Fahrzeuge als Terrorwaffe Mit Pick-ups und Bulldozern gegen die "Kreuzritter"

Todeswaffe Lkw: Die Anführer islamistischer Terrorgruppen rufen seit Jahren zu Anschlägen mit Fahrzeugen auf. Noch nie gab es bei einer solchen Attacke so viele Opfer wie in Nizza.

Anschlag mit einem Bulldozer in Jerusalem (2014)
DPA

Anschlag mit einem Bulldozer in Jerusalem (2014)


Über die Motive des Mannes, der am französischen Nationalfeiertag in Nizza mit einem Lkw in eine Menschenmenge raste, ist noch nichts bekannt. Mehr als 80 Menschen tötete er dadurch. Fest steht nur: Derartige Anschläge sind von Sicherheitskräften nur schwer zu verhindern, schließlich sind Fahrzeuge im öffentlichen Alltagsleben allgegenwärtig.

Anführer von islamistischen Terrorgruppen rufen ihre Anhänger bereits seit Jahren zu Anschlägen auf die "Kreuzritter" mit Lastwagen, Autos oder auch Bulldozern auf. Im Jahre 2010 gab die Organisation "Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel" in ihrem englischen Propagandamagazin sogar eine Anleitung für Attentate mit Pick-up-Trucks. Die Fahrzeuge sollten vorne im unteren Bereich mit scharfen Klingen oder dicken Blechen aus Stahl versehen sein. Weiter heißt es zynisch: "Die Idee ist es, einen Pick-up zu verwenden - aber nicht um Gras zu mähen, sondern die Feinde Allahs."

Im September 2014 forderte auch Abu Mohammed al-Adnani, ein Sprecher des "Islamischen Staats" (IS) zu ähnlichen Anschlägen auf. Wenn es nicht möglich sei, Sprengstoff oder Kugeln zu finden gegen Amerikaner, Franzosen oder ihre Verbündeten, gebe es andere effektive Möglichkeiten. "Zerschmettert seinen Kopf mit einem Stein, schlachtet ihn mit einem Messer, überfahrt ihn mit einem Auto, werft ihn von einem hohen Platz nach unten, erstickt oder vergiftet ihn."

Fotostrecke

20  Bilder
Nizza: Attacke am Nationalfeiertag

In Israel fürchten die dortigen Sicherheitskräfte solche Do-it-yourself-Terroristen schon lange. Im Februar 2001 steuerte ein palästinensischer Busfahrer sein Fahrzeug vorsätzlich in eine Bushaltestelle und tötete dabei acht Israelis.

Seit 2008 haben arabische Attentäter in Israel mehrfach Passanten mit Autos und Bulldozern überrollt. Die Hamas hatte wiederholt dazu aufgerufen. "Hast du keine Autos, Motorräder, Messer, Keulen, Bagger und Lastwagen? Wenn du das hast, und damit nicht Juden oder Siedler angreifst und Dutzende Zionisten tötest - dann bist du kein Palästinenser", sagte Fausi Barhum, ranghoher Funktionär der palästinensischen Islamisten.

Wenige Tage später kletterte ein Attentäter im Norden von Jerusalem in einen Bagger und fuhr los. Er kam zwar nur 50 Meter weit. Doch er tötete auf seinem Weg einen Fußgänger, stieß einen Bus um und verletzte fünf Personen. Ein Justizvollzugsbeamter, der zufällig in der Nähe war, feuerte schließlich mehrfach auf den Angreifer und verletzte ihn tödlich.

In Jerusalem hatte es 2009 bereits zwei ähnliche Vorfälle gegeben. Damals waren Palästinenser mit Bulldozern absichtlich in andere Fahrzeuge gerast - unter anderem in einen Linienbus. Drei Menschen wurden dabei getötet. Im Oktober vergangenen Jahres versuchte ein Mann, mit einem Bagger in einen Militärstützpunkt nördlich von Jerusalem zu rasen. Er wurde von Wachen erschossen.

Video: Der Anschlag in Nizza

REUTERS

als

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.