Reaktionen "Eine Ehre für alle 500 Millionen EU-Bürger"

"Eine großartige Entscheidung", "Absage an Nationalismus": Deutsche Politiker reagieren begeistert auf die Verleihung des Friedensnobelpreises an die Europäische Union. Kommissionschef Barroso sagte, die Auszeichnung gelte allen EU-Bürgern. Doch es gibt auch Kritik.
Friedensnobelpreis für die EU: "Eine große Ermutigung" für die Europäer

Friedensnobelpreis für die EU: "Eine große Ermutigung" für die Europäer

Foto: Ian Waldie/ Getty Images

Brüssel - Es ist eine symbolträchtige Entscheidung des Komitees in Oslo: Der Friedensnobelpreis 2012 geht an die Europäische Union (EU). In ersten Reaktionen äußerten sich zahlreiche Politiker hocherfreut. Der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, hat den EU-Preis als große Ehre bezeichnet. Sie gelte "der ganzen EU, allen 500 Millionen Bürgern", schrieb Barroso kurz nach Bekanntgabe in einer Twitter-Nachricht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte die Vergabe am Mittag eine "wunderbare Entscheidung". Das Nobelpreiskomitee würdige damit die Idee der europäischen Einigung, sagte Merkel in Berlin. "Das ist Ansporn und Verpflichtung zugleich - auch für mich ganz persönlich", so die Kanzlerin.

Über den Kurzmitteilungsdienst Twitter erklärte der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, er sei "tief bewegt" und "geehrt". "Das kann als Inspiration dienen", so der deutsche SPD-Politiker. "Die EU ist ein einzigartiges Projekt, das Krieg durch Frieden, Hass durch Solidarität ersetzte", schrieb Schulz in seiner Nachricht weiter.

Außenminister Guido Westerwelle kommentierte die Preisverleihung während einer Auslandsreise in China: "Das ist eine großartige Entscheidung, die mich stolz und glücklich macht. Die europäische Integration ist das erfolgreichste Friedensprojekt der Geschichte", erklärte der Politiker. "Aus den Trümmern von zwei schrecklichen Weltkriegen sind Frieden und Freiheit gewachsen, aus Erbfeinden sind gute Freunde und untrennbare Partner geworden", so Westerwelle weiter.

Lob für die Auszeichnung kam auch vom deutschen Altkanzler Gerhard Schröder (SPD). Der Preis sei "eine große Ermutigung" für die Europäer. "Für das Zusammenwachsen Europas kommt sie zum richtigen Zeitpunkt und stärkt die Kräfte, die sich für eine weitere Integration der Europäischen Union einsetzen", sagte Schröder. Gleichzeitig sei die Entscheidung "eine deutliche Absage an Nationalismus und Kleinstaaterei."

International stieß die Auszeichnung teils auf große Zustimmung. Frankreichs Präsident François Hollande sieht den Friedensnobelpreis für die EU als Ehre und Ansporn. "Diese Auszeichnung verpflichtet uns alle, den Weg zu einem Europa fortzusetzen, das noch vereinter, noch gerechter, noch stärker und noch friedensstiftender ist", kommentierte er am Freitag. Der Nobelpreis übertrage der Politik damit eine noch größere Verantwortung.

Auch EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy zeigte sich begeistert und bezeichnete die Verleihung als "unglaubliche Ehre" bezeichnet. Der Gipfelchef schrieb, es sei die "größtmögliche Anerkennung der tiefen politischen Motive, die hinter der Union stehen".

Mit Blick auf van Rompuy ätzte dagegen der niederländische Euro-Skeptiker Geert Wilders: "Der Preis kommt zu einer Zeit, als Europa zusammenbricht. Was kommt als nächstes? Ein Oscar für van Rompuy?"

Der britische Europa-Gegner Nigel Farage wurde ähnlich deutlich: "Es ist eine absolute Schande. Ich denke, das ruiniert den Ruf des Nobelpreises."

Kritik kam auch von der russischen Menschenrechtlerin Swetlana Gannuschkina. Sie bezeichnete die Verleihung des Preises an eine solch staatliche bürokratische Struktur wie die EU als "lächerlich". "Seit Jahren verhalten sich die Behörden der EU und deren internationale Strukturen ziemlich gleichgültig gegenüber Problemen von Frieden, Demokratie und Menschenrechten", sagte die Mitbegründerin des Memorial-Zentrums.

jok/dpa/dapd
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