Geplanter Besuch Niederlande erklären türkischen Vizepremier zur unerwünschten Person

Der türkische Vizepremier Tugrul Türkes will in den Niederlanden an einer Gedenkveranstaltung zum Putschversuch teilnehmen. Die Regierung in Den Haag will dies verhindern.

Türkischer Vizepremier Tugrul Türkes
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Türkischer Vizepremier Tugrul Türkes


Der türkische Vizepremier Tugrul Türkes ist in den Niederlanden nicht willkommen und soll nach dem Willen Den Haags nicht an einer Gedenkfeier zum Jahrestag des Putschversuchs in der Türkei teilnehmen. Angesichts der "bilateralen Beziehung beider Länder" sei ein Besuch eines Mitglieds der türkischen Regierung zurzeit nicht erwünscht, erklärte die niederländische Regierung in Den Haag. Der Vizepremier sollte nächste Woche in Apeldoorn an einer Veranstaltung einer türkischen Organisation teilnehmen.

Im März hatten die Niederlande türkischen Ministern ein Redeverbot erteilt. Die türkische Familienministerin hatte das Land unter Polizeibegleitung verlassen müssen. Dadurch hatten die Spannungen zwischen Den Haag und Ankara einen Höhepunkt erreicht. Die Niederlande strebten eine Normalisierung der Beziehungen an, erklärte die Regierung. "Wir sind bereit, darüber Gespräche mit den türkischen Behörden zu führen."

Die Bundesregierung hatte dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan einen Auftritt vor Anhängern am Rande des G20-Gipfels in Hamburg untersagt. Erdogan hatte das in einem Interview der Wochenzeitung "Die Zeit" als "sehr hässlich" bezeichnet und gesagt: "Deutschland begeht Selbstmord." Vor seiner Reise nach Hamburg hatte Erdogan deutlich gemacht, dass er die Nazi-Beschimpfungen aus dem Frühjahr nicht bedauert. Auslöser damals waren Verbote von Wahlkampfauftritten von Regierungsvertretern in Deutschland vor dem Verfassungsreferendum in der Türkei gewesen. Erdogan hatte Merkel in dem Zusammenhang "Nazimethoden" vorgeworfen.

anr/dpa

insgesamt 40 Beiträge
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ftraven 07.07.2017
1. Das kleine "Holland"...
...macht es vor! Während unsere Regierung nach wie vor in gebückter Haltung vor dem Autokraten und Sultan auftritt. Die letzten Äußerungen des Sultans zeigen ja, dass man ihm nur mit absoluter Härte entgegen treten kann. Aber es ist zu befürchten, dass Frau Merkel die ganzen Menschrechtsverletzung einschl. Inhaftierungen Deutscher eher lieber nicht anspricht, jedenfalls nicht deutlich genug.
sven2016 07.07.2017
2.
Das ist eine angemessene Reaktion. Es wäre auch sinnvoll, möglichst unabhängig aufzuklären, wie die Umstände und die Vorgeschichte des Putschversuchs tatsächlich waren. Möglicherweise bleibt dann niemand übrig, der des Rages gedenken kann, weil alle verwickelt waren?
surry 07.07.2017
3. Mit Mut und Stolz
den Diktatoren (allen!) entgegentreten! - Chapeau!
Atheist_Crusader 07.07.2017
4.
Danke, liebe Niederländer. Daran sollte sich der Rest Europas ein Beispiel nehmen. Speziell Deutschland. Eine Normalisierung der Beziehungen wäre zwar wünschenswert, aber solange die türkische Regierung lieber 19. Jahrhundert spielt, leider nicht möglich.
danubius 07.07.2017
5. Bravo, endlich Mut zur Zivlilcourage
Interessanterweise sind es immer die kleineren EU-Länder, die den Mut haben, ihre eigene Politik vor den Wahlk(r)ampfwünschen des großen Herrschers vom Bosporus zu stellen. Ihm gegenüber hilft nur eine klare Linie, die er verstehen lernen muss - es helfen keine EU-Milliarden für Beitrittsgespräche oder ein Beschönigen von Merkels Seite aus (zur Erinnerung: Abstimmung Bundestag zur Armenienfrage, etc.).
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