Niederlage bei Regionalwahl Italiens Oppositionsführer tritt zurück

Berlusconis Regierungspartei hat die Regionalwahl auf Sardinien gewonnen - und die linke Opposition in Italien damit in eine Krise gestürzt. Oppositionsführer Walter Veltroni erklärte seinen Rücktritt. Er wird für das schwache Auftreten seiner Partei verantwortlich gemacht.


Rom - Die Demokratische Partei (PD) teilte am Dienstag mit, dass Veltroni das Amt des Parteivorsitzenden niederlegt. Er habe bereits einmal am Morgen seinen Rücktritt eingereicht, dieser sei aber zunächst von der Parteispitze nicht angenommen worden, sagte der Sprecher. Am Nachmittag habe er dann erneut seinen Rückzug angekündigt.

Oppositionsführer Walter Veltroni: Nach Wahlniederlage zurückgetreten
REUTERS

Oppositionsführer Walter Veltroni: Nach Wahlniederlage zurückgetreten

Politische Beobachter machten Veltroni wesentlich für die Niederlage auf Sardinien verantwortlich, weil sein Lager seit dem Sieg Berlusconis bei den Parlamentswahlen im April 2008 zerstritten sei und dem Ministerpräsidenten trotz Wirtschaftskrise und Problemen der Regierung nichts entgegensetzen könne.

Italiens konservativer Regierungschef Silvio Berlusconi hatte die Regionalwahlen auf Sardinien überraschend deutlich gewonnen. Der Kandidat von Berlusconis Regierungspartei "Volk der Freiheit" (PDL), Ugo Cappellacci, konnte sich mit rund 52 Prozent der Stimmen durchsetzen. Sein Konkurrent, der bisherige Regionalratspräsident Renato Soru von der PD , kam nur auf etwa 43 Prozent. Sardinien war bisher von einer Mitte- Links Koalition regiert worden. Die Wahl galt als Popularitätstest für den seit zehn Monaten wieder amtierenden Ministerpräsidenten.

"Kein Wunder, ich habe mein ganzes Image aufs Spiel gesetzt für diese Wahlen", kommentierte Silvio Berlusconi den Erfolg. Der Regierungschef, der selbst einige Villen auf der Mittelmeerinsel besitzt, hatte in den vergangenen Wochen mehrere Wahlreden auf Sardinien gehalten, um seinen Kandidaten zu unterstützen.

Auch im Regionalparlament konnte Cappellaccis Mitte-Rechts- Koalition mit 56,6 Prozent gegen die Linkskoalition mit 38,6 Prozent einen klaren Sieg verzeichnen. "Ich bin enttäuscht, aber die PD bleibt eine Partei mit Zukunft", sagte Verlierer Soru. Er machte eine Kampagne von Berlusconis Medienimperium gegen ihn für die Niederlage verantwortlich. Silvio Berlusconi gehören die drei größten privaten TV-Sender. Soru war vor seiner Niederlage als ein möglicher neuer nationaler Spitzenpolitiker der Linken angesehen worden.

Der zurückgetretene Parteichef Veltroni galt früher als Hoffnungsträger der Linken. Bei der Parlamentswahl im vergangenen April hatte er als Spitzenkandidat eine herbe Schlappe einstecken müssen. Auch damals hieß der Sieger Berlusconi. Zuvor war Veltroni Bürgermeister von Rom gewesen.

Auf Sardinien waren 1,5 Millionen Wähler aufgerufen, sowohl den Regionalratspräsidenten als auch das Regionalparlament neu zu wählen. Soru hatte im vergangenen November seinen Rücktritt eingereicht, aus Protest gegen die Ablehnung seines umstrittenen Gesetzes zur strengeren Regelung neuer Bauprojekte an den sardischen Küsten.

sac/dpa/afp/Reuters



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