Nordirland & Irland Protestanten schlagen Referendum vor

Überraschung für London: Der nordirische Protestantenführer David Trimble hat am Samstag ein Referendum in Nordirland über eine mögliche Vereinigung mit der Republik Irland gefordert.

Trimble schlug vor, im Mai 2003 über einen Zusammenschluss beider Teile Irlands abzustimmen. Der Generalsekretär der für ein vereintes Irland kämpfenden katholischen Republikanerpartei Sinn Fein, Mitchel McLaughlin, begrüßte grundsätzlich den Vorschlag.

Trimble, der auch Chef der nordirischen Regionalregierung ist, hatte beim Parteitag der größten Protestantenpartei UUP in Belfast gesagt, er sei überzeugt, dass die große protestantische und pro- britische Mehrheit der Bevölkerung ein vereintes Irland ablehne. "Wir müssen aufhören, die Union (mit Großbritannien) schlecht zu reden. Die Union ist stark", rief er seinen Anhängern zu. Er bezeichnet Großbritannien als "dynamische, multi-ethnische, multi-nationale Demokratie" und sprach "von dem jämmerlichen, konfessionell ausgerichteten, mono-ethnischen und mono-kulturellen Staat in unserem Süden".

Sinn Fein-Generalsekretär McLaughlin sagte, Trimble müsse sich für diese Charakterisierung Irlands entschuldigen. Trimble ziele auf die Reaktionäre unter den Protestanten ab. "Aber wir begrüßen seinen Eröffnungsschachzug in der letzten großen Frage, die die irische Insel betrifft. Das mag ein Wahlmanöver sein, aber für uns wäre das eine Möglichkeit, mit den Unionisten über ein vereinigtes Irland zu sprechen, das für sie akzeptabel wäre."

Trimble, der in seinem Amt als Parteivorsitzender der UUP ohne Gegenkandidat bestätigt wurde, schlug das Referendum für Mai 2003 vor - zeitgleich mit den nächsten Wahlen für das Regionalparlament. Das vorgeschlagene Datum wurde von politischen Beobachtern als Versuch gewertet, die nach allen Umfragen drohende schwache Wahlbeteiligung bei der ersten Wiederwahl des Regionalparlaments abzuwenden und die pro-britischen Protestanten an die Wahlurnen zu locken.

Trimble hatte gesagt, er rechne nicht mit einem Votum zu Gunsten eines vereinten Irlands. Die Mehrheit der Bevölkerung wolle bei Großbritannien bleiben. Auch ein Teil der katholischen Minderheit wolle nicht der Republik beitreten.

Ein Sprecher des britischen Premierministers Tony Blair, der ein Referendum genehmigen müsste, sagte am Samstag: "Es gibt derzeit keine Pläne für eine Volksabstimmung. Aber wenn Herr Trimble solche Vorschläge macht, dann wird er zweifellos mit uns darüber sprechen wollen."

Im Friedensabkommen von 1998 ist ein Referendum nur für den Fall vorgesehen, dass es Anzeichen dafür gibt, dass eine Mehrheit der Bevölkerung sich von Großbritannien trennen will. Tatsächlich begründete Trimble aber seinen Vorschlag damit, er wolle zeigen, dass die große Mehrheit der Nordiren eine Vereinigung der Insel unter Führung Dublins ablehnt.

Mindestens 60 Prozent der nordirischen Bevölkerung gelten als protestantisch. Die Ergebnisse einer neueren Volkszählung sind noch nicht veröffentlicht, doch sollen sie auf ein wesentlich stärkeres Wachstum der katholischen Bevölkerung in den vergangenen Jahren hinweisen.

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