Lkw-Attentäter IS beansprucht Anschlag von Nizza für sich 

Der "Islamische Staat" hat offenbar nichts vom Anschlag in Nizza gewusst, lobt ihn aber im Nachhinein. Unterdessen nahm die Polizei mehrere Männer aus dem Umfeld des Attentäters fest.


Der "Islamische Staat" (IS) hat sich zu dem Anschlag in Nizza geäußert. Der Attentäter sei ein Soldat des IS gewesen, meldete die sogenannte Nachrichtenagentur der Dschihadisten, Amaq, am Samstag. Er sei dem Aufruf gefolgt, Bürger der Staaten zu töten, die gegen die Organisation Krieg führen.

Die kurze Mitteilung enthält keinerlei Täterwissen und keinen Hinweis darauf, dass der IS vorab in die Pläne des Attentäters von Nizza eingeweiht war.

Die französische Polizei hat unterdessen mehrere Männer aus dem Umfeld des Attentäters Mohamed Lahouaiej Bouhlel festgenommen. Die Angaben der Nachrichtenagenturen schwankten zwischen drei und fünf Festgenommenen. Um wen es sich bei den Männern handelt und in welchem Verhältnis sie zu Bouhlel stehen, ist bislang unklar.

Die am Freitag festgenommene Ex-Frau des 31-jährigen Tunesiers, der am Donnerstag in der südfranzösischen Stadt mit einem Laster in eine feiernde Menschenmenge gerast war, befinde sich noch immer in Polizeigewahrsam und werde weiterhin verhört.

Derweil kommen immer mehr Informationen zu den Lebensumständen von Bouhlel an die Öffentlichkeit. Nach Angaben seiner Familie soll er schon vor der Bluttat gewalttätig gewesen sein. "Er schlug seine Frau, also meine Cousine, er war ein Mistkerl", berichtete ein Familienmitglied der Online-Ausgabe der britischen Zeitung "Daily Mail". "Er trank Alkohol, er aß Schweinefleisch, und er nahm Drogen." Bouhlel sei kein praktizierender Muslim gewesen und hätte nie die Moschee besucht.

Keine Beweise für Verbindung zum radikalen Islam

Bereits zuvor hatte der Vater berichtet, dass sein Sohn früher wegen psychischer Probleme ärztlich behandelt worden sei. Premierminister Manuel Valls zeigte sich am Freitag überzeugt, dass der Tunesier ein organisierter Islamist war, auch wenn die Ermittlungen dies noch nicht bestätigt hätten. "Das ist ein Terrorist, der ohne Zweifel auf die eine oder andere Weise mit dem radikalen Islamismus verbunden war", sagte Valls dem Sender France 2.

Innenminister Bernard Cazeneuve verneinte dagegen im Fernsehsender TF1 die Frage, ob man Bouhlel Verbindungen zum radikalen Islam nachweisen könne. "Wir haben hier ein Individuum, das den Geheimdiensten nicht für Aktivitäten in Verbindung mit dem radikalen Islamismus bekannt war", sagte Cazeneuve. Auch Präsident François Hollande hatte relativ schnell von einem Terrorakt gesprochen - eine Festlegung, die durchaus kritisch gesehen wird.

Hollande ist unterdessen mit seinem Sicherheitskabinett zu Beratungen zusammengekommen. An der Sitzung nahmen dem Vernehmen nach Valls und Cazeneuve sowie Justizminister Jean-Jacques Urvoas, Außenminister Jean-Marc Ayrault, Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian und Generalstabschef Pierre de Villiers teil.

In Frankreich gilt seit Samstag eine dreitägige Staatstrauer. Für Montagmittag ist eine landesweite Schweigeminute geplant.

Video: Der Anschlag in Nizza

hpi/dpa/AFP/Reuters



insgesamt 51 Beiträge
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rainer60 16.07.2016
1. bekennen
is bekennt sich zu allem. hauptsache es löst große ängste aus. warum kann es nicht ein idiotischer Einzeltäter gewesen sein ? jeder kann sich einen lkw mieten ( in den USA waffen kaufen) und ein solches Attentat begehen. ich habe in diversen Zeitungen gelesen das der Täter eigentlich in kein täterprofil passt. auch wäre die Reaktion des is's ist nicht so wie bei anderen attentaten (video über soziale medien usw.). unsere Politiker sind immer schnell bei der hand um solche untaten dem is zuzuschreiben.
vaikl 16.07.2016
2. Doller Titel, lieber SPON
Jeder Islamhasser wird sich auf diesen Titelsatz stürzen und ohne den Artikel gelesen zu haben, im Netz verbreiten. Auch n-tv springt gerade auf diesen Zug auf. Es gibt weiterhin keinerlei Verbindung des Täters zum Islamismus und die "Beanspruchung" von allen möglichen Gewalttaten weltweit gehört zum täglichen Geschäft des IS. Wer als Medienvertreter mit billigem, flaschen Angstschüren vor islamistischem Terror sein Geld verdienen will, befindet sich nicht mehr auf dem Boden unseres Grundgesetzes.
Sackaboner 16.07.2016
3. bekennen
---Zitat--- 1. bekennen rainer60 heute, 11:10 Uhr is bekennt sich zu allem. unsere Politiker sind immer schnell bei der hand um solche untaten dem is zuzuschreiben. ---Zitatende--- Der arme IS aber auch. Eigentlich ein Verein friedlicher religiöser Menschen, die von den Rechtsradikalen laufend diffamiert werden.
Hexaemeron 16.07.2016
4. Trittbrettbekenntnis?
Sehe ich auch so. Wenn ich IS wäre würde ich alles bekennen, was wie eine IS-Tat aussieht. Warum sollte sich der IS nicht mit fremden Federn schmücken, wenn sie so billig sind? Egal, ob das nun ein ursprüngliches IS-Verbrechen ist oder nicht, das Bekenntnis zeigt, wen und was diese Leute verehren. Allah wohl nicht, da liegt auf deren Seite anscheinend eine Verwechslung vor. Derartige Taten werden in den großen monotheistischen Religionen gewöhnlich mit einer anderen Wesenheit in Verbindung gebracht.
Kezman9 16.07.2016
5. IS bekennt sich?
Nach dem Motto "wenn andere nicht wollen, dann nehmen wir es halt." Kann man nicht die Ermittlungen abwarten? Muss unbedingt ein islamistischer Hintergrund sein, wenn es ein Tunesier oder sonst was ist? Kann er nicht einfach aus Idiotie oder Verzweiflung gehandelt haben? Oder macht es den Tot grausamer, wenn der Attentäter Verbindung zu Islamisten hatte?
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