Nordirland-Konflikt Polizei findet Waffen an nordirischer Grenze

Eigentlich sollten die Paramilitärs in Nordirland nicht mehr aktiv sein. Jetzt findet die irische Polizei ein Waffenlager an der Grenze. Zwei Menschen kommen nach Schießereien ins Krankenhaus.

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Die irische Polizei hat ein Waffenlager an der Grenze zu Nordirland entdeckt. Bei Ermittlungen gegen paramilitärische Splittergruppen der offiziell aufgelösten Terrororganisation IRA fanden die Polizisten eine "bedeutende Menge" Waffen verschiedener Kaliber und Sprengstoff im Dorf Omeath in der irischen Gegend County Louth.

Am selben Tag wird in der Grenzstadt Londonderry nach Angaben der Polizei auf zwei Menschen geschossen. Die beiden Männer wurden ins Krankenhaus gebracht. Die Polizei geht davon aus, dass Paramilitärs involviert waren. Erst vor zwei Wochen war in der Stadt, die während der jahrzehntelangen Unruhen zwischen Unionisten und Nationalisten eine zentrale Rolle spielte, eine Autobombe detoniert. Dabei wurde zwar niemand verletzt, doch Experten gab der Vorfall Anlass zur Sorge: Die Paramilitärs wollen wieder zeigen, dass sie zurück sind. Die New IRA reklamierte die Tat für sich.

Eigentlich haben die paramilitärischen Gruppen sowohl auf Seiten der protestantischen Unionisten als auch auf Seiten der katholischen Nationalisten mit dem Friedensabkommen 1998 ihre Waffen niedergelegt. Die Unionisten wollen seit jeher zu Großbritannien gehören, die Nationalisten träumen auch heute noch von einem vereinten Irland.

Die Irish Republican Army (IRA), die als terroristischer Arm der nationalistischen Partei Sinn Féin gilt, löste sich damals offiziell auf. Doch bis heute sind paramilitärische Splittergruppen in der Region noch aktiv. Meist beschränkten sich ihre kriminellen Aktivitäten auf Drogenhandel. Gelegentlich gibt es Streitigkeiten innerhalb der jeweiligen Gruppen.

Junge Nordiren: "Hör zu, Theresa May"

Im Rahmen der Brexit-Verhandlungen haben die Spannungen an der Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und der britischen Provinz Nordirland wieder zugenommen. Experten befürchten, dass alte Fehden zwischen protestantischen Unionisten und katholischen Nationalisten wieder aufflammen könnten.

Eine Gruppe junger Nordiren wendet sich deshalb in einem Video auf Twitter an Theresa May. "Hör zu, Theresa May,", schreiben sie dazu, "wir haben keine Stimme in Westminster. Wir verlassen uns auf dich"

Mehr als 20 Jahre nach dem Friedensabkommen ist die Grenze zwischen Nord- und Südirland nicht mehr sichtbar: Militärposten und Grenzkontrollen sind nicht mehr notwendig. Die EU hatte eine stabilisierende Wirkung im Friedensprozess des Landes. Doch nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union wird sich dieser Zustand ändern. Wie das Austrittszenario aussehen wird ist immer noch nicht geklärt. Die Nordirlandfrage gilt als ein großes Problem der Brexit-Verhandlungen.

Eine neue Grenze hätte nicht nur wirtschaftliche Nachteile für Nordirland, das einen Großteil seiner landwirtschaftlichen Produkte in die EU exportiert. Es würde auch einen Kernpunkt des getroffenen Friedensabkommens verletzen.

Die protestantische DUP, von der Theresa Mays Minderheitsregierung in Londonabhängig ist, verwehrt sich aber gegen den sogenannten Backstop - einen Notfallplan, der eine offene Grenze auf Zeit vorsehen würde.

Die katholischen Nationalisten der Partei Sinn Féin sind im britischen Unterhaus dagegen nicht vertreten. Sie haben keine Möglichkeit, auf May Einfluss zu nehmen. Auch das Regionalparlament im nordirischen Belfast steht seit zwei Jahren leer: Die Parteien wollen nicht mehr miteinander regieren. Das ist ebenfalls eine Verletzung des Friedensabkommens. Es sorgt dafür, dass politische Entscheidungen über Nordirland in London getroffen werden.

mfh/ Mit Material von Reuters

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