Streit mit Bagdad Türkei kündigt Truppenabzug aus Nordirak an

Bislang behauptete die Türkei, die Stationierung von Truppen im Nordirak sei mit Bagdad abgesprochen. Jetzt werden die Soldaten abgezogen - und erstmals spricht Ankara auch von "Fehlkommunikation".

Kurdische Peschmerga im Irak: Türkei wollte Kämpfer ausbilden
AP

Kurdische Peschmerga im Irak: Türkei wollte Kämpfer ausbilden


Anfang Dezember stationierte die Türkei 150 Soldaten und 25 Panzer im Nordirak. Bagdad zeigte sich erbost und forderte Ankara auf, die Truppen umgehend abzuziehen. Eine erste Frist verstrich, erst acht Tage später reagierte die türkische Regierung und verlegte einen Teil der Soldaten wieder. Nun hat das Außenministerium den Abzug der verbliebenen Truppen angekündigt.

Damit will Ankara demnach die Spannungen mit der Regierung des Nachbarlandes entschärfen. In der Stellungnahme ist unter anderem die Rede von Rücksichtnahme auf "irakische Bedenken" und einer Stärkung des Kampfes gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Erstmals räumte die Türkei auch "Fehlkommunikation" mit Bagdad eingeräumt.

Am Freitag hatte US-Präsident Barack Obama die Türkei in einem Telefonat mit Staatschef Recep Tayyip Erdogan aufgefordert, ihre Truppen aus dem Irak abzuziehen sowie die staatliche Souveränität und territoriale Integrität des Nachbarlandes zu akzeptieren, um die Lage im Irak zu deeskalieren. Davon erhofft sich Washington mehr Durchschlagskraft im Kampf gegen den IS.

Die türkischen Truppen sollten sunnitische Kämpfer und kurdische Peschmerga für Gefechte mit den Dschihadisten ausbilden. Während die Türkei geltend machte, die Entsendung sei mit Bagdad vereinbart, wertete der Irak die Truppenverlegung als Rechtsbruch und legte Beschwerde bei den Vereinten Nationen ein.

brk/dpa

insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
blackeagle82 20.12.2015
1. Sehr lustig
Obama hätte in einem Telefongespräch gesagt man müsse Respekt gegenüber dem staatlichen Souveränität und terroritalem Integrität zeigen !!!! Waren es nicht eigentlich die USA mit den Neocons wie ein Elefant der in den Porzellanladen stürmt den Irak völkerrechtswidrig mit paar ihren Satellitenstaaten besetzt hatte ???? Seit 12 Jahren gibt es dort die Anarchie und geisteskranke Barbaren toben in der Gegend schlachten alles ab was sie finden.... Würde die Irak nicht angegriffen und die Baath-Partei aufgelöst gewesen gebe es auch kein IS !!!! Hoffentlich wird mein Kommentar veröffentlicht.... Danke
thinking_about 20.12.2015
2. Es ist eine
Schande mit welcher Willkür die türkische Regierung vorgeht, auch im Südosten der Türkei, und wir schauen einfach fast kritiklos zu, weil sie uns zu Diensten sein soll. Ich war auch fassungslos, wie sich Juncker und Davutoglu auf dem kleinen EU-Vorgipfel in fast nicht enden wollender Umarmung begrüßten. Das sind also unsere neuen Freunde.....
alias_=|||=_ 20.12.2015
3.
So so, die Türkei wollte also kurdische Peschmerga und sunnitische Kämpfer ausbilden. Gleichzeitig bombardiert sie kurdische YPG-Stellungen und terrorisiert die türkischen Kurden. Von türkischen Angriffen auf Stellungen des sunnitischen IS hört man dagegen eher selten. Das Mißtrauen der Iraker und vor allem der irakischen Kurden ist mehr als verständlich.
xxticoxx 20.12.2015
4. Alles sehr seltsam
Exakt zwei Wochen vor der ersten irakischen Beschwerde hat sich an dem türkischen Stützpunkt noch der irakische Verteidigungsminister ablichten lassen und dann so eine Kehrtwende. Darüber hinaus bildet die Türkei seit 2 Jahren dort kurdische Peschmerga aus. Wozu der Zorn grad jetzt ? Und vorallem aus welcher Motivation heraus ? Wenn man bedenkt, dass in etwa ein Drittel des Landes von Daesh kontrolliert wird,sind die Sorgen der Iraker bzgl der Integrität umso lächerlicher....aber was solls !
sirgentlemen 20.12.2015
5. Eins verstehe ich nicht
Die türkischen Truppen sind seit Jahren dort stationiert, bilden Kämpfer gegen IS aus. Hr. Barzani war sogar vor eine Woche in Ankara und hat dort verschiedene Bereiche besucht. Aber die Irakis beschweren sich aufeinmal??? Teile der Irak besetzt IS, im restlichen Teil haben auch die Amis ihre Stützpunkte??? Es ist einfach Fakt das die schiitischen Irakis das nicht wollen, da Türkei grösstenteils sunnitisch ist, und hinter den schiitien stecken die Iraner. Wie kleingeist es eigentlich ist. Die Lage ist mehr als angespannt und die Herren bekriegen sich wie vor 500 Jahren, vor ca 60-70 Jahren Hr. Atatürk Mustafa es richtig erkannt, Glaube und Staat musst getrennt werden, auch in den Köpfen der Leute.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.