Chef der Brexit-Partei Europaparlament untersucht finanzielle Zuwendungen an Farage

Nigel Farage soll laut britischen Medienberichten von einem Brexit-Befürworter etwa eine halbe Million Euro für seinen extravaganten Lebensstil erhalten haben. Stimmt das, drohen Konsequenzen aus Brüssel.

Nigel Farage: In den Umfragen vorn, durch Medienberichte unter Druck
ANDY RAIN/EPA-EFE/REX

Nigel Farage: In den Umfragen vorn, durch Medienberichte unter Druck


Das Europaparlament untersucht finanzielle Zuwendungen an den britischen EU-Abgeordneten Nigel Farage. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani habe den Fall Farage an den Beratenden Ausschuss zum Verhalten von Mitgliedern verwiesen, bestätigte ein Sprecher.

Sollte das Gremium ein Fehlverhalten bei Farage feststellen, könnten Sanktionen gegen den EU-kritischen Politiker verhängt werden. Möglich wäre zum Beispiel, ihm Tagegelder zu streichen oder ein Ämterverbot zu verhängen.

Hintergrund der Untersuchung sind Medienberichte in Großbritannien. Nach diesen soll Farage Zuwendungen in Höhe von etwa 450.000 Britische Pfund (umgerechnet rund 510.000 Euro) von dem Millionär und Brexit-Befürworter Arron Banks für die Finanzierung seines extravaganten Lebensstils erhalten haben.

Darunter seien Flugreisen, ein Auto mitsamt Chauffeur und die Miete für eine Wohnung im Londoner Nobelviertel Chelsea. Der britische Fernsehsender Channel 4 will dafür Belege in Form von Rechnungen, E-Mails und anderen Dokumenten eingesehen haben.

Farages Brexit-Partei in den Umfragen zur Europawahl klar vorn

Der Beratende Ausschuss des Europaparlaments untersucht Fälle, in denen es Zweifel daran gibt, dass sich Abgeordnete an den Verhaltenskodex halten. Der Verhaltenskodex verpflichtet die Abgeordneten zum Beispiel, ihre finanziellen Interessen und bestimmte Geschenke offenzulegen.

Farage ist seit 1999 Mitglied des Europaparlaments. Er ist einer der Vorreiter der Brexit-Bewegung. 2014 wurde Farage über die EU-feindliche Unabhängigkeitspartei Ukip ins Parlament gewählt.

Für die diesjährige Europawahl hat er eine neue Brexit-Partei gegründet. Über diese wird er aller Voraussicht nach wieder ins Parlament einziehen. In den Umfragen liegt die Brexit-Partei deutlich vorn. Im SPIEGEL-Interview erklärte Farage kürzlich, wie er das politische System in Großbritannien radikal verändern möchte.

aev/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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steinbock8 22.05.2019
1. Verfolge die Spur des Geldes.
Wer an der Destabilisierung von Europa interessiert ist, hat auch das Geld gezahlt. Wer das Geld genommen hat, brauchte es um seinen luxuriösen Lebensstil zu finanzieren. Edle politische Motive waren absurd. Leider gab es keine Videoaufnahmen von den diversen Treffen.
helmut46 22.05.2019
2. Profitieren nicht alle Parteien von finanzielle Zuwendungen ?
Ich finde es richtig und gut, daß SPON die finanziellen Zuwendungen für H. Farage und die AFD beleuchtet und diese anprangert. Was ist aber mit den unverschämt überhöhte Standmieten, die Firmen zahlen, um einen Infostand bei Parteitagen der "sauberen Parteien" zahlen, um dort Informationen verteilen zu dürfen. Sollte dies nicht auch angeprangert werden, weil es ebenfalls grenzwertig ist?
kumi-ori 22.05.2019
3.
Ob FPÖ, UKIP oder die AFD mit ihren mysteriösen Spenden aus der Schweiz - die Rechts-Außen-Parteien nehmen gerne mal kleine G'schenkerln von großzügigen Spendern an. Man sollte nun mal darauf achten, an wen in Zukunft öffentliche Bauaufträge vergeben werden, vielleicht fällt einem da ja irgendetwas auf.
k70-ingo 22.05.2019
4.
Zitat von helmut46Ich finde es richtig und gut, daß SPON die finanziellen Zuwendungen für H. Farage und die AFD beleuchtet und diese anprangert. Was ist aber mit den unverschämt überhöhte Standmieten, die Firmen zahlen, um einen Infostand bei Parteitagen der "sauberen Parteien" zahlen, um dort Informationen verteilen zu dürfen. Sollte dies nicht auch angeprangert werden, weil es ebenfalls grenzwertig ist?
Kann man machen - spielt hier und jetzt aber keine Rolle, weil es um die direkten Zuwendungen an Farage geht.
labellen 23.05.2019
5. Es war in erster Linie Farage,
der die unheilvolle Brexit-Kampagne losgetreten hat. Wenn ihm die Briten zur EU-Wahl wieder zur stärksten Fraktion verhelfen, bezeugt das nur den desaströsen Zustand der politischen Landschaft in England.
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