Nizza-Attentäter Bouhlel Eigenbrötler, Vater, vorbestraft

Ein stiller Einzelgänger, gewalttätig, Familienvater: Über Mohamed Lahouaiej Bouhlel, den Attentäter von Nizza, werden Details bekannt. Auf eine politische oder religiöse Radikalisierung deutet wenig hin.

AFP

Wer ist der Mann, den niemand als möglichen Attentäter vermutet hätte - nicht die Geheimdienste, nicht die Nachbarn? Der trotzdem in Nizza mindestens 84 Menschen ermordet hat?

Klar ist bislang, dass Mohamed Lahouaiej Bouhlel 1985 geboren ist und tunesische Wurzeln hat. Die Polizei identifizierte ihn aufgrund persönlicher Papiere, die sie in dem Lastwagen fand, den er zum Tatwerkzeug machte. Den Ermittlungen zufolge handelte er allein, auch die Fingerabdrücke in dem Fahrzeug wurden ihm zugeordnet.

Der Mann soll im Nordosten von Nizza in einer Wohnung gelebt haben, berichtet die Zeitung "Nice-Matin". Die Staatsanwaltschaft ließ das Apartment am Freitagmorgen durchsuchen. Im Internet kursieren Bilder des Klingelschilds und aus dem Flur der Wohnung, an dessen Ende ein Computer zu sehen ist. Ob es sich tatsächlich um die Wohnung des Attentäters handelt, ist nicht zweifelsfrei belegt. Bouhlel war verheiratet und soll einen dreijährigen Sohn gehabt haben. Der BBC zufolge war er dreifacher Vater.

Ermittler in der angeblichen Wohnung des Täters
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Ermittler in der angeblichen Wohnung des Täters

Nachbarn beschrieben ihn laut der Nachrichtenagentur AFP als stillen Einzelgänger. Er habe nie gegrüßt, wenn man sich im Treppenhaus über den Weg gelaufen sei. Ein Nachbar sagte, der 31-Jährige sei nicht offensiv religiös aufgetreten und habe häufiger kurze Hosen getragen. Eine Mieterin beschrieb Bouhlel als "gut aussehenden Mann", aber es habe sie geärgert, dass er ihre Töchter "zu sehr angestarrt" habe.

Der Polizei war er bereits bekannt. So soll wegen Eigentums- und Gewaltdelikten gegen ihn ermittelt worden sein. Erst im März stand er demnach wegen Körperverletzung vor Gericht und war wegen Waffengewalt zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Dabei ging es nach Angaben der französischen Behörden um einen Streit nach einem Verkehrsunfall, bei dem der Mann eine Holzpalette auf seinen Kontrahenten geworfen habe. Die Geheimdienste hingegen hatten ihn nicht registriert; dort sei er nicht als politisch radikalisiert eingestuft worden. Auf Twitter finden sich Berichte, nach denen der Täter angeblich "Allahu akbar" (Allah ist groß) gerufen haben soll. Dafür gibt es aber keine Bestätigung.

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Nizza: Attacke am Nationalfeiertag

Der französische Präsident François Hollande hatte relativ schnell von einem "Terrorakt" gesprochen - doch bislang bekennt sich noch keine Organisation. Die Informationen zum Täter sind nicht eindeutig.

Tunesischen Sicherheitsbehörden zufolge stammte Bouhlel aus dem tunesischen Dorf Msaken, das er zuletzt vor vier Jahren besuchte. Auch dort war er den Sicherheitsbehörden nicht als radikalisiert bekannt. Die Regierung veröffentlichte ein Statement, in dem sie die Tat scharf verurteilte und ihre Solidarität mit Frankreich bekundete.

Den Lastwagen - einen weißen 19-Tonner - mietete er wenige Tage vor dem Anschlag in Saint-Laurent-du-Var, wie die Ermittler am Freitagnachmittag bestätigten. Bouhlel selbst soll als Lieferfahrer gearbeitet haben.

Die Polizei fahndet derzeit nach möglichen Komplizen oder Hintermännern. Seine Ex-Ehefrau befindet sich für Verhöre in Polizeigewahrsam. Die Behörden betonen aber, dass gegen sie nicht ermittelt werde.

Video: Der Anschlag in Nizza

vks/AFP



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Seite 1
joes.world 15.07.2016
1. Als hätte dieser Anschlag nicht schon genug Leid gebracht!
Wieso kündigte Hollande schon an, nun aktiver in Syrien und Irak vorzugehen? Der Attentäter war Tunesier, mit französischer Arbeitserlaubnis. Hollande zeigt nur seine Hilflosigkeit dem Thema gegenüber, wenn er nun neue Schauplätze eröffnet, wo am Ende nur wieder Kinder getötet werden. Diesmal nur nicht europäische Kinder, sondern arabische. Und zwar von Franzosen. Im Irak und Syrien wird schon gegen den IS gekämpft. Von den Kurden durchaus erfolgreich, der Irakischen Armee, u. a. Und mit moderatem, zielgerichteten Bombardement der Alliierten auch oft sinnvoll aus der Luft unterstützt. Gleichzeitig werden absichtlich Unschuldige getötet: von Assads Luftwaffe; früher öfters und seit einiger Zeit, Gott sei Dank, seltener von den Russen und manchmal leider auch von den Alliierten. Da braucht es nicht noch einen wütenden französischen Präsidenten, der zusätzlich dort bomben will, wo schon jetzt alle sinnvollen Ziele unter Feuer genommen werden. Sich gar keine militärischen Ziele mehr auftun, die nicht sofort unter Beschuss genommen werden. Hollande blieben deshalb nur mehr zivile Ziele, wenn er seinen Worten Taten folgen lässt. Um seiner Wut freien Lauf zu lassen. Den Tot Unschuldiger sühnt man aber nicht mit der Ermordung anderer Unschuldiger.
TomDietl 15.07.2016
2. Egal!
Wen interessiert schon dieser Typ? So zu tun als müssen man in der Biografie oder Psyche dieser Dreckskerle, die keinen Deut besser sind als Nazis, nach Motiven und Ursachen lösen ist völlig falsch. Sein Namensvetter Mohamed Atta war frisch gebackener Akademiker, die Killer von Dakha Mittel-Klasse-Söhnchen, andere sind Loser. Die die immer auf den sozialen Umständen herumreiten wollen nur vom Islam ablenken. Wenn der Koran voller Hass auf Ungläubige steckt, und die islamische Welt sich nicht explizit davon lossagt, was etwas völlig anderes ist als das mürrische "Distanzieren" einen Herrn Mazyek, dann, kann das ewig so weiter gehen.
wieissesdennnurmoeglich 15.07.2016
3. Seltsam
Irgendwie kommt mir dieser Anschlag seltsam vor. Zunaechst war der LKW ganz langsam, stand fast. Erst als die Polizisten auf ihn feuerten, trat der Fahrer das Gaspedal durch und maehte danach die Leute um. Nach dem Ablauf könnte es auch ein Panikanschlag des Taeters gewesen sein. Auch IS über nimmt keine Verantwortung. Eigenartig das Ganze
tagesgast_01 15.07.2016
4. von ihren Müttern
Zucker in den Ars*** geblasen bekommen und nun müssen Sie Pakete an Frauen austragen oder LKW's liefern. Sehen Frauen in kurzen Hosen und drehen am Rad. Psychopathen sind das und leider unberechenbar. Leider gibts immer noch die Mütter, die der Meinung sind, dass die Söhne ja wesentlich wertvoller sind, als die Töchter und kleine unberechenbare Machos mit übergroßem Selbstbewußtsein heranzüchten. Auf Twitter klatschen solchen Typen gerade massenweise Beifall zu dieser Schandtat.
pragmat 15.07.2016
5. Es ist zum Kotzen
Wieder einmal wird das Versagen einer Gesellschaft von den Regierenden auf äußere Krafte geschoben. Wenn ein französischer Verrückter mit einem LKW Menschen umbringt, hat das nichts mit der Gesellschaft zu tun - heißt es -, in der er tätig war. Nein, es ist natürlich ein islamistischer terroristischer Anschlag von Leuten aus einem fernen Land. So verniedlicht man wie Präsident Hollande die grotesken Auswüchse einer Gesellschaft, wo so etwas möglich ist. Ach ja, der Täter war ja kein echter Franzose sondern ehemaliger Tunesier. Das erklärt doch alles, nicht wahr?
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