Niederlande Saddams Giftgaslieferant gefasst?

Die niederländische Polizei hat in Amsterdam einen 62 Jahre alten Holländer festgenommen. Er steht im Verdacht Grundstoffe für Giftgas in großen Mengen an den früheren irakischen Diktator Saddam Hussein geliefert zu haben. Der Mann soll wegen Beteiligung an Kriegsverbrechen Saddam Husseins und an Völkermord angeklagt werden. Im Irak gab es unterdessen neue Kämpfe.


Den Haag - Die Chemiewaffen wurden nach Angaben der niederländischen Justizbehörden unter anderem beim Giftgasangriff auf die kurdische Stadt Halabdscha eingesetzt. Dabei wurden 1988 schätzungsweise 5000 Menschen getötet. Der Niederländer wurde den Angaben zufolge gestern festgenommen. Zwischen 1984 und 1988 habe er große Mengen chemischer Stoffe in den Irak geliefert. Der Geschäftsmann habe gewusst, wofür das Material eingesetzt werde.

Nach einer ersten Festnahme in Italien 1989 floh er laut Staatsanwaltschaft in den Irak und kehrte nach Beginn des Krieges im März vergangenen Jahres in die Niederlande zurück. Nach Angaben der Vereinten Nationen verkaufte er an den Irak 36 Schiffsladungen unter anderem mit Grundstoffen für Nerven- und Senfgas, die aus den USA und Japan stammten.

Neue Gewalt im Irak

Südlich von Bagdad wurden bei der Explosion einer am Straßenrand versteckten Bombe drei irakische Nationalgardisten in den Tod gerissen. Elf weitere Soldaten wurden bei dem Anschlag nahe Dschebala am Montag verwundet, wie ein Sprecher mitteilte.

Die US-Streitkräfte meldeten heute die Festnahme von 34 Aufständischen seit Sonntag. Darunter befänden sich zehn Männer, die wegen des Verdachts der Herstellung von Sprengsätzen gezielt gesucht worden seien. Die Männer seien bei Razzien in As Sinija, Tikrit und dem Bagdader Stadtteil Raschid aufgegriffen worden. In einem Haus wurden den Angaben zufolge drei komplett zusammengebaute Sprengsätze gefunden.

Die Regierung in Kopenhagen wies irakische Berichte über die Misshandlung von Gefangenen durch dänische Soldaten zurück. Die Zeitung "al-Manara" hatte am Wochenende berichtet, bei einer Razzia Ende November hätten die Dänen festgenommene Iraker getreten, geschlagen und mit Elektroschocks gequält. Die Vorwürfe seien "völlig grundlos", erklärte Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen. Es habe keine Berichte über Misshandlungen von Festgenommenen gegeben, betonte auch der Kommandeur des dänischen Kontingents im Irak, John Dalby. Bereits im August wurde eine dänische Soldatin der Misshandlung von Gefangenen beschuldigt.



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