SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

19. Dezember 2015, 23:44 Uhr

Streit mit Bagdad

Türkei kündigt Truppenabzug aus Nordirak an

Bislang behauptete die Türkei, die Stationierung von Truppen im Nordirak sei mit Bagdad abgesprochen. Jetzt werden die Soldaten abgezogen - und erstmals spricht Ankara auch von "Fehlkommunikation".

Anfang Dezember stationierte die Türkei 150 Soldaten und 25 Panzer im Nordirak. Bagdad zeigte sich erbost und forderte Ankara auf, die Truppen umgehend abzuziehen. Eine erste Frist verstrich, erst acht Tage später reagierte die türkische Regierung und verlegte einen Teil der Soldaten wieder. Nun hat das Außenministerium den Abzug der verbliebenen Truppen angekündigt.

Damit will Ankara demnach die Spannungen mit der Regierung des Nachbarlandes entschärfen. In der Stellungnahme ist unter anderem die Rede von Rücksichtnahme auf "irakische Bedenken" und einer Stärkung des Kampfes gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Erstmals räumte die Türkei auch "Fehlkommunikation" mit Bagdad eingeräumt.

Am Freitag hatte US-Präsident Barack Obama die Türkei in einem Telefonat mit Staatschef Recep Tayyip Erdogan aufgefordert, ihre Truppen aus dem Irak abzuziehen sowie die staatliche Souveränität und territoriale Integrität des Nachbarlandes zu akzeptieren, um die Lage im Irak zu deeskalieren. Davon erhofft sich Washington mehr Durchschlagskraft im Kampf gegen den IS.

Die türkischen Truppen sollten sunnitische Kämpfer und kurdische Peschmerga für Gefechte mit den Dschihadisten ausbilden. Während die Türkei geltend machte, die Entsendung sei mit Bagdad vereinbart, wertete der Irak die Truppenverlegung als Rechtsbruch und legte Beschwerde bei den Vereinten Nationen ein.

brk/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung