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Nicolas Sarkozy: Der Bling-Bling-Präsident

Foto: Patrick BAZ/ National Museum of Qatar/ AFP

Was wurde aus... Nicolas Sarkozy? Aber bitte mit Carla

Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy war einst ein allgegenwärtiger Politik-Star. Und heute? Wird der 64-Jährige von Affären belastet - und glänzt nur noch als Ehemann seiner berühmten Ehefrau.

Es ist ruhig geworden um Nicolas Sarkozy, den Bling-Bling-Präsidenten, den Glamour-Politiker, den Ehemann von Carla Bruni. Es gab Zeiten, da schien der kleine Franzose neben seiner großen Frau auch hierzulande allgegenwärtig, in Klatschspalten genauso wie in politischen Kommentaren.

Zwischen 2007 und 2012 kämpfte Sarkozy als französischer Präsident mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gegen die große Finanzkrise und ging privat mit Carla vor den Pyramiden spazieren. Aus dem Topmodel Bruni, das acht Jahre lang eine Beziehung mit Rolling-Stones-Chef Mick Jagger gepflegt hatte, war zu dieser Zeit eine erfolgreiche Liedermacherin und Chansonsängerin geworden, deren Glanz der Präsidentschaft Sarkozys das gewisse Extra verlieh. Im März 2008 heirateten sie, 2011 kam Tochter Giulia zur Welt.

Doch Sarkozys Glanz verblasste schnell, als sein Nachfolger die Amtsgeschäfte übernahm. Wer erinnert sich noch an den Langweiler François Hollande, der doch bis vor zwei Jahren noch im Pariser Rampenlicht stand? Zeugt das von einer relativen Bedeutungslosigkeit der Herren, die im Élysée-Palast regierten? Werden sie uninteressant, wenn sie das Amt abgeben?

Altpräsident François Mitterrand starb nur wenige Monate nach seiner Amtsabgabe, der gerade beerdigte Jacques Chirac erlitt noch während seiner Amtszeit einen Schlaganfall, dessen Folgen ihn fortan zur öffentlichen Zurückhaltung zwangen.

Nicolas Sarkozy hatte also die Chance, das postpräsidentielle Leben nach seiner Abwahl im Jahr 2012 neu zu erfinden, gerade weil Hollande so wenig strahlte. Und das auch noch mit einer Frau an seiner Seite, die fast so berühmt ist wie er. Hat er sie genutzt?

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Nicolas Sarkozy: Der Bling-Bling-Präsident

Foto: Patrick BAZ/ National Museum of Qatar/ AFP

Traut man den jüngsten Schwarz-Weiß-Bildern, die Carla Bruni, 51, von ihrem inzwischen 64 Jahre alten Ehemann, ihrer Tochter und sich selbst auf Instagram postete, zeigt sich heute ein neuer Sarkozy: gelassen, entspannt, sensibel - der perfekte Privatmann. Sogar das Verhältnis zu seiner Ex-Frau Cécilia Attias erscheint intakt: Attias veröffentlicht dieser Tage mit ihrem Sohn Louis Sarkozy ein gemeinsames Buch, in dem sie keine dreckige Wäsche waschen, sondern ihre "Lust an Meinungsverschiedenheiten" betonen, so der Buchtitel. Das ist indirekt auch ein Lob für Vater Sarkozy, der diese Meinungsdifferenzen immer tolerierte. Sogar Carla Bruni macht auf Instagram Werbung für das Buch.

Vielleicht sollen Carlas harmonische Bilder ihres tollen Ehemannes aber auch nur dessen handfeste Probleme mit der Justiz kaschieren. Denn Sarkozy steht womöglich ein Gerichtsprozess bevor: Es geht um den Vorwurf, für die eigene Wiederwahl als französischer Präsident im Jahr 2012 fast das Doppelte der gesetzlich gestatteten Summe ausgegeben zu haben, nämlich 43 Millionen Euro statt erlaubter 22,5 Millionen. Gerade hat das höchste Revisionsgericht in Frankreich, der Kassationshof, eine Beschwerde Sarkozys zurückgewiesen. Damit haben die Staatsanwälte nun freie Hand für eine Anklage gegen den Ex-Präsidenten. Wer glaubt denn schon der Argumentation Sarkozys, er habe von den illegalen Mehrausgaben während seines Wahlkampfs nichts gewusst? In Frankreich so gut wie niemand.

Was wurde eigentlich aus...

Außerdem in dieser Serie erschienen: Nokia, Hamburgs Ex-Bürgermeister Ole von Beust, Talkshowmoderatorin Arabella Kiesbauer, Ehec, Steinkohlebergbau, Radstar Jan Ullrich, Ägyptens Ex-Diktator Hosni Mubarak, Aids, Deutschlandstipendium, Transrapid, Dioxin, Prokon, Chatportal Knuddels, "Costa Concordia" und viele mehr.
Im Überblick: Alle Folgen der Serie "Was wurde aus...?

Weitere Verfahren und Ermittlungen sind anhängig: Sarkozy wird vorgeworfen, als Präsident einen Richter bestochen zu haben, dann wiederum soll er für seinen ersten Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2007 illegale Spenden von Diktator Gaddafi aus Libyen akzeptiert haben. Auch in diesen Fällen könnten ihm Prozesse drohen.

So richtig übel scheinen die Franzosen Sarkozy seine mutmaßlichen Fehltritte jedoch nicht zu nehmen. Als er diesen Sommer sein biografisches Buch "Leidenschaften" veröffentlichte, das die Vorwürfe gegen ihn nahezu komplett ignorierte, gab es kaum Kritik. Stattdessen wurde das Buch mit über 200.000 verkauften Exemplaren zum bisherigen Bestseller des Jahres.

Das Geheimnis dieses Erfolges muss sein, dass in diesem Buch nichts Neues steht - nur eine fröhliche Wiederholungsgeschichte von dem, was fast jeder Franzose weiß. Zum Beispiel die Geschichte von Sarkozys erstem Treffen mit Carla Bruni. Französische People-Gazetten wie "Voici" und "Gala" überbieten sich in diesem Herbst, die Details dieses ersten Gesprächs noch einmal auszubreiten. "Sie hatte kaum Interesse an Politik. Ich wusste kaum etwas über die Welt des Chansons", schreibt Sarkozy über diesen Abend. Ähnlich banal schreibt er über große Politik: "Man kann sich das Gewicht der Verantwortlichkeiten nicht vorstellen", so Sarkozy über seinen Gemütszustand vor dem Amtsantritt 2007.

Am Ende bleibt dann also doch nur Carla Bruni, das gewisse Extra eines ansonsten mäßig erfolgreichen, da nie wiedergewählten französischen Präsidenten. Immerhin: In diesem Monat durfte Sarkozy in Vertretung des amtierenden Präsidenten Emmanuel Macron zur Feier der Thronbesteigung des japanischen Kaisers nach Tokio reisen. Auslandskonzerte von Bruni dürften jedoch mehr Aufmerksamkeit erregen.

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