Nordafghanistan US-Truppen töten Aufständische in Kunduz

US-Truppen waren erneut im Operationsgebiet der Bundeswehr bei Kunduz aktiv: In der Nacht kamen sie unter Feuer und töteten mehrere Taliban-Kämpfer, darunter eine Frau.

US-Armee im Einsatz: Jagd auf ausländische Kämpfer
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US-Armee im Einsatz: Jagd auf ausländische Kämpfer

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Berlin/Kabul - In der Nacht zum Freitag lieferten sich die US-Truppen, die von afghanischen Spezialkräften begleitet wurden, bei Kunduz ein heftiges Feuergefecht mit Taliban-Kämpfern. Die Einheit war auf dem Weg zu einem Gehöft in der Nähe von Kunduz, als sie angegriffen wurde und das Feuer erwiderte.

Dabei wurden nach Angaben der internationalen Schutztruppe Isaf mehrere Taliban getötet. Unter den Toten war auch eine Frau, die nach Armeeangaben mit einem Gewehr auf die Soldaten gefeuert hatte und in einem Rucksack reichlich Munition mit sich trug.

Auch mehrere US-Soldaten und ein afghanischer Zivilist wurden bei dem Schusswechsel verletzt, die Amerikaner werden zurzeit im Bundeswehrlager in Kunduz medizinisch versorgt.

Die Deutschen waren von der US-Operation vorher informiert worden, nahmen aber an dem Zugriff nicht teil. Erst als es zu dem Feuergefecht und den Verletzten auf US-Seite kam, unterstützten die Deutschen mit Sanitätern. In die Kampfhandlungen wurden die Deutschen nicht verwickelt.

Ziel der US-Operation war eine Zelle der Islamischen Bewegung Usbekistans (IBU), teilte die Isaf mit. Die Gruppe aus dem Nachbarland Afghanistans operiert nach Erkenntnissen der Geheimdienste seit längerer Zeit verstärkt im Raum Kunduz, eine Gruppe von usbekischen Sprengstoffexperten hält sich demnach im Einsatzgebiet der Bundeswehr auf und bereitet dem Bundesnachrichtendienst (BND) ernste Sorgen.

Hinweise auf 60 ausländische Kämpfer

Dem deutschen Dienst liegen Hinweise auf rund 60 ausländische Kämpfer vor, die sich in der Nähe von Kunduz aufhalten sollen. Anwohner berichten seit längerem von Arabern, die in den paschtunischen Dörfern Schutz rund um Kunduz finden. Der BND bekam auch Hinweise auf mehrere usbekische Kämpfer. Diese könnten, so die Befürchtung, auch Anschläge auf deutsche Truppen vorbereiten oder unterstützen.

Bei dem Zugriff jetzt wurde nach Isaf-Anfgaben ein Militanter festgenommen, Details über den Mann wollte die US-Armee nicht nennen. In dem Gehöft in Chahar Darreh, einer Hochburg der Aufständischen, fanden die US-Soldaten zudem ein ganzes Waffenlager - darunter mehrere Panzerfäuste, sieben Sturmgewehre, Granaten und reichlich Munition. Alle Waffen wurden nach Ende der Operation vor Ort vernichtet.

Der Distriktchef von Chahar Darreh, Abdul Wahed Omarkhel, bestätigte die Operation der Amerikaner. Demnach sei es zu heftigen Gefechten gekommen, die über drei Stunden andauerten. Omarkhel sagte SPIEGEL ONLINE, bei dem Gehöft habe es sich um ein Versteck der Taliban gehandelt, bei dem Zugriff seien ein Kommandeur der Aufständischen und fünf seiner Kämpfer getötet worden. Der Besitzer des Hauses habe Verbindungen zu den Taliban und sei ebenfalls getötet worden, so Omarkhel.

Es ist nicht das erste Mal, dass US-Einheiten im Einsatzgebiet der Bundeswehr auf Terroristenjagd gehen. Mindestens viermal waren US-Kräfte in den vergangenen Monaten im Norden aktiv, mehrmals auch die Delta-Forces, eine der geheimsten Einheiten der US-Armee, die nicht unter dem Mandat der Schutztruppe Isaf eingesetzt sind.

Mehrere US-Zugriffe in den letzten Monaten

Ziel der US-Einheiten sind stets ausländische Kämpfer, die in den Bereich Kunduz eindringen. Zweimal nahmen US-Soldaten bereits im April Terrorverdächtige fest, darunter auch zwei Usbeken. Im Juni wurde eine Zielperson nach einem gescheiterten Zugriffsversuch von einer Rakete getötet. Auch bei diesem Zugriff soll das Ziel die Islamische Bewegung Usbekistans gewesen sein.

Die immer häufigeren Operationen der US-Armee zeigen, wie gefährlich der Raum Kunduz mittlerweile geworden ist. Im Hauptquartier der Isaf ist man seit Monaten über den Zufluss von Taliban-Kämpfern und ausländischen Dschihadisten besorgt. Erklärtes Ziel der Aufständischen ist die neue Versorgungsroute der Nato, die durch den Raum Kunduz führt. Auch die Bundeswehr gerät in Kunduz immer wieder ins Visier der Taliban.

In den vergangenen Monaten wurden besonders aus dem Umfeld der usbekischen Terrorgruppen mehrere Propagandavideos veröffentlicht, in denen die Bundeswehr-Mission in Afghanistan verurteilt wird - daher rechnet der BND auch mit Anschlägen gegen deutsche Soldaten. Da in den Videos immer wieder der Termin der Bundestagswahl im September genannt wird, muss sich die Bundeswehr auf gezielte Anschläge der Terroristen einstellen.



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