Machtkampf in Venezuela Maduro wollte sich laut US-Angaben nach Kuba absetzen

Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro war nach Angaben von US-Außenminister Pompeo bereit, das Land zu verlassen. Das Flugzeug habe schon auf dem Rollfeld gestanden - doch die Russen hätten interveniert.

Ein Soldat geht in Stellung in der Nähe des Militärflughafens "La Carlota" in Caracas
Manaure Quintero / Reuters

Ein Soldat geht in Stellung in der Nähe des Militärflughafens "La Carlota" in Caracas


Die US-Regierung will über Informationen verfügen, wonach der venezolanische Staatschef Nicolás Maduro zur Ausreise bereit gewesen sein soll. Russland habe ihn aber überzeugt, zu bleiben, sagte US-Außenminister Mike Pompeo dem Fernsehsender CNN.

"Es ist lange her, dass jemand Maduro gesehen hat", erklärte Pompeo. "Er hatte ein Flugzeug auf dem Rollfeld. So wie wir es verstehen, war er bereit, heute Morgen zu gehen. Die Russen haben ihm aber zu verstehen gegeben, dass er bleiben sollte."

US-Außenminister Pompeo: "Lange her, dass jemand Maduro gesehen hat"
Yuri Gripas / Reuters

US-Außenminister Pompeo: "Lange her, dass jemand Maduro gesehen hat"

In Venezuela hatte der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó am Dienstag einige Soldaten auf seine Seite gezogen und den Rest der Streitkräfte dazu aufgerufen, sich ihm anzuschließen. Die USA halten die Opposition seit langer Zeit für die legitime Kraft in Venezuela und versuchen, Kräfte im mächtigen Militär zur Abkehr von Präsident Maduro bewegen.

Im Video: Guaidó geht aufs Ganze

Rafael Hernandez/ DPA

Auch viele EU-Staaten und lateinamerikanische Länder haben Guaidó als rechtmäßigen Übergangsstaatschef anerkannt - dagegen halten Russland, China, die Türkei sowie die linken Regierungen in Kuba, Nicaragua und Bolivien weiterhin Maduro die Treue. Der Chef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat, Konstantin Kossatschow, warnte vor einem Eingreifen von außen. Es gebe Kräfte, die nur einen Vorwand für ein gewaltsames Einschreiten suchten.

Trump droht Kuba

Unterdessen haben zahlreiche Länder der Region die Streitkräfte des südamerikanischen Landes zur Unterstützung des selbst ernannten Interimspräsidenten Guaidó aufgerufen. "Wir erneuern unsere Aufforderung an das Militär, seine Loyalität zum Übergangspräsidenten Juan Guaidó in seiner verfassungsmäßigen Funktion als Oberbefehlshaber auszudrücken", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der sogenannten Lima-Gruppe aus Argentinien, Brasilien, Kanada, Chile, Kolumbien, Costa Rica, Guatemala, Honduras, Panama, Paraguay und Peru. "Es sollte aufhören, ein Instrument des illegitimen Regimes zur Unterdrückung des venezolanischen Volkes zu sein."

Interimspräsident Guaidó dankt einem aufständischen Soldaten
Carlos Garcia Rawlins / Reuters

Interimspräsident Guaidó dankt einem aufständischen Soldaten

Außenminister Pompeo sagte in dem CNN-Interview weiter, ranghohe Vertreter der venezolanischen Regierung hätten den USA in den vergangenen Wochen gesagt, dass sie sich im Falle eines Aufstandes von Maduro abwenden würden. Das ist bislang nicht passiert. Am Abend rief daher der nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton, führende Mitglieder der Maduro-Regierung auf, sich Guaidó anzuschließen. Padrino hatte sich nach dem Aufruf Guaidós zunächst hinter die Maduro-Regierung gestellt.

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Venezuela: Aufruf zur Revolte

Auf die wiederholte Nachfrage, ob die US-Regierung Maduros Sicherheit gewährleisten würde, falls er nach Kuba fliehen würde, antwortete Pompeo nicht direkt. Er sagte lediglich, dass der venezolanische Präsident die Erwartungen der USA kenne.

US-Präsident Donald Trump rief Kuba via Twitter auf, die Unterstützung für den venezolanischen Präsidenten einzustellen. Andernfalls würden ein umfassendes Embargo und weitere Sanktionen gegen Kuba verhängt, schrieb Trump.

mkl/dpa

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