Nordirland IRA will wieder an den Verhandlungstisch

Hoffnung auf eine Fortsetzung der Friedensgespräche: Die nordirische Untergrundorganisation IRA hat eine neue Initiative angekündigt, um den festgefahrenen Friedensprozess wiederzubeleben.


London/Belfast - In einer am Mittwochabend in Belfast herausgegebenen Erklärung heißt es, die Organisation sei zur "Intensivierung des Dialogs" mit der Entwaffnungskommission bereit.

Die Irisch-Republikanische Armee hatte ihre Kontakte zu der Entwaffnungskommission im August abgebrochen. Mit der jetzt erneuerten Bereitschaft, ihre Waffen "dauerhaft unbrauchbar" zu machen, kann eine unmittelbare politische Krise in Nordirland möglicherweise abgewendet werden. "Wir sind der Ansicht, dass der Friedensprozess in Irland zum Erfolg führen kann", heißt es in der Erklärung des IRA-"Armeerats." Das Führungsgremium der IRA verurteilte ferner die Terrorangriffe in den USA und sprach den Angehörigen der Opfer ihr "Mitgefühl" aus.

In der Erklärung nahm die IRA-Spitze auch erstmals zu der Festnahme von drei angeblichen IRA-Mitgliedern in Kolumbien Stellung. Sie sollen dort an der Ausbildung von Rebellen beteiligt gewesen sein. Die IRA habe sich "nicht in die Angelegenheiten Kolumbiens eingemischt und niemanden" in das südamerikanische Land entsandt, hieß es in der Erklärung.

Frist läuft Samstag ab

Die britische Regierung hatte den Konfliktparteien in Nordirland bis zum kommenden Samstag Zeit gegeben, den Stillstand im Friedensprozess zu überwinden. Danach hätte sie nur die Wahl gehabt, die Selbstverwaltung politischer Institutionen in Nordirland auszusetzen oder Neuwahlen zur Regionalversammlung auszurufen. Im Rahmen der Bemühungen um eine Rettung des Friedensprozesses hatte US-Präsident George W. Bush seinen Sonderberater Richard Haass nach London, Dublin und Belfast entsandt.

In der Provinz war nach dem Rücktritt von Regierungschef David Trimble Anfang Juli ein politisches Machtvakuum entstanden. Trimble hatte seinen Schritt mit mangelnden Fortschritten in der Entwaffnungsfrage begründet.



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