Nigeria Opposition will Buharis Wahlsieg anfechten

Nigerias Präsident Muhammadu Buhari ist laut Wahlkommission mit großem Vorsprung wiedergewählt worden. Die Opposition aber spricht von einer "Scheinwahl", und kündigt eine Klage an.

Wahlhelfer in Nigeria
AFP

Wahlhelfer in Nigeria


Der in Nigerias Präsidentenwahl unterlegene Oppositionskandidat Atiku Abubakar will rechtlich gegen den Sieg von Staatschef Muhammadu Buhari vorgehen.

Er habe "noch nie erlebt, dass unsere Demokratie so derartig entwürdigt" worden sei wie am Tag der Wahl, twitterte Abubakar am Mittwoch. In vielen Bundesstaaten sei es zu vorsätzlichem Fehlverhalten gekommen.

Atiku Abubakar
DPA

Atiku Abubakar

Zudem hätten Soldaten in einigen Landesteilen ihre Waffen auf Bürger gerichtet, die sie eigentlich beschützen sollten. Folglich lehne er das Ergebnis "der Scheinwahl" vom 23. Februar ab und werde es "vor Gericht anfechten". Bei einer freien und fairen Wahl hätte er "binnen Sekunden" dem Sieger gratuliert. Hier aber sei es in vielen der 36 Bundesstaaten zu "offensichtlichen und vorsätzlichem Missbrauch" gekommen.

Die Wahlkommission hatte am frühen Mittwochmorgen Amtsinhaber Buhari mit gut 15 Millionen Stimmen zum Sieger erklärt. Oppositionskandidat Abubakar erhielt demnach nur gut elf Millionen Stimmen. Laut Umfragen war eigentlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet worden.

Wahlbeteiligung von nur 36 Prozent

Die Abstimmung war Mitte Februar nur Stunden vor Öffnung der Wahllokale um eine Woche verschoben worden, was die Wahlkommission damit begründete, dass zum geplanten Zeitpunkt keine frei, glaubwürdige Wahl möglich sei. Am vergangenen Samstag dann waren 84 Millionen registrierte Nigerianer aufgerufen, Staatschef und Parlament neu zu bestimmen.

In den Tagen vor dem Urnengang und am Wahltag selbst kamen bei Unruhen und durch exzessive Gewalt der Sicherheitskräfte Dutzende Menschen ums Leben. Buhari hatte wenige Tage zuvor die Sicherheitskräfte angehalten, sie sollten "rücksichtslos" vorgehen. Wer versuche, die Wahl zu verfälschen, werde getötet, so der Staatschef.

Die kurzfristige Verschiebung um eine Woche hatte für zusätzlichen Unmut gesorgt, weil viele Nigerianer eigens für den ersten Wahltermin in ihre Heimatorte gereist waren. Die Wahlbeteiligung lag, offenbar auch wegen der kurzfristigen Terminänderung, bei nur 36 Prozent.

Nigeria ist mit rund 190 Millionen Menschen das bevölkerungsreichste Land, die größte Volkswirtschaft und auch der wichtigste Ölproduzent Afrikas. Gleichzeitig leben in keinem Land mehr Menschen in extremer Armut. Im Norden führt die Armee zudem seit Jahren einen unerbittlichen Krieg gegen Islamisten. Aus diesen Gründen sehen sich viele Nigerianer gezwungen, ihr Land zu verlassen.

cht/dpa/Reuters

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