Boko-Haram-Geiseln "Wir wissen, wo die Mädchen sind"

Seit sechs Wochen sucht Nigeria nach den verschleppten Schülerinnen - nun teilt das Militär mit, den Aufenthaltsort der von Islamisten entführten Mädchen zu kennen. Unternehmen könne man aber vorerst nichts.


Abuja - Die nigerianische Armee hat nach eigenen Angaben Informationen über den Aufenthaltsort der über 200 verschleppten Schülerinnen. "Die gute Nachricht für die Mädchen ist, dass wir wissen, wo sie sind", sagte der Chef der Luftwaffe, Marschall Alex Badeh, am Montag vor Journalisten am Hauptsitz der Verteidigung in der Hauptstadt Abuja. Allerdings könne die Armee nichts über den Ort verraten, der Sucheinsatz sei ein "Militärgeheimnis".

Die Armee werde sie aber nicht gewaltsam befreien, um sie durch einen solchen Einsatz nicht zu gefährden, zitierte die Zeitung "Vanguard" Badeh, der am Montag bei einer Veranstaltung in Abuja sprach.

Das Risiko, dass die Mädchen dabei umkommen, könne die Armee nicht eingehen, so Badeh. Für die Eltern müsse es aber eine gute Nachricht sein, dass die Armee um den Aufenthaltsort wisse, auch wenn sie ihn nicht bekannt geben könne.

Die Mädchen waren im April von der Islamistengruppe Boko Haram verschleppt worden. Einige der fast zweihundert entführten Schülerinnen kamen zwischenzeitlich frei. Zuletzt wurde die Zahl der Verschleppten mit 223 angegeben.

Mitte Mai bekannte sich der Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau in einem Video zu der Entführung. Er sagte, einige der Geiseln seien inzwischen zum Islam konvertiert. Eine Woche zuvor hatte er gedroht, die Mädchen sollten zwangsverheiratet oder versklavt werden. Nach der Veröffentlichung eines Videos mit den entführten Schülerinnen wurden 77 Mädchen identifiziert.

Nigeria erhält bei der Suche nach den Mädchen internationale Unterstützung. Die USA haben Soldaten, Aufklärungsflugzeuge und Drohnen entsendet. Die nigerianische Regierung war wegen ihrer zögerlichen Reaktion auf die Entführung in die Kritik geraten, bekräftigte aber zuletzt ihre Entschlossenheit, die Schülerinnen zu finden.

fab/sun/AFP/dpa

insgesamt 29 Beiträge
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hevopi 27.05.2014
1. Erschütternd,
wenn man sich mal in die Situation der Eltern und der Mädchen versetzt. Wann endlich werden diese Killerhorden unter dem Deckmantel des Glaubens dahin befördert, wo sie hin gehören, in die Hölle.
winki 27.05.2014
2. Unfassbar, nicht nur die Entführung ...
von mehr als 200 Schülerinnen. Auch unfassbar wie lange dise Verbrechertruppe schön ungeschoren agieren konnte. Bei dem Gedanken daran wie viele Menschen durch diese Banditen auf bestialische Weise umgebracht wurden und was den enführten Mädchen angetan wurde, entsteht in mir der Wunsch nach einer weltweit anerkannten Todesstrafe für diese Bestien! Zuvor sollten sie genau so leiden müssen wie ihre Opfer. Ich weiß, das klingt nicht sonderlich human. Ich bin aber so furchtbar wütend auf diese Leute, dass mir dazu nichts anderes einfällt. Dazu noch das grinsende Gesicht auf dem Video ...!
joppop 27.05.2014
3. Eltern
Die eltern wissen das schon 6 wochen!! Die regierung war zu faul (oder korrupt) um ein zu greifen.
Zentrus 27.05.2014
4. dumm
was macht es für einen Sinn, über die Presse der Welt mitzuteilen, dass man jetzt weiß, wo die Mädchen sind ??? Wielange bleiben die wohl jetzt noch dort. Was für eine dumme Äußerung. Entweder, man weiß wo sie sind und holt sie dort raus, oder man kann das aus irgendwelchen Gründen nicht tun, dann wartet man ab, bis man das kann und bewahrt solange Stillschweigen darüber. Wie dumm muss man denn sein.
nurmeinsenf 27.05.2014
5. Das sagt man nicht öffentlich.
Niemand erwartet von dem nigerischen Militär, dieses Problem zu lösen. Das ist so ein Fall, wo man besser schweigt und nicht öffentlich verrät, daß man den Aufenthaltsort kennt. Die einzigen, die das wissen müssen, ist die Einsatzplanung der Navy Seals oder einer anderen, vergleichbaren Spezialeinheit. Die werden sich zu gegebener Zeit darum kümmern. Kompetent.
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