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13. Juli 2018, 16:41 Uhr

Sechste Nacht in Folge

Gewaltsame Proteste erschüttern Nordirland

So heftig waren die Auseinandersetzungen lange nicht: Seit einer Woche eskaliert in der nordirischen Stadt Derry jede Nacht die Gewalt. Zahlreiche Katholiken fühlen sich von protestantischen Mitbürgern provoziert.

Schüsse auf Polizisten, Sprengsätze, Flaschenwürfe: Seit Tagen liefern sich katholische Demonstranten in Nordirland gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei. In der Nacht auf Freitag seien die Beamten in der Stadt Derry erneut mit Brand- und Sprengsätzen attackiert worden, teilte die Polizei mit. Die Sicherheitskräfte feuerten mit Gummigeschossen auf Demonstranten. Es war die sechste Gewaltnacht in Folge.

Am Donnerstag hatten tausende Protestanten an den traditionellen Oraniermärschen teilgenommen, mit denen in Nordirland an den Sieg des protestantischen Königs William III. über seinen katholischen Rivalen James II. im Jahr 1690 erinnert wird. Viele Katholiken werten die Aufzüge als Provokation.

Trotz der Beilegung des Nordirland-Konflikts vor 20 Jahren kommt es daher rund um den 12. Juli immer wieder zu Ausschreitungen - gerade in der gespaltenen Stadt Londonderry, die von der katholischen Mehrheit nur Derry genannt wird. Am 30. Januar 1972 wurden dort mehrere Demonstranten von britischen Soldaten erschossen, der Tag ging als "Bloody Sunday" in die Geschichte ein.

"Offenkundiger Versuch, Polizeibeamte zu ermorden"

Diesmal ist die Eskalation der Gewalt jedoch besonders heftig. Nach Angaben der Polizei wurden am Dienstag mehrere Schüsse auf Beamte abgefeuert. Jugendliche attackierten zudem ein protestantisches Stadtviertel mit Brandbomben, zahlreiche Autos wurden in Brand gesetzt.

Verletzt wurde offenbar niemand, die Polizei sprach jedoch von einem "offenkundigen Versuch, Polizeibeamte zu ermorden". Einem Bericht des "Guardian" zufolge wurden drei Männer festgenommen, einer wegen des Verdachts auf versuchten Mord.

Die Polizeigewerkschaft warf den protestierenden Katholiken vor, Kinder und Jugendliche zu Stein- und Flaschenwürfen auf Polizisten anzustacheln und damit "ihre Drecksarbeit machen" zu lassen.

Nordirische Parteien stellen sich geschlossen gegen Gewalt

Die britische Regierung verurteilte die "unerträgliche Gewalt". Das "Chaos" in Derry und die gezielten Angriffe auf die Polizei seien "absolut inakzeptabel", erklärte Nordirland-Ministerin Karen Bradley. Die Gewalt gehe gleichwohl nur von einer "kleinen Minderheit" aus. Durch den bevorstehenden Brexit ist in Nordirland die Sorge gewachsen, dass der alte Konflikt wieder aufbricht.

Die fünf größten Parteien Nordirlands, die sich seit 18 Monaten nicht auf die Bildung einer neuen Regierung einigen können, verurteilten gemeinsam die Gewalt.

mes/dpa/AFP

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