Präsidentenwahl in Nigeria Herausforderer Buhari triumphiert deutlich

Der erste demokratische Machtwechsel in Nigeria ist perfekt: Die Wahlkommission hat Herausforderer Muhammadu Buhari zum klaren Sieger erklärt. Amtsinhaber Goodluck Jonathan zeigte Größe in der Niederlage.


Jetzt ist es offiziell: Herausforderer Muhammadu Buhari hat die Präsidentenwahl in Nigeria gewonnen. Laut offiziellem Endergebnis erhielt der 72-Jährige fast 2,6 Millionen Stimmen mehr als Amtsinhaber Goodluck Jonathan. Für Buhari stimmten am vergangenen Wochenende 54, für Jonathan 45 Prozent der Wähler. Damit ist der erste demokratische Machtwechsel in dem Land perfekt.

Zuvor hatte Jonathan bereits seine Niederlage eingeräumt. Er rief seine Anhänger auf, die Ruhe zu bewahren und nicht mit Gewalt auf die Wahlschlappe zu reagieren. "Einheit, Stabilität und Fortschritt sind für Nigeria wichtiger als alles andere", sagte der Verlierer.

"Ich habe dem Land freie und faire Wahlen versprochen", fuhr Jonathan fort. "Ich habe mein Wort gehalten." Bis zum offiziellen Ende seiner Amtszeit werde er alles in seiner Macht Stehende für das Wohl der Nation tun. Ein Sprecher des 72 Jahre alten Wahlsiegers Buhari lobte Jonathan: "Durch diesen Schritt wird er zum Helden. Das wird die Spannungen deutlich abschwächen." Nach den letzten Wahlen 2011 war es zu blutigen Unruhen gekommen.

Die Bevölkerung hatte Jonathan - einem Christen aus dem Süden des Landes - schon lange vorgeworfen, im Kampf gegen die islamistische Terrorgruppe Boko Haram gänzlich versagt zu haben.

Jubel im Norden

Die Extremisten wollen im muslimisch geprägten Norden Nigerias einen Gottesstaat durchsetzen und haben in den vergangenen Jahren bei brutalen Anschlägen über 14.000 Menschen getötet. Vom 72-jährigen Buhari, einem Muslim mit langjähriger Militärerfahrung, versprechen sich viele Bürger nun eine härtere Hand im Umgang mit den Fundamentalisten.

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Endergebnis in Nigeria: Buhari jubelt, Jonathan gratuliert
Von Ende 1983 an hatte Buhari bereits für knapp zwei Jahre als Militärdiktator regiert. Er setzte die Verfassung außer Kraft und beschnitt Freiheitsrechte. Seine Regierung konnte die damals bestehenden wirtschaftlichen Probleme jedoch nicht lösen und wurde ihrerseits weggeputscht. Nigeria ist der größte Ölexporteur des Kontinents und auch die größte Volkswirtschaft. Die Mehrheit der Nigerianer lebt jedoch immer noch in großer Armut.

In vielen Städten vor allem im Norden brach spontaner Jubel aus, als das Wahlergebnis bekannt wurde. In der ethnisch und religiös gespaltenen Millionenmetropole Kaduna strömten Hunderte Menschen tanzend und singend auf die Straßen. "Wir danken Gott!", riefen sie in Sprechchören.

syd/dpa/Reuters/AFP

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gunpot 01.04.2015
1. was soll denn diese
Überschrift "der erste demokratische Machtwechsel ist perfekt"? Weiss denn SPON nicht, dass in diesem Land schon mehrere demokratische Machtwechsel stattgefunden haben. So z.B. der vorherige von Obasanjo auf Goodluck Jonathan.
eisfuchs 01.04.2015
2.
Die haben da einen erfolglosen Militärdiktator gewählt? Ernsthaft? Mein größter Respekt gilt Goodluck Jonathan: wenn der nach einer Wahl widerstandslos und sogar zu Frieden in der Bevölkerung aufrufend abtritt ist das geradezu eine Errungenschaft für Nigeria. Ich hoffe das Vorbild macht Schule.
hevopi 01.04.2015
3. Nigeria
wird sich leider nicht im Interesse der Menschen entwickeln, dazu sind die mafiösen Strukturen zu gefestigt. Wenn Jonathan jetzt noch gelobt wird, weil er sogar den Wahlausgang akzeptiert, kann das doch nur ein Witz sein. Ich hoffe, dass Buhari wirklich ein rechtschaffender Mann ist, diese Strukturen auflöst, den Menschen hilft und endlich Nigeria wieder ein ernstzunehmendes Land in der Weltgemeinschaft wird.
vonhier 01.04.2015
4. Antidemorkrat
Der Demokrat ist abgewählt worden, jetzt kommt der (Ex-) Diktator an die Macht, der schon mal eine demokratische Regierung gestürzt hatte. Nigeria ist seine Antidemokraten noch nicht los.
alohas 01.04.2015
5.
Zitat von hevopiwird sich leider nicht im Interesse der Menschen entwickeln, dazu sind die mafiösen Strukturen zu gefestigt. Wenn Jonathan jetzt noch gelobt wird, weil er sogar den Wahlausgang akzeptiert, kann das doch nur ein Witz sein. Ich hoffe, dass Buhari wirklich ein rechtschaffender Mann ist, diese Strukturen auflöst, den Menschen hilft und endlich Nigeria wieder ein ernstzunehmendes Land in der Weltgemeinschaft wird.
Dass ein alter Diktator "rechtschaffend" ist und "den Menschen hilft", wage ich nicht wirklich zu hoffen. Jonathan hat immerhin stets faire Wahlen abhalten lassen, auch schon im Jahre 2011. Dass abgewählte Präsidenten gerade in Afrika den Wahlausgang akzeptieren, ist leider nicht selbstverständlich.
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