Nordirak Türkische Truppen verfolgen PKK-Kämpfer

Die USA sind laut einem US-Zeitungsbericht in die militärischen Auseinandersetzungen an der türkisch-irakischen Grenze involviert. Demzufolge geben sie sogar den türkischen Militärs die Ziele vor.


Arbil - Etwa drei Kilometer sind die türkischen Truppen in der vergangenen Nacht ins Landesinnere vorgedrungen. Die Soldaten sollen nur leicht bewaffnet sein und sich in der gebirgigen Region Gali Rash aufhalten. Aus türkischen Regierungskreisen verlautete, die Operation mit rund 300 Soldaten habe in der Nacht begonnen und dauere noch an. Ziel sollen Stellungen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Grenzregion und in den Kandil-Bergen gewesen sein. Offenbar handelt es sich bei dem Vorstoß jedoch nicht um eine größere Offensive.

Offensive gegen PKK-Rebellen: Türkische Soldaten an der Grenze zum Irak
REUTERS

Offensive gegen PKK-Rebellen: Türkische Soldaten an der Grenze zum Irak

Die USA unterstützen laut "Washington Post" die türkische Armee bei ihren Angriffen mit Geheimdienstinformationen. Unter Berufung auf hohe Regierungsbeamte berichtet das Blatt heute, die USA versorgten die Militärs mit Informationen über Aktivitäten und Bewegungen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak.

Dazu hätten US-Militärs ein Verbindungsbüro in Ankara eingerichtet. Unter anderem seien Satellitenbilder über PKK- Stellungen für die türkischen Angriffe am vergangenen Sonntag geliefert worden. Die US-Experten würden den türkischen Militärs "praktisch die Ziele aufzeigen", zitiert das Blatt einen Beamten.

Berichte über militärische Auseinandersetzungen mit PKK-Rebellen wurden jedoch bisher nicht offiziell bestätigt. Ein türkischer Militäroffizier sagte dem Sender CNN-Türk, die Soldaten hätten eingegriffen, als sie kurdische Rebellen an der Grenze bei den Vorbereitungen eines Attentats ertappten. "Als zwei PKK-Gruppen dabei beobachtet wurden, wie sie einen Anschlag vorbereiteten, intervenierte ein Bataillion türkischer Soldaten", berichtete der Offizier.

Auch Dschabar al-Jawar, ein Sprecher der kurdischen Kämpfer "Peschmerga" in Arbil, sagte: "Die Soldaten haben bei der Verfolgung von Kämpfern der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) im Dreiländereck zwischen der Türkei, Iran und dem Irak die Grenze überquert." Die türkische Armee sei in eine verlassene Zone eingedrungen, wo keine irakischen oder kurdischen Truppen stationiert sind. Die Soldaten hätten die Grenze rund 120 Kilometer nördlich von Arbil überschritten, in der Nähe der Grenze zu Iran.

Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül hat sich ausweichend zum Einmarsch geäußert. Auf Fragen von Journalisten antwortete Gül nach Berichten türkischer Fernsehsender, die Armee mache "das Notwendige" im Kampf gegen die Rebellen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Die Türkei habe nur ein Ziel im Nordirak, und das sei der Terrorismus, betonte Gül. Zugleich hob er die guten Beziehungen zu Bagdad hervor. "Der Irak ist ein Bruderland", sagte Gül, der sich in der zentraltürkischen Stadt Konya aufhielt.

Aufmarsch an der türkisch-irakischen Grenze

Es handelt sich um den ersten Einsatz türkischer Bodentruppen im Irak seit der Verschärfung des Kurdenkonflikts im Oktober. Ankara hatte mehrfach mit einem Einmarsch in den Nordirak gedroht, wo die PKK ihre Rückzugsgebiete hat. Die türkische Armee hat im Kampf gegen Rebellen der Kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Region bis zu 100.000 Soldaten zusammengezogen.

Erst am Wochenende hatte die Luftwaffe mehrere Dörfer im Nordirak bombardiert und nach eigenen Angaben PKK-Stellungen angegriffen. Es war die größte türkische Luftoffensive gegen die Kurdische Arbeiterpartei seit Jahren. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die Angriffe als Erfolg. Das irakische Parlament verurteilte die Angriffe am Montag als Verletzung der irakischen Souveränität. Die EU und die Uno reagierten besorgt auf das militärische Vorgehen der Türkei im Nachbarland.

US-Außenministerin Condoleezza Rice besuchte unterdessen die irakische Stadt Kirkuk. Die Ministerin traf sich mit Mitgliedern eines Wiederaufbau-Teams und Politikern aller Parteien. Die Provinz sei von großer Bedeutung "für die Zukunft des Iraks, für einen demokratischen Irak, einen Irak für alle Menschen", erklärte Rice. Die Sunniten in der Region hatten kürzlich ihren politischen Boykott beendet und einer Vereinbarung zugestimmt, nach der ihnen Regierungsposten eingeräumt werden. Rices Berater David Satterfield erklärte, damit sei eine wichtige Blockade aufgelöst. Im Verlauf des Tages wollte die Ministerin nach Bagdad weiterreisen.

amz/Reuters/AFP/dpa/AP



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