Prozess in Belfast Radikaler Nordire gesteht 200 Terrortaten

Gary Haggarty tötete fünf Menschen und war in Hunderte Terrorverbrechen involviert: Das hat der Ex-Chef der Ulster Volunteer Force vor einem Gericht in Belfast gestanden. Trotzdem könnte er freikommen.

Wandbild der Ulster Volunteer Force in Belfast (Archiv)
REUTERS

Wandbild der Ulster Volunteer Force in Belfast (Archiv)


200 Terrordelikte und fünf Morde - Gary Haggarty hat sie alle gestanden. Der ehemalige Chef der protestantisch-unionistischen Ulster Volunteer Force (UVF) gab vor einem Gericht in der nordirischen Hauptstadt Belfast außerdem fünf weitere versuchte Morde zu sowie 23 Fälle von Verschwörungen zum Mord.

Außerdem habe er terroristische Handlungen angeführt und sei Mitglied einer verbotenen Organisation gewesen.

Der heute 45-Jährige agierte während des jahrzehntelangen Nordirlandkonflikts aber auch als Informant für die Polizei. Im Gegenzug für seine Kooperation mit den Behörden dürfte seine Strafe deshalb nun reduziert werden.

Jahrzehntelanger Konflikt mit vielen Toten

Einem Bericht der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge könnte Haggarty aufgrund seiner Informantentätigkeit trotz seiner Taten sogar freigelassen werden. Demnach hatte er bereits drei Jahre in Untersuchungshaft gesessen.

Von den Sechzigerjahren bis in die Neunzigerjahre kämpften im Nordirlandkonflikt protestantische Loyalisten gegen katholische Nationalisten um die Hoheit in der Region. Die Loyalisten - auch Unionisten genannt - verteidigen nach wie vor die Einheit mit Großbritannien. Die Nationalisten - auch als Republikaner bekannt - wollen ein unabhängiges Gesamtirland.

Über 1000 Befragungen durch die Polizei

Der Konflikt kostete etwa 3600 Menschen das Leben und endete 1998 mit dem Karfreitagsabkommen. Darin einigten sich die Parteien auf eine gemeinsame Verwaltung der ehemaligen Krisenregion.

In einem der komplexesten und umfassendsten Fälle in der Geschichte Nordirlands war Haggarty mehr als tausendmal von der Polizei befragt worden. Seine Straftaten erstrecken sich über einen Zeitraum von 16 Jahren zwischen 1991 und 2007. Ein Urteil wird noch vor Jahresende erwartet.

dop/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.