Nigeria Entführter deutscher Ingenieur offenbar getötet

Ein im Norden Nigerias entführter Deutscher soll bei einem fehlgeschlagenen Befreiungsversuch getötet worden sein. Dies verlautete aus nigerianischen Sicherheitskreisen. Der Mann war Ende Januar mutmaßlich von radikalen Islamisten verschleppt worden.

Kano - In Nigeria ist offenbar ein entführter deutscher Ingenieur getötet worden. Er sei von seinen Geiselnehmern in der nordnigerianischen Stadt Kano während eines Militäreinsatzes umgebracht worden, meldeten mehrere Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Vertreter von Nigerias Armee und Polizei am Donnerstag. Militäreinheiten hätten am Morgen das Versteck angegriffen, in dem sich die Geiselnehmer mit dem Deutschen aufgehalten hätten. Als die Entführer erkannt hätten, "dass dies das Ende für sie ist, haben sie die Geisel umgebracht".

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte SPIEGEL ONLINE: "Wir können die Meldungen zu diesem Zeitpunkt nicht bestätigen und bemühen uns über die Botschaft vor Ort intensiv um eine Klärung".

Der für eine Baufirma tätige Deutsche war Ende Januar in einem Vorort von Kano verschleppt worden und befand sich seitdem mutmaßlich in den Händen der Terrororganisation al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQIM). Er war auf einer Baustelle von drei Männern entführt worden. Im Norden Nigerias kommt es immer wieder zu Anschlägen der radikalislamischen Sekte Boko Haram. Dieser werden enge Kontakte zu al-Qaida nachgesagt.

Der Krisenstab im Auswärtigen Amt (AA) sorgte sich vor allem nach dem Erscheinen eines Drohvideos eines al-Qaida-Abelgers im März um den Mann. Auf dem Videoband war der entführte Deutsche mit seinen Peinigern zu sehen. Er machte einen sehr schlechten Eindruck. Spätestens jetzt war im Krisenstab klar, dass sich die Entführung nicht wie bei anderen Fällen in Nigeria leicht lösen lässt.

Verschleppungen von Ausländern gehören in dem Krisenland durchaus zur traurigen Routine der internationalen Diplomaten, meist aber ließen sich die Kidnappings nach einigen Tagen ohne Gewalt beenden. Im Fall des Deutschen allerdings gab das Video viele Rätsel auf. So forderten die Entführer im Namen von al-Qaida, dass die Bundesregierung die Ehefrau eines in Deutschland zu einer hohen Haftstrafe verurteilten Terroristen aus der Haft entlassen solle. Es handelte sich um Filiz Gelowicz, Ehefrau von Fritz Gelowicz, der wegen seiner Beteiligung an den Terrorplanungen in der sogenannten Sauerlandgruppe verurteilt wurde. Sie saß zu diesem Zeitpunkt wegen ihrer Unterstützung der Gruppe eine zweieinhalbjährige Haftstrafe in Deutschland ab. Ihr Fall war zuvor mehrmals in Propganda-Videos von al-Qaida thematisiert worden, da sie angeblich unmenschlichen Haftbedingungen ausgesetzt sei. Sie selber hatte diese Vorwürfe kurz darauf öffentlich dementiert.

Unabhängig von dem Video wurde Filiz Gelowicz wenig später regulär entlassen, da sie bereits einen Großteil der Strafe abgesessen hatte. In Nigeria wurden in Zeitungen Anzeigen geschaltet, die sowohl die Freilassung vermeldeten und die Entführer aufforderten, nun auch den deutschen Ingenieur aus der Geiselhaft zu entlassen.

vme/AFP/dapd/dpa
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