Terrorwelle in Nigeria Streitkräfte wehren neuen Boko-Haram-Angriff ab

Endlich hatte Nigerias Militär einen Erfolg zu melden: Die jüngste Offensive der Terrortruppe Boko Haram ist abgewehrt. Beim letzten Angriff kamen so viele Menschen um, dass die Leichen auch Tage danach nicht gezählt sind.

Terror in Nigeria (Archiv): Islamisten der Boko Haram halten das Land in Furcht
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Terror in Nigeria (Archiv): Islamisten der Boko Haram halten das Land in Furcht


Kano - Die nigerianischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben einen Angriff der islamistischen Terrororganisation Boko Haram auf die Hauptstadt des nordöstlichen Bundesstaats Yobe abgewehrt. Bei den Kämpfen in Damaturu seien fünf Soldaten schwer verletzt worden.

Wie viele Opfer es in der Zivilbevölkerung und unter den Angreifern gab, ist noch unklar, wie das Militär am Samstag mitteilte. Soldaten beschlagnahmten demnach bei den Kämpfen am späten Freitag Sprengstoff und auch Panzerfäuste.

Der Angriff kam nur wenige Tage nach einer Großoffensive der Boko Haram im nahen Bundesstaat Borno rund um die Stadt Baga. Amnesty International spricht bei dem Massaker von dem bislang schlimmsten tödlichen Überfall durch die Terrorgruppe. Von 2000 Opfern ist die Rede. Andere Quellen gehen von mindestens 200 Toten aus.

Kein Vordringen zu den Toten

Noch immer liegen Hunderte Leichen in den Büschen im Nordosten von Nigeria- zu viele zum Zählen. Eins scheint klar: Die Opfer sind überwiegend Kinder, Frauen und ältere Menschen. Sie konnten nicht schnell genug vor den bewaffneten Boko-Haram-Terroristen fliehen. Die Terrorkämpfer haben ganze Ortschaften niedergebrannt - darunter die Stadt Baga im Bundesstaat Borno an der Grenze zum Nachbarstaat Tschad.

Muhammad Abba Gava, Sprecher der nur leicht bewaffneten Bürgerwehr, sagte der Nachrichtenagentur AP, dass sie aufgegeben hätten, die Leichen zu zählen. "Niemand dringt zu den Leichen vor und selbst die Schwerverletzten sind mittlerweile gestorben", so Gava.

Baga war im April 2013 schon einmal von schweren Kämpfen zwischen Militär und mutmaßlichen Boko-Haram-Kämpfern erschüttert worden. Das nigerianische Militär setzte am Freitag zum Gegenschlag an. Die Lage in Baga habe sich bereits gebessert, sagte ein Regierungsvertreter am Freitag. Der Kampf um Damaturu ist ein weiterer Erfolg.

Ziel ist der islamische Gottesstaat

Nigeria hat große Ölvorkommen und ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Zurzeit befindet es sich gerade in den Präsidentschaftswahlen. Laut BBC kontrollieren die Boko-Haram-Terroristen inzwischen rund 70 Prozent des Bundesstaates Borno. Die sunnitischen Fundamentalisten kämpfen im Nordosten Nigerias und in den angrenzenden Gebieten Kameruns für die Errichtung eines Gottesstaats.

Der Terror der Boko-Haram dauert bereits seit Jahren an: Alleine im vergangenen Jahr sollen durch die Islamisten mehr als 10.000 Menschen ums Leben gekommen sein. Zudem sind mehr als eine Millionen Menschen sind aus ihrer Heimat verdrängt worden, Hunderttausende flüchteten deswegen bereits in die Nachbarländer Tschad, Kamerun und Niger.



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