Unsicherheit durch Brexit Bombe explodiert an Grenze zu Irland

Der nahende EU-Austritt Großbritanniens erzeugt neue Spannungen in Nordirland. Nun ist erneut ein Sprengsatz in der Grenzregion zu Irland detoniert. Die Polizei ermittelt in Richtung der Untergrundorganisation IRA.

Gelegentlich kommt es zu Angriffen in Nordirland: Zuletzt war bei einer Demo eine Journalistin erschossen worden. Die New IRA bekannte sich zu der Tat.
Brian Lawless/PA/dpa

Gelegentlich kommt es zu Angriffen in Nordirland: Zuletzt war bei einer Demo eine Journalistin erschossen worden. Die New IRA bekannte sich zu der Tat.


In Nordirland ist am Montagmorgen nahe der Grenze zur Republik Irland auf einer Straße ein Sprengsatz explodiert. Vizepolizeichef Stephen Martin zeigte sich vor Journalisten in Belfast überzeugt, dass es sich bei der Explosion um einen versuchten Anschlag auf nordirische Sicherheitskräfte handelte. Durch einen Hinweis vom Samstagabend sei versucht worden, Polizisten und Antiterroreinheiten zum Ort der Explosion zu locken.

Martin hielt es nach eigenen Angaben für möglich, dass die Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) oder eine ihrer Absplitterungen New IRA und Continuity IRA für den Anschlagsversuch verantwortlich sein könnte. Die IRA wäre nach seinen Worten "ein guter Ausgangspunkt für die Ermittlungen".

Die IRA kämpfte Jahrzehnte für die Vereinigung Nordirlands, das zu Großbritannien gehört, mit der Republik Irland. Durch die EU-Integration und das Karfreitagsabkommen von 1998 war der Nordirlandkonflikt entschärft worden.

Mehr als 20 Jahre, nachdem Nationalisten und Unionisten Frieden in Nordirland geschlossen haben, entfacht der für den 31. Oktober geplante Brexit neue Ängste und Spannungen. Es fehlt immer noch eine Einigung zwischen der EU und Großbritannien auf eine künftige Grenzvereinbarung zwischen dem EU-Mitglied Irland und dem britischen Nordirland.

Die protestantischen Unionisten wollen weiter zu Großbritannien gehören, die katholischen Nationalisten fordern ein vereintes Irland. Splittergruppen der dazugehörigen Paramilitärs von damals sind immer noch aktiv. In der jüngeren Vergangenheit kam es dabei wieder zu Angriffen, die allerdings nicht mit der Intensität von früher zu vergleichen sind. Im Januar dieses Jahres detonierte eine Autobombe, im April wurde eine Journalistin bei einer Demonstration im nordirischen Derry erschossen. Zu dem Mord bekannte sich die New IRA, ein Ableger der IRA.

Der irische Premierminister Leo Varadkar verurteilte den versuchten Anschlag vom Montag, der "verheerende Auswirkungen" hätte haben können.

Im Video: An der irischen Grenze - "Der Brexit reißt alte Wunden auf"

dbate

mfh/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.