Anschlag in Nigeria Attentäterinnen zünden Bombe nach Rede des Präsidenten

Bei einem Anschlag in Nigeria sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Die Bombe detonierte nach einem Wahlkampfauftritt des Präsidenten Jonathan - der hatte die Veranstaltung nur Minuten zuvor verlassen.

Bombenexplosion in Gombe: Attentat folgte auf Rede des Präsidenten
REUTERS

Bombenexplosion in Gombe: Attentat folgte auf Rede des Präsidenten


Gombe - Knapp zwei Wochen vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Nigeria haben sich zwei Selbstmordattentäterinnen in die Luft gesprengt. Die Bomben detonierten bei einer Wahlveranstaltung von Präsident Goodluck Jonathan in der Stadt Gombe. Erst wenige Minuten zuvor hatte Jonathans Konvoi den Parkplatz verlassen, als dieser von einer heftigen Explosion erschüttert wurde. Das berichteten Augenzeugen der Nachrichtenagentur AFP.

Nach Angaben der Rettungsdienste wurden neben 18 Verletzten auch die Leichen zweier Frauen ins Krankenhaus gebracht. Dabei habe es sich um die Attentäterinnen gehandelt, hieß es. Ärzte bestätigten die Angaben. Wie viele Menschen bei dem Anschlag ums Leben kamen, bleibt unklar: Laut der Zeitung "The Nation" habe es mindestens drei Tote und 18 Verletzte gegeben, andere Berichte nannten bis zu zehn Todesopfer.

Präsident Jonathan hatte sich in Gombe mit Anhängern seiner Regierungspartei PDP getroffen. Bereits am Sonntag waren in der Stadt mindestens fünf Menschen bei zwei Anschlägen getötet worden. Obwohl sich zunächst niemand zu ihnen bekannte, schrieben Behörden die Attentate Boko Haram zu. Die radikale Islamistengruppe führt seit 2009 im armen muslimischen Norden einen blutigen Kampf für einen islamischen Staat. Präsident Jonathan stammt aus dem christlich geprägten reichen Süden.

Lokalreporter berichteten, die Anschläge in Gombe hätten zu heftigen Krawallen geführt. Zahlreiche junge Männer hätten alle Passanten mit PDP-Abzeichen attackiert und bedroht. Sie hätten Jonathans Besuch für die Gewalt verantwortlich gemacht.

Auch die Millionenstadt Maiduguri war in der Nacht zum Sonntag zum wiederholten Male von den Dschihadisten angegriffen worden. Sie lieferten sich stundenlange Gefechte mit der Armee, die von bewaffneten Bürgern unterstützt wurde. Am Abend meldete dann das nigerianische Militär, der Angriff von Boko Haram sei zurückgeschlagen worden. Die Terroristen hätten massive Verluste erlitten, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Bei den Gefechten sollen Hunderte Boko-Haram-Anhänger getötet worden sein. Auch zahlreiche Zivilisten seien ums Leben gekommen, hieß es. Überprüfen ließen sich die Angaben nicht.

Vor einer Woche hatte die nigerianische Armee eine Offensive der Extremisten auf Maiduguri abwehren können. Die Streitkräfte setzten damals neben Bodentruppen ebenfalls die Luftwaffe ein. Laut der Gesellschaft für bedrohte Völker sei zu befürchten, dass die Gruppe bis zu den Wahlen am 14. Februar mit einer spektakulären Einnahme von Maiduguri den Staat Nigeria und dessen politisches System weiter destabilisieren wolle.

vek/dpa/AFP

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