den Landesfarben Blau und Weiß.

Ortega hat angekündigt, ungeachtet seiner marxistischen Vergangenheit eine moderate Politik zu verfolgen, die sich an den Grundsätzen der freien Marktwirtschaft orientiert. Dennoch dürfte mit dem Machtwechsel in Managua Venezuelas Präsident Hugo Chávez einen weiteren Verbündeten in der Region finden, um seine Allianz gegen die USA weiter zu stärken.

"Wir sind der Arbeit, dem Frieden und der Versöhnung verpflichtet", sagte Ortega kurz vor seiner Amtseinführung. Im Radio liefen den ganzen Mittwoch über dennoch volkstümliche Revolutionslieder. In den Straßen der Hauptstadt erfreuten sich zudem Souvenirs mit dem Konterfei der lateinamerikanischen Guerilla-Legende Ernesto "Ché" Guevara großer Beliebtheit. Hunderte Polizisten patrouillierten zusätzlich um den Platz, auf dem die öffentliche Inaugurationsfeier abgehalten werden sollte.

Ähnlich wie Ortega - und ganz anders als zuletzt Venezuelas Chávez - waren auch weitere Regierungsmitglieder darum bemüht, ihren Willen für eine moderate Politik erkennen zu lassen. "Wir werden privates Eigentum, unternehmerische Freiheit und die Regeln der Marktwirtschaft vollkommen respektieren", sagte Ortegas zukünftiger Vizepräsident Jaime Morales, der in den 1980er Jahren die Contra-Rebellen anführte und sich später mit Ortega versöhnte.

Ortega hatte während des Wahlkampfes vor allem den Armen versprochen, mehr für Gesundheit und Bildung auszugeben. Auch mit günstigen Krediten für Einkommensschwache und kleine Unternehmen will er die Armut verringern und den Wohlstand verbreitern. Nicaragua ist das zweitärmste Land in Amerika.

US-Präsident George W. Bush hat Ortega jüngst zur Wahl gratuliert und nach Angaben des Weißen Hauses "Versöhnung, Einheit, Demokratie und die Schaffung von Arbeitsplätzen - die Punkte aus Daniel Ortegas Wahlprogramm -" als Gebiete für eine mögliche Zusammenarbeit genannt. Im Wahlkampf hatten die USA offen Ortegas wichtigsten Gegner unterstützt.

Als marxistischer Revolutionsführer hatte Ortega bereits 1979 und damit mitten im Kalten Krieg die Macht in Nicaragua übernommen. Die USA unterstützten daraufhin die so genannten Contra-Rebellen, die die linksorientierte Regierung Ortegas bekämpften und in einen brutalen Bürgerkrieg zwangen. Seit dem Sturz Ortegas 1990 regierten US-nahe Politiker das zentralamerikanische Land. Vor seinem Sieg im vergangenen November trat Ortega zwei Mal vergebens bei Wahlen an.

phw/reuters

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