Niedergeschlagener Protest China räumt Todesschüsse auf Demonstranten ein

Erstmals haben chinesische Behörden zugegeben, bei Unruhen in Südchina drei Menschen getötet zu haben. Die Polizisten hätten in Notwehr auf die Demonstranten geschossen, behauptete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.


Peking - Xinhua zufolge hatten protestierende Bewohner der Dörfer Dongzhoukeng und Shigongliao am Montag und Dienstag eine Windkraftanlage angegriffen. Dabei hatte die Polizei Schusswaffen eingesetzt. Nun gaben offizielle Stellen nach tagelangem Schweigen erstmals zu, dass es bei diesem Einsatz am Dienstag drei Tote gegeben habe. Bei den Zusammenstößen nahe Shanwei in der Provinz Guangdong seien außerdem acht weitere Personen verletzt worden.

Augenzeugen hatten zuvor von mindestens 30 Toten gesprochen. Wie die Tageszeitung "Guangzhou Daily" berichtete, wurde der Verantwortliche festgenommen. Die Behörden nähmen den Vorfall sehr ernst und hätten eine Untersuchungskommission eingerichtet.

Augenzeugen sagten, bei der Demonstration hätten mehrere hundert Dorfbewohner Entschädigungen für Land gefordert, das ihnen für den Bau eines Kohlekraftwerks weggenommen worden war. Der Zeitung zufolge habe der verantwortliche Kommandeur einer Spezialeinheit der Volksarmee die Lage falsch eingeschätzt. Dies habe unbeabsichtigt zu Opfern geführt. Wann der Mann festgenommen worden sei, wurde nicht mitgeteilt.

Nach Darstellung von Xinhua handelte die Polizei in Notwehr. Die Demonstranten hätten die Beamten mit "Sprengkörpern" und anderen Waffen angegriffen. Die Beamten seien "gezwungen" gewesen, dass Feuer auf den "chaotischen Mob" zu eröffnen. Bereits sei Monaten hätten Aufrührer die Proteste angezettelt und dabei den Ärger über das Kraftwerk als Vorwand benutzt.

Nach Berichten von Bewohnern blieb die Lage in dem Dorf Dongzhoukeng bei Shanwei auch am Wochenende gespannt. Mehrere hundert Polizisten seien dort stationiert worden, berichtete ein Einwohner. Die Polizei halte die Leichen der Getöteten unter Verschluss. Angehörige, die die Toten bestatten wollten, seien abgewiesen worden.

Der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge ist die Gewalteskalation als dramatisch zu bewerten: Mit den tödlichen Schüssen habe die Polizei erstmals seit dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 in Peking wieder das Feuer auf Demonstranten eröffnet.



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