Zweiter Weltkrieg Niederländisches Rotes Kreuz entschuldigt sich für Verhalten in Nazizeit

Jahrelang hat ein Amsterdamer Institut zur Rolle des niederländischen Roten Kreuzes während des Zweiten Weltkrieges geforscht - und die Organisation als Ergebnis deutlich kritisiert. Hochrangige Vertreter entschuldigten sich nun.


Das Niederländische Rote Kreuz hat sich für sein Verhalten zur Zeit der Besatzung durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg entschuldigt. Die Kriegszeit sei "ein schwarzer Fleck in unserer 150-jährigen Geschichte", sagte die Rot-Kreuz-Vertreterin Inge Brakman. Sie bedauerte den "Mangel an Courage", den die Organisation während der Nazizeit an den Tag gelegt habe. Vor und nach dem Krieg habe das Rote Kreuz Fehler begangen.

Zuvor hatte das Amsterdamer Niod-Institut für Studien zu Krieg, Holocaust und Genozid nach vierjährigen Forschungen harte Kritik am Verhalten des Niederländischen Roten Kreuzes während der Besatzungszeit geäußert. So hätten verfolgte Juden in dieser Zeit kaum Hilfe durch die Organisation erhalten.

Brakman sagte, sie habe den Niod-Bericht beim Lesen oft zur Seite legen müssen, so konfrontierend seien der Inhalt und die "Konsequenzen des menschlichen Versagens" gewesen. Laut Rot-Kreuz-Direktor Gijs de Vries habe die Organisation es "den Besatzern zu leicht gemacht": "Sie haben nie über die Judenverfolgung gesprochen und brav die Anweisungen der Besatzer befolgt."

Von den 140.000 Juden, die nach heutigen Erkenntnissen vor Beginn des Zweiten Weltkrieges in den Niederlanden lebten, überlebten nur etwa 30.000. Etwa 107.000 wurden im Lager Westerbork im Nordosten des Landes interniert und anschließend in Konzentrationslager in anderen Ländern gebracht.

aar/AFP

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insgesamt 3 Beiträge
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Maya2003 02.11.2017
1.
Ich frage mich immer wie die Autoren der Studie sich verhalten hätten wenn sie die Besatzung selbst am eigenen Leib erfahren hätten. Es ist leicht anderen Versagen vorzuwerfen - vom hohen moralischem Podest natürlich. Ich wage mal eine Antwort: Sie hätten den Schwanz eingezogen und den Mund gehalten. Aus Angst ! Aber es ist immer gut aus der warmen Studierstube heraus mit dem Finger auf andere zu zeigen und sich der eigenen moralischen Uberlegenheit sicher zu sein - völlig gefahrlos versteht sich.
jhea 02.11.2017
2.
Wird ja auch nicht behauptet... Es wird hier nur gesagt, dass das NL RK sich nicht so vorbildlich verhalten hat, und im WW2 halt eher seine eigene Haut rettete statt hilfebedürftigen Juden. Das ist jetzt nur grob zusammengefasst, aber halt zusammengefasst. Ob ich selbst jetzt einem Juden auf meinem Dachboden untergebracht hätte, weiß ich nicht - wahrscheinlich wäre es mir zu riskant gewesen. Da ist man sich einfach selbst der nächste. Daher kann man denen damals auch keinen Vorwurf machen.
gandhiforever 02.11.2017
3.
Es ist immer leicht, spaeter auf die begangene Fehler hinzuweisen. Wir erleben es immer wieder, egal ob es sich in Frankreich, Polen oder in den Niederlanden abspielte. Immer gab es Einheimische, die entweder aus eigener Ueberzeugung oder aber aus Feigheit mit den Nazis zusammengearbeitet haben. Nur weil man selbst nicht in eine kompromittierende Situation geraten ist, muss man nicht schweigen. Schweigen ist immer falsch, denn wer sollte denn kritisieren, wenn nicht die spaeter Geborenen?
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