Sarkozy im Affären-Sumpf Gift von gestern

Erst heimlich aufgezeichnete Lästereien des Ex-Präsidenten, nun Enthüllungen, dass er in seiner Amtszeit die Justiz bedrängt haben soll: Mit einer ganzen Serie von Affären schlägt sich Nicolas Sarkozy herum. Selbst Parteifreunde verspotten ihn inzwischen als den Berlusconi Frankreichs.

REUTERS

Von , Paris


Seit Monaten treibt Nicolas Sarkozy durch Auftritte an der Seite seiner Ehefrau Carla Bruni sein Comeback voran -doch nun wird er einmal mehr von der Vergangenheit eingeholt. Zur Zeit muss sich die Ikone der konservativen UMP-Anhänger gleich mit mehreren Affären aus seiner Zeit als Präsident herumschlagen. Die Vorwürfe treffen die Opposition und ihren möglichen Kandidaten für 2017 zur Unzeit - nur zwei Wochen vor den Kommunalwahlen.

  • Erst geriet Sarkozy in den Sog der Anschuldigungen gegen den amtierenden UMP-Chef Jean-François Copé - der soll 2012 im Präsidentschaftswahlkampf für den damaligen Staatschef Sarkozy die PR-Firma von zwei seiner Vertrauten begünstigt haben, die sich dafür mit überhöhten Rechnungen bedankte.
  • Dann erschienen Enthüllungen über heimliche Mitschnitte von Sarkozys PR-Berater Patrick Buisson - die "Sarko-Leaks" führen den Ex-Präsidenten als giftenden Machtmenschen vor.
  • Und schließlich folgten Berichte, Sarkozy habe offenbar versucht, bei Nachforschungen über illegale Wahlkampffinanzierung die Justiz auf unerlaubte Weise zu beeinflussen.

Hintergrund: Seit dem vergangenen Jahr untersuchen die Ermittlungsbehörden Vorwürfe, Sarkozys Präsidentschaftskampagne von 2007 habe illegale Zuwendungen vom damaligen libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi erhalten. Im Zusammenhang mit dem Verfahren soll Sarkozy mit seinem Anwalt die Möglichkeit erwogen haben, einen Richter um interne Informationen anzugehen. Seit Ende Februar ermittelt die Justiz nun wegen unerlaubter Einflussnahme.

UMP-Spitze zeigt sich solidarisch

"Der Pate", titelt dazu die Tageszeitung "Libération" und fragt: "Hat Sarkozy versucht, einen Richter des Kassationsgerichts zu korrumpieren?" Das lassen dem Blatt zufolge von der Justiz abgehörte Gespräche vermuten - Gespräche, die ein grelles Licht auf das vom Ex-Präsidenten im Elysée aufgezogene System werfen. "Eine Staatsaffäre", resümierte der Sprecher der Sozialistischen Partei David Assouline, "sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten."

Die Freunde des ehemaligen Präsidenten sprachen hingegen von "Intrigen" und "haarsträubenden Machenschaften". Hinter den "verbissenen Angriffen" sehen sie gar ein "Abdriften zu Praktiken des KGB". Der Kommentator des "Figaro" beschrieb die Vorgänge als Rache einer "geschwächten Regierung": "Sarkozy ist der Mann, der zur Strecke gebracht werden muss. Für Präsident François Hollande ist er der Feind Nummer Eins."

Peinlich für den ehemaligen Präsidenten, auch wenn er als Opfer erscheint, ist auch die Affäre Patrick Buisson: Der frühere Journalist beim rechtsextremen Blatt "Minute", unter Sarkozy zur grauen Eminenz in Kommunikationsfragen avanciert, ließ während hochkarätiger Treffen im Kreise der Elysée-Berater heimlich ein Diktiergerät mitlaufen - offenbar geht es um Hunderte Stunden illegaler Mitschnitte. Auszüge veröffentlichte das Pariser Wochenblatt "Le Canard Enchaîné", der Internetdienst Atlantico stellte mehrere der heimlichen Aufnahmen ins Netz.

Giftender Staatschef

Die Enthüllungen des PR-Mannes, der seither als "Verräter" oder "Judas" verschrien ist, zeigen Sarkozy als giftenden Staatschef, der am Vorabend einer Regierungsumbildung 2011 ebenso so heftig gegen Journalisten ("bellende Hunde") wie Parteikollegen austeilt: Soll Umweltminister Jean-Louis Borloo den blassen François Fillon als Premier beerben? "Das wäre grotesk", wettert Sarkozy. Der einzige, der Gnade findet, ist Alain Juppé, der das Außenministerium übernehmen wird.

Buissons Aufnahmegerät zeichnete auch Neckisch-Privates auf, als es um die Mietwohnung von Carla Bruni geht: "Ich dachte, ich hätte einen Kerl mit einem Gehalt geheiratet", lästert die Sängerin, und Sarkozy antwortet schlagfertig: "Nun werde ich durch die Heirat ein reicher Mann." Grund genug für Sarkozy und seine Frau, rechtliche Schritte gegen den ehemaligen PR-Berater einzuleiten - wegen Verletzung der Privatsphäre, und um die Verbreitung von weiteren O-Tönen zu verhindern.

Derweil begleitet Sarkozy Anfang der Woche Carla Bruni weiter auf ihrer Tournee durch die Konzertsäle der Republik. Und während Parteifreunde und UMP-Spitze Solidarität mit dem Ex-Präsidenten bekunden, gehen manche Oppositionsführer auf vorsichtige Distanz. Der Affären-Politiker könnte auf Dauer zur Belastung werden wie Italiens früherer Staatschef, glauben Nachrücker aus den Reihen der UMP.

Sarkozy, zitiert "Libération" einen UMP-Promi, werde zunehmend zum Berlusconi Frankreichs.



insgesamt 8 Beiträge
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hubertrudnick1 09.03.2014
1. Schmierige Schlagzeile
Zitat von sysopREUTERSErst heimlich aufgezeichnete Lästereien des Ex-Präsidenten, nun Enthüllungen, dass er in seiner Amtszeit die Justiz bedrängt haben soll: Mit einer ganzen Serie von Affären schlägt sich Nicolas Sarkozy herum. Selbst Parteifreunde verspotten ihn inzwischen als den Berlusconi Frankreichs. http://www.spiegel.de/politik/ausland/nicolas-sarkozy-schlaegt-sich-mit-mehreren-affaeren-herum-a-957648.html
Solche schmierigen Affären könnte man doch bei jeder anderen Person, die in der Öffentlichkeit steht auch finden, es sind eben keine Heilige die uns regieren wollen, so wie wir alle es nicht sind. Boulevardkitsch, mehr nicht, es ist höchstens was zum Erheitern, aber kaum eine echte Meldung wert.
bert.hagels 09.03.2014
2. Im Falle ...
Zitat von hubertrudnick1Solche schmierigen Affären könnte man doch bei jeder anderen Person, die in der Öffentlichkeit steht auch finden, es sind eben keine Heilige die uns regieren wollen, so wie wir alle es nicht sind. Boulevardkitsch, mehr nicht, es ist höchstens was zum Erheitern, aber kaum eine echte Meldung wert.
... der Mitschnitte Buissons schon (wobei hier der Skandal m.E. auch eher in der Beschäftigung eines Rechtsradikalen als Medienberater liegt), im Falle der Vetternwirtschaft und der versuchten Richterbeeinflussung nicht. Das ist ernst. Warten wir's ab, was dran ist.
gamh 09.03.2014
3. Selbst eigebrockt
Jetzt rächt sich sein bisweilen fragwürdiger, bis unwürdiger Umgang mit einzelnen Pressevertretern während seiner Amtszeit, deren Nase ihm nicht gepasst hat. In diesem Zusammenhang ist er tatsächlich mit dem italienischen Vorzeigedemokraten Berlusconi zu vergleichen. Das wird ihm so mancher Journalist bis heute nicht verziehen haben. Dass er sich auch noch mit einem solch dubiosen PR-Berater umgab, rächt sich nun obendrein. Über Retourkutschen darf er sich heute daher nicht beklagen.
middleline 09.03.2014
4.
Zitat von hubertrudnick1Solche schmierigen Affären könnte man doch bei jeder anderen Person, die in der Öffentlichkeit steht auch finden, es sind eben keine Heilige die uns regieren wollen, so wie wir alle es nicht sind. Boulevardkitsch, mehr nicht, es ist höchstens was zum Erheitern, aber kaum eine echte Meldung wert.
Sie haben schon recht, wir müssen die Standards für Politiker dringend weiter senken.Es kann unmöglich sein, daß wir in wirtschaftlich und aussenpolitisch schwierigen Zeiten auf Mindeststandards bestehen. Das würde die internationale Wettbewerbsfähigkeit inkompetenter, korrupter oder allgemein dämlicher Politiker stark einschränken und wäre deshalb eine Gefahr für die westliche Demokratie.
licorne 09.03.2014
5. Justiz
es rächt sich vor allem Sarkozys verachtender Umgang mit den Vertretern der Justiz. Bei denen ist der sportliche Ehrgeiz erwacht, eine neue Kandidatur für das Präsidentschaftsamt 2017 zu verhindern. Es ist schon merkwürdig, wenn Telephonate eines Anwalts und seines Klienten (Sarko) von der Polizei abgehört werden.
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