Nigeria Boko-Haram-Kämpfer entführen 185 Frauen und Kinder

Terror in Nigeria: Kämpfer der islamistischen Boko Haram haben in einem Dorf Dutzende Menschen ermordet und mindestens 185 Frauen und Kinder verschleppt.
Bild aus Boko-Haram-Video: Tausende Menschen starben durch den Terror

Bild aus Boko-Haram-Video: Tausende Menschen starben durch den Terror

Foto: AFP/ Boko Haram

Abuja/ Maiduguri - Mutmaßliche Kämpfer der islamistischen Boko-Haram-Miliz haben im Nordosten Nigerias mindestens 185 Frauen und Kinder entführt. 35 Menschen seien bei dem Überfall am Sonntag in der Ortschaft Gumskiri getötet worden, verlautete am Donnerstag aus Sicherheitskreisen. Die abgelegenen Regionen Nigerias sind mit mobiler Kommunikationstechnologie nicht erreichbar. Daher dauert es oft Tage, bis Nachrichten nach außen gelangen. Ein Mitarbeiter eines Wachdienstes gab die Zahl der Entführten mit 191 an.

Eine Bewohnerin des Dorfes berichtete, die Kämpfer hätten die Menschen zusammengetrieben und mehr als 30 erschossen. Die Frauen und Kinder seien anschließend auf offenen Lastwagen weggefahren worden. Sie selbst sei nicht Zeugin der Aktion gewesen, habe aber ihre Familie kurz danach besucht. Ein anderer Dorfbewohner berichtete, die Aufständischen hätten zunächst die jungen Männer aus dem Dorf getötet. "Dann haben sie unsere Frauen und Töchter mitgenommen", sagte der Mann.

Bei einem ähnlichen Überfall im April hatten Milizionäre der Boko Haram mehr als 200 Mädchen aus einer Schule in der benachbarten Ortschaft Chibok an der Grenze zu Kamerun entführt.

Todesstrafe für Soldaten, die nicht gegen Boko Haram kämpfen wollten

Boko Haram, was übersetzt "Westliche Bildung ist Sünde" bedeutet, kämpft im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias für einen islamischen Staat. Bei Angriffen auf Sicherheitskräfte, Behörden, Schulen und Kirchen tötete die Gruppierung seit dem Jahr 2009 mehr als zehntausend Menschen.

Gegen Soldaten, die sich weigerten, gegen die Boko-Haram zu kämpfen hat ein Militärgericht in Nigeria in 54 Fällen die Todesstrafe wegen Meuterei verhängt. Die Soldaten gehörten zu einer Spezialeinheit, der im August aufgetragen worden war, drei Städte im Bundesstaat Borno aus der Gewalt der Terrorgruppe zurückzuerobern. Weil etwa 60 Soldaten daraufhin meuterten, warf die Militärjustiz ihnen Feigheit vor dem Feind vor und klagte sie an.

In der Vergangenheit hatten sich die nigerianischen Streitkräfte wiederholt beschwert, dass ihre Waffen und Ausrüstung für den Kampf gegen die Extremisten nicht ausreiche.

Im Nachbarland Kamerun hat die Armee nach eigenen Angaben mehr als hundert Kämpfer von Boko Haram getötet. Wie das Verteidigungsministerium in Jaunde mitteilte, hatten die Dschihadisten am Mittwoch einen Armeestützpunkt in Amchidé im äußersten Norden Kameruns an der Grenze zu Nigeria angegriffen. Die Soldaten hätten "einen Gegenangriff gestartet. Dabei seien 116 Islamisten und ein Soldat getötet worden. Im Mai und Juli hatten Boko-Haram-Mitglieder in Kamerun Gruppen von Kamerunern und Chinesen entführt. Die 27 Geiseln kamen inzwischen wieder frei.

anr/AFP/Reuters
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