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12. April 2010, 07:41 Uhr

Nordirland

Bombe explodiert vor britischer Geheimdienstzentrale

Anschlag vor der Zentrale des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5 in Nordirland: Nach Angaben der Polizei war der Sprengsatz in einem gestohlenen Taxi versteckt. Ein Mann wurde bei der Explosion leicht verletzt - die radikale republikanische Gruppe Real IRA bekannte sich zu dem Anschlag.

London - Nur wenige Minuten nach der Übertragung der Befugnisse über Polizei und Justiz an Nordirland ist am frühen Montagmorgen vor der Zentrale des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5 bei Belfast eine Autobombe detoniert. Ein Mann wurde leicht verletzt. Am Morgen bekannte sich die radikale republikanische Gruppe Real IRA zu dem Anschlag.

Die britischen Fernsehsender BBC und Sky News berichteten unter Berufung auf die Polizei, der Sprengkörper sei mit einem entführten Taxi zu der Kaserne, in der der MI5 arbeitet, gebracht worden. Die Familie des Taxifahrers sei als Geisel genommen worden. Einzelheiten über diese Tat lagen zunächst nicht vor.

Polizei und Feuerwehr eilten zum Tatort. Die Gegend wurde abgesperrt. Anwohner mussten sicherheitshalber ihre Häuser verlassen. Nachbarn sprachen von einer starken Explosion, die sich kurz nach Mitternacht ereignet habe.

Der Anschlag fiel mit dem jüngsten Schritt im Friedensprozess in Nordirland zusammen: der Verlagerung von Zuständigkeiten bei Polizei und Justiz von Großbritannien auf Nordirland. Unter anderem erhält die britische Provinz zum ersten Mal einen eigenen Justizminister. Beobachter befürchten, dass es zu Unruhen kommt, da einige proirische Gruppierungen nicht auf den politischen Weg setzen, sondern auf den Kampf für den Anschluss Nordirlands an die Republik Irland. Die Polizei hat die Gefahr von Anschlägen als hoch eingestuft und Sicherheitskräfte als vorrangiges Ziel bezeichnet.

Nordirland war jahrzehntelang von Terror zwischen Katholiken und Protestanten geprägt, dem seit 1969 mehr als 3500 Menschen zum Opfer fielen. Während die Katholiken eine Vereinigung mit Irland anstreben, wollen die Protestanten lieber bei Großbritannien bleiben. Nach jahrelanger Feindschaft hatten sich die Protestantische Unionistenpartei DUP und die katholische Sinn Fein vor knapp drei Jahren auf die Bildung einer gemeinsamen Regionalregierung geeinigt.

anr/dpa/AFP/Reuters

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