Mohammed-Karikaturen Zehn Tote in Niger bei Protesten gegen "Hebdo"

Der Mob randalierte, zündete Kirchen an: Gegen die neue "Charlie Hebdo"-Ausgabe kam es in Niger zu gewaltsamen Protesten. Der Chefredakteur der Satirezeitschrift verteidigt die Entscheidung, weiterhin Mohammed-Karikaturen zu zeigen.
Gewaltsamer Protest in Niamey am 17. Januar: Tränengas gegen die Angreifer

Gewaltsamer Protest in Niamey am 17. Januar: Tränengas gegen die Angreifer

Foto: BOUREIMA HAMA/ AFP

Niamey - Mehrere Kirchen wurden angesteckt, und die französische Fahne: Im zentralafrikanischen Niger wurden bei wütenden Protesten gegen die Mohammed-Karikatur in der neuen Ausgabe des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" mindestens zehn Menschen getötet. Das teilte der Präsident des Landes, Mahamadou Issoufou, in einer Rede an die Nation mit.

Am Samstag kamen demnach bei Protesten in der Hauptstadt Niamey fünf Menschen ums Leben, vier davon in Kirchen und Bars. Weitere fünf Menschen starben am Freitag in der südlichen Stadt Zinder.

Ein örtlicher Journalist sagte der Nachrichtenagentur dpa am Telefon, in Niamey seien am Samstag mindestens sieben Kirchen angezündet worden, darunter das größte protestantische Gotteshaus. Auch eine französische Fahne wurde angesteckt. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Angreifer ein. Die französische Botschaft rief ihre Landsleute auf, zu Hause zu bleiben. Die Bevölkerung des Wüstenstaates Niger ist überwiegend muslimisch.

Mit der Veröffentlichung der Mohammed-Karikatur auf dem jüngsten Titel wollen die Macher von "Charlie Hebdo" einem Terrorangriff auf die Redaktion des Magazins trotzen. Dabei waren vor gut eineinhalb Wochen zwölf Menschen getötet worden.

Als Hintergrund der Attacke mutmaßlich islamistischer Terroristen gelten teils sehr derbe frühere Mohammed-Karikaturen in dem Heft. Nach den Glaubensvorstellungen von Muslimen sollen weder Gott noch der Prophet Mohammed bildlich dargestellt werden.

Auch in anderen Ländern wie etwa Pakistan und Algerien hatte es nach der jüngsten Veröffentlichung des "Hebdo"-Magazins teils gewaltsame Demonstrationen gegen die Zeichnung gegeben. Todesopfer wurden aus diesen Ländern nicht gemeldet.

Was sagt der "Hebdo"-Chefredakteur?

"Charlie Hebdo"-Chefredakteur Gérard Biard rechtfertigte in einem Interview das Vorgehen der Zeitschrift: "Jedes Mal, wenn wir eine Karikatur Mohammeds zeichnen; jedes Mal, wenn wir eine Karikatur eines Propheten zeichnen; jedes Mal, wenn wir eine Karikatur Gottes zeichnen, verteidigen wir die Religionsfreiheit", sagte er NBC News laut englischer Übersetzung des US-Senders. Gott dürfe keine politische oder öffentliche Gestalt sein, sondern lediglich eine private. Der Sender veröffentlichte im Internet einen Auszug des Gesprächs, in Gänze soll es am Sonntag ausgestrahlt werden.

Zu großen Protesten in Teilen der islamischen Welt gegen Mohammed-Karikaturen war es bereits vor rund zehn Jahren einmal gekommen. Grund waren die Zeichnungen, die der Däne Kurt Westergaard für die Zeitung "Jyllands-Posten" anfertigte. Mehrfach waren Westergaard und die Zeitung in den Jahren darauf Ziel von Anschlägen.

Am Samstag war die aktuelle "Charlie Hebdo"-Ausgabe auch in Deutschland erschienen. Wie in anderen europäischen Ländern waren die Exemplare binnen Minuten ausverkauft.

yes/dpa