Niger Putschende Militärs verschleppen Präsidenten

Putschversuch in Niger: Bewaffnete Soldaten stürmten den Präsidentenpalast des westafrikanischen Landes. Präsident Mamadou Tandja wurde nach Berichten von Augenzeugen verschleppt. Offenbar gab es auch Verletzte.
Nigers Präsident Tandja: Verbleib nach Putschversuch ist unklar

Nigers Präsident Tandja: Verbleib nach Putschversuch ist unklar

Foto: JUAN BARRETO/ AFP

Niamey - Militärs haben in Niger einen Staatsstreich gegen Präsident Mamadou Tandja unternommen. Augenzeugen berichteten, das Staatsoberhaupt sei an einen unbekannten Ort verschleppt worden. Bewaffnete Soldaten hätten am Donnerstag während einer Kabinettssitzung den Präsidentenpalast in der Hauptstadt Niamey gestürmt. Es soll heftige Schießereien und Explosionen im Regierungsviertel gegeben haben, bei denen drei Soldaten getötet worden sein sollen.

Der 71-jährige Tandja und sein Kabinett würden von Soldaten festgehalten, berichtete der britische Rundfunksender BBC unter Berufung auf Regierungsvertreter in der Hauptstadt Niamey. Soldaten und Panzer seien auf den Straßen im Regierungsviertel unterwegs, aus den Krankenhäusern gab es Berichte über Verletzte. Bewohner flohen aus dem Zentrum der Hauptstadt.

Eine offizielle Stellungnahme der Regierung gab es nicht. Tandja sei "auf den ersten Blick in keiner guten Lage", hieß es in französischen Regierungskreisen in Paris. Die frühere Kolonialmacht rief die in Niger lebenden Franzosen auf, ihre Häuser nicht zu verlassen.

Angespannte innenpolitische Lage

Die Lage in dem westafrikanischen Land ist seit längerem angespannt. Präsident Tandja, der 1999 bei einem Putsch an die Macht kam, erzwang im vergangenen Jahr ein Referendum, um weiterregieren zu können. Denn nach zwei Amtszeiten hätte er nicht mehr kandidieren dürfen. Er löste dazu das Parlament und das Verfassungsgericht auf und änderte die Verfassung.

Die Opposition hatte heftig gegen das Vorgehen des Präsidenten protestiert und die Wahlen im vergangenen Oktober boykottiert. Diese hatte die Partei des Präsidenten klar gewonnen. Die westafrikanische Staatengemeinschaft ECOWAS setzte daraufhin Nigers Mitgliedschaft aus und drohte mit Sanktionen. Seit Monaten bemüht sich ECOWAS ohne Erfolg um eine Vermittlung zwischen Regierung und Opposition.

Niger

Auf dem Entwicklungsindex der Vereinten Nationen liegt auf dem fünftletzten Platz. Das am Südrand der Sahara gelegene Land leidet unter Dürre und dem Vormarsch der Wüste. Der Anteil der Analphabeten liegt bei 70 Prozent, das Bevölkerungswachstum ist weltweit das höchste.

mmq/apn/dpa/AFP
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